Kurt Binder,1. Vors. des ZDK – „Das Blaue Jahrbuch“ 1960

Schaufenster mit Angorakaninchen in Berlin Foto: Scherf, Berlin

Man könnte der Meinung sein, jeder Ausstellungsleiter wäre ständig bemüht, seine Ausstellung von Jahr zu Jahr zu verbessern. Jedenfalls wird es in vielen Fällen doch so sein, und doch sind genug Ausstellungsleitungen vorhanden, die Jahr für Jahr nach einer toten Materie ihre Ausstellungen auf- und abbauen. Ein fester Besucherstamm dieser letztgenannten Ausstellungen ist vorhanden. Nachbarvereine besuchen immer die Ausstellung – was soll man sich da noch weiter bemühen! Die Käfige stehen immer an derselben Stelle, die Tombola wird durchgeführt, und ein guter oder schlechter Katalog ist auch vorhanden.

Was will man da noch mehr. Wichtig ist, dass die Ausstellung jedes Jahr etwas für die Vereinskasse abwirft, damit man im nächsten Jahr wieder einen guten Vereinsausflug starten kann. So kann es bei kleineren und auch größeren Ausstellungen der Fall sein. E

s muss doch nun die Frage gestellt werden, wollen wir mit unseren Ausstellungen nur die Vereinskasse füllen, oder wollen wir uns mit unseren Ausstellungen in das Blickfeld der Öffentlichkeit stellen? Wollen wir unsere Kaninchenzucht nur für uns betreiben, oder wollen wir einen möglichst großen Kreis der Bevölkerung an unserer Sache teilnehmen lassen, auch wenn er nicht Mitglied unserer Organisation ist?

Wir haben schon manchen Vorstoß bei Vater Staat unternommen, um als gemeinnützige Organisation anerkannt zu werden. Wenn dieses bisher immer noch nicht gelungen ist, so dürfte es vor allen Dingen daran liegen, dass wir uns eben nicht genug in den Dienst der Öffentlichkeit stellen. Ich sehe nun gerade in unserem Ausstellungswesen eine große Chance, uns der Öffentlichkeit anzubieten. Natürlich geht dieses nur, wenn wir beginnen, unsere Schauen ein wenig repräsentativer zu gestalten. Eine solche Repräsentativ-Schau aber dürfte nicht nur die Verbindung mit der Öffentlichkeit herstellen, sondern ein Aushängeschild für unsere ganze Organisation sein. Wir dürften damit dann aber auch in die Hobbyliste des Staates eingetragen sein, und man wird mehr denn je einen Grund haben, unsere Sache zu unterstützen.

Der unfehlbare Ausstellungsleiter aber wird die Frage stellen: „Ja, gibt es denn überhaupt noch etwas zu verbessern?" Man ist doch sehr oft der Meinung, falls überhaupt noch etwas auf einer Ausstellung schief geht, dass dann höchstens noch der Preisrichter schuld sein könnte, weil er eben die Tiere nicht ordentlich bewertet hat. Man stellt sich dann mit einigen Besserwissern in die Käfigreihen und debattiert so laut, dass auch alle Laienbesucher aufmerksam gemacht werden, und versperrt gleichzeitig den Käfiggang, damit die Besucher nichts sehen können. Der erste ungute Eindruck über die Kaninchenzüchter ist so gewonnen. Hier ist also schon ein kleiner Punkt zur Verbesserung unserer Ausstellungen, in dem wir festlegen, alles, was die Öffentlichkeit nichts angeht, sollte hinter verschlossenen Türen behandelt werden.

Auf kleinen Ausstellungen nimmt nun die Tombola immer einen besonderen Raum ein. Nun, ich sehe ein, dass man dieses nicht abschaffen kann, da es für viele Ausstellungen die finanzielle Grundlage bedeutet. Doch glaube ich, auch hier eine Sache bemängeln zu dürfen. Ist es denn unbedingt erforderlich, dass die in der Verlosung stehenden Tiere sehr oft erbärmliche, rassenlose Kaninchen sein müssen? Es kann doch kaum die Meinung eines Ausstellungsleiters sein, dass solche Tiere für diesen Zweck gut genug sind, und mit solchen Tieren dürfte auch kaum ein neues Mitglied für den Kaninchenzuchtverein gewonnen werden. Man kann es doch kaum fassen, dass ein Rassekaninchenzüchter den Besuchern seiner Ausstellung rasselose Tiere anbieten kann. Ich möchte fast sagen, solches Gebaren ist ein Verstoß gegen unsere Satzungen und stößt gleichzeitig die ganze Materie unserer Bestrebungen über den Haufen.

Da lobe ich mir die Ausstellungsleitung einer Großtierschau, so wie ich sie kürzlich erleben konnte. Der Tierschauverein der Großviehzüchter hatte den Kaninchenzuchtverein eingeladen, auf seiner Ausstellung auch auszustellen. Auch er veranstaltete eine große Tombola. Für