der Kaninchenrasse Lohkaninchen, schwarz

Cornelia Blanken, Fernwald „Das Blue Jahrbuch 1999

Einleitung

Entschließt sich eine Ausstellerin, einen Fellmantel zu nähen, muss sie sich als erstes um ihre Felle kümmern, denn die Fellqualität ist das A und O eines jeden Fellerzeugnisses. Deshalb sollten grundsätzlich nur ausgesuchte Winterfelle zu Erzeugnissen verarbeitet werden. Ein idealer Fellzustand ist dann gegeben, wenn das Kaninchenfell ausgehaart ist und keinerlei Kahlstellen besitzt.

Für die Herstellung eines Fellerzeugnisses sammeln die Ausstellerinnen meistens die Felle der eigenen Kaninchenrasse – oder sie kaufen diese von anderen Züchtern hinzu. Bei letzterem Fall ist es besser, wenn sie nur von einem oder zwei Züchtern die Felle sammelt. Der Vorteil für die Ausstellerin besteht darin, dass sie Felle in einer relativ gleichmäßigen Farbstellung und Haarlänge erhält, die später in ihrem Erzeugnis verarbeitet werden.

Auch die Pflege und Lagerung der Felle sind ausschlaggebend für ein gutes Erzeugnis, dies fängt bereits bei der Pflege der Kaninchen im Stall an! Beim Schlachten ist darauf zu achten, dass keine unnötigen Löcher in die Fellhaut geschnitten werden. Die abgezogenen Felle werden gespannt und zum Trocknen aufgehängt, bevor sie in die Gerberei gebracht werden. Nach dem Zurichten ist die Lagerung der Felle ebenfalls ein wichtiger Punkt, denn grundsätzlich gehören Felle und Fellerzeugnisse niemals in eine Plastiktüte! Ein optimales Aufbewahrungsmittel für unsere Kaninchenfelle ist ein geräumiger Karton, wo sie gerade ausgelegt genügend Platz finden. Sie werden Fell auf Fell und Leder auf Leder gelegt – ab und zu ein Stück Zeitungspapier zwischen die Lederseite erspart die Mottenkugeln oder das Mottenpapier und schützt vor eventuellen Schädlingen. Bei trockener Lagerung und nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt, kann eine Ausstellerin ohne weiteres einige Jahre die Felle sammeln, um sie später zu einem Erzeugnis zu verarbeiten.

Für einen Mantel mit halbfelliger Verarbeitung in der Konfektionsgröße 36-38 werden ca. 60 bereits ausgesuchte Felle benötigt. Diagonal verarbeitete Erzeugnisse sind im Fellverbrauch entsprechend höher. Optimal für Sortierung nach Farbgleichheit, Haarlänge und Felldichte ist, wenn die Ausstellerin ein Drittel mehr Felle zur Verfügung hat, als sie für die Verarbeitung zu ihrem Mantel benötigt. Was natürlich bedeutet, dass sie möglicherweise ein Jahr länger die Felle sammeln muss, bis diese zu einem Erzeugnis verarbeitet werden können.

Grundsätzliches

Jede Ausstellerin sollte im Besitz eines z. Zt. gültigen Standards sein. Dieser dient unter anderem dazu, unbewusste Fehler in den Verarbeitungsanforderungen zu vermeiden, die später bei der Bewertung zu unnötigem bzw. vermeidbarem Punktabzug führen. Große Erzeugnisse wie Mäntel, Jacken und Teppiche sollten unter Anleitung einer ausgebildeten Kursusleiterin gefertigt werden.

Die Vorbereitungsarbeiten

a) Die Felle:

Folgende Punkte können vor Beginn der eigentlichen Näharbeiten erledigt werden: Vorsortieren der Felle nach Farbgleichheit, Felldichte und Weichheit des Leders. Felle sortiert man am besten auf einem Tisch oder einer großen Platte bei Tageslicht, da künstliches Licht je nach Lichteinfall die Farbe der Felle in unterschiedlichen Farbnuancen erscheinen lässt. Jedes einzelne Fell wird halbfellig nebeneinander gelegt, so kann man am besten feststellen, ob die Felle eine einheitliche Farbschattierung besitzen. Obwohl sie alle von der Rasse Lohkaninchen, schwarz, stammen – ist Schwarz nicht gleich Schwarz. Felle mit braunem Anflug oder solche, die nicht zur gewünschten Farbnuance passen, werden aussortiert.

Nun werden alle Felle auf Kahlstellen kontrolliert. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man fährt mit der flachen Hand gegen den Haarlauf oder man rollt das Fell mit der Lederseite über eine Tischkante. Wurden bei dieser Kontrolle Kahlstellen sichtbar, markiert man diese großflächig mit einem Stift auf der Lederseite. Jetzt werden mögliche Risse und die Stempel (kleine Löcher), die durch die Kennzeichnung der Felle für die Zurichtung entstehen, zugenäht.

Durch diese Aus- bzw. Vorsortierung merkt die Ausstellerin, dass sie gar nicht mehr so viele Felle zur Verfügung hat, wie sie anfangs glaubte.

b) Der Schnitt: Schnitte kann man bei Firmen, die Kürschnerbedarf führen, kaufen. Viele Kursleiterinnen bringen auch ihre eigenen, meist schon erprobten Schnitte zu einem Nähkurs mit. Natürlich kann man auch einen Schnitt ganz nach dem eigenen Geschmack aus einem der vielen Handarbeitshefte verwenden. Diese Schnitte werden dann, eine Größe mehr als die benötigte Konfektionsgröße, auf Pappe aufgezeichnet und ausgeschnitten. Werden diese Punkte vor Beginn eines Nähkurses berücksichtigt und erledigt, erspart es der Ausstellerin Zeit, Geld und unnötige Arbeit innerhalb des Kurses.

Die Fertigung

a) Der Schnitt: Die bereits zu Hause bearbeiteten und sortierten Felle werden nochmals gemeinsam mit der Kursusleiterin durchgesehen und eventuell neu sortiert. Anschließend wird der Schnitt besprochen und eine persönliche Größentabelle (Schulterbreite, Ärmellänge, gewünschte Mantellänge usw.) erstellt, denn alle Fellerzeugnisse werden auf das persönliche Maß der Trägerin gefertigt. Diese Maße werden auf den Schnitt übertragen oder auf dem fertigen Schnitt geändert. Nun wird eine Schnittschablone erstellt. Hier werden die Breite und Länge der Fellstreifen sowie die Schrägung der Diagonale ausgearbeitet. Ist diese Schablone erstellt, wird ein Probestück schlechteren mit einem Fell genäht. Anhand dieses Musters sieht man, ob der Haarlauf und die Stoßnähte der Diagonale harmonisch ineinander übergehen. Unschön ist, wenn an der Mittelnaht der Diagonale die Fellhaare zu steil gegeneinander stehen. Ist die Schablone in Ordnung, wird diese auf die einzelnen Schnitteile und anschließend auf die Felle gezeichnet. Alle linken Teile des Mantels beschriftet man zum Beispiel mit Buchstaben und alle rechten Teile mit Zahlen (A+1, B+2 usw.). Nach dem Aufzeichnen wird ausgeschnitten. Doch Vorsicht, Felle werden nicht mit der Schere, sondern mit einem Fellmesser geschnitten! Hierbei ist darauf zu achten, dass man das Fell senkrecht in der Hand hält und nicht flach auf den Tisch auflegt, da sonst die Grannenhaare abgeschnitten werden.

b) Die Felle: Alle geschnittenen Teile werden so zusammengelegt, wie sie später als Mantelteil zusammengenäht werden. So kann man eventuelle Farbabweichungen oder zu viel Bauchfell (etwas zu breite Lohstreifen) noch vor dem Nähen korrigieren. Hier sollten die Erfahrungen der Kursleiterin und der Geschmack der Ausstellerin zusammenfließen. Sind beide Damen der Meinung, so könnte und sollte der Mantel aussehen, kann das große Nähen beginnen. Zu 90% nähen die Frauen ihre Erzeugnisse mit der Hand, aber auch Maschinennähte sind laut Standard erlaubt. Hier gibt es einen kleinen, aber kaum sichtbaren Unterschied: Eine Maschinennaht ist fester und nicht so geschmeidig wie mit der Hand genäht, daher ist der Fall eines handgenähten Mantels etwas „fließender“.

c) Kahlstellenkontrolle: Sind alle Teile genäht, kann man sie nochmals auf eventuelle Kahlstellen kontrollieren (keine Pflicht). Hierzu legt man die genähten Teile mit dem Leder nach unten auf einen Tisch oder eine Platte und fährt mit einem feuchten Schwamm mit dem Haarlauf gleichmäßig über alle Teile. Sollte dennoch eine Kahlstelle übersehen worden sein, wird sie spätestens hier sichtbar. Im feuchten Zustand fällt das Fell ein wenig ein. Wurde keine Kahlstelle mehr bemerkt, lässt man die Fellteile vor dem nächsten Arbeitsschritt wieder trocknen.

d) Zwecken: Alle genähten Teile werden wieder mit einem feuchten Schwamm, diesmal auf der Lederseite, angefeuchtet und mit dem Fell nach unten auf eine Holzplatte gezweckt (gespannt). Die Hilfswerkzeuge hierfür sind eine Zweckzange und Zwecknägel. Die Zwecknägel werden in ca. 1 cm Abstand eingeklopft. So bringt man die genähten Teile wieder in Form. Ferner gewinnt man durch das Zwecken auch noch den einen oder anderen Zentimeter, weil das Fell bei diesem Vorgang straff gespannt wird. Wurde eine Seite befestigt, legt man bei Bedarf einen Winkel an, um zu gewährleisten, dass die Teile nicht schief oder verzogen gezweckt werden (besonders wichtig bei Kissen). Sind alle Teile korrekt gezweckt, lässt man diese auf der Platte wieder trocknen. Nach dem Trockenvorgang werden mit einem Nahtroller alle Nähte gerollt. Dieses Ausrollen verhindert dicke oder wulstige Nähte, die auch von außen durch die Fellhaare spürbar sind. Anschließend wird der Schnitt des Mantels aufgelegt und abgezeichnet.

e) Bändeln und Wattieren: Sämtliche Schnittstellen werden jetzt „gebändelt", d. h. auf alle Teile des Mantels (Ärmel, Kragen usw.) wird vor dem Ausschneiden ein Bändelband (selbstklebend oder mit Spezialkleber) geklebt. Dieses Band garantiert einen besseren Halt der Teile und verhindert ein Verziehen oder Auftrennen der Nähte. Wenn alle Schnittstellen mit Bändelband versehen sind, werden die Zwecknägel entfernt und die einzelnen Mantelteile ausgeschnitten. Nun werden alle Teile zu einem kompletten Mantel aneinandergenäht und die „Kess“ (Verschlüsse oder auch Clips genannt) angezeichnet und festgenäht.

Auf der Innenseite des Mantels wird Watteline in großen Stichen aufgenäht. Watteline verhindert, dass man die Nähte durch den Futterstoff spürt. Dies ist angenehmer beim späteren Tragen des Mantels.

f) Der Futterstoff: Auch hier wird wiederum der Schnitt des Mantels aufgezeichnet, ausgeschnitten, gebügelt und zusammengenäht. Alle Teile, bis auf die Armkugel oder die Raglannaht, können mit der Maschine genäht werden. Bevor das Futter in den Fellmantel eingenäht wird, wird vorher noch ein Zierband rund um den Mantel befestigt. An diesem Zierband näht man im nächsten Arbeitsgang den Futterstoff fest. Ist das Futter mit kleinen, exakten Stichen und farbig passendem Garn im Rumpf des Mantels eingenäht, wird er auf die linke Seite gedreht und (wenn verfügbar) über eine Schneiderpuppe gehängt, um das Ärmelfutter einzunähen. Der Ärmel sollte, It. Standard, mit der Hand eingenäht sein, denn Maschinennaht bedeutet bei der Bewertung unnötigen Punktabzug!

Zum Abschluss wird ein farbig passender Aufhänger an der inneren Halsnaht angebracht. Fehlender Aufhänger bedeutet ebenfalls bei der Bewertung Punktabzug. Auch das Etikett der Frauengruppen „Erzeugnis aus Kaninchenprodukten eigene Handarbeit“ sollte nicht fehlen, aber hierfür besteht jedoch keine Anforderung.

Jetzt werden Sie möglicherweise denken, der Mantel ist fertig! Ja, aber noch nicht ganz.

Schaufertigmachen

Genau wie die Züchter ihre Kaninchen, sollten auch die Frauen ihre Erzeugnisse schaufertigmachen! Das heißt: Erzeugnisnummer anbringen, nochmals alle Nähte kontrollieren und anschließend fachgerecht verpacken. Fachgerecht heißt nicht: Rein in eine Plastiktüte oder einfach über dem Arm hängend bei der AL abgeben. Fachgerecht bedeutet: Man verpackt den Mantel in einem ausgedienten Koffer, einem Kollektionssack, ja auch ein alter Bettbezug oder Kopfkissen sind möglich, um den Mantel beim Transport zu schützen.

Ich der selbstgenähte Mantel – hoffe,

– dass Sie, die diesen Fachbeitrag lesen, einen kleinen Einblick in die Fellverarbeitung bekommen haben und nachvollziehen können, wieviel Mühe und Arbeit es gemacht hat, bis ich aus vielen Kaninchenfellen zu einem Mantel wurde!

– dass die Preisrichter/innen bei der Bewertung viel Freude an mir haben und eine gefühlvolle Hand besitzen, denn Ziehen und Zerren an meinen Nähten tut mir weh!

– dass meine Erzeugerin immer die nötige Akzeptanz für das Bewertungsurteil zeigt, denn auch die Preisrichter/innen sind nur Menschen!

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.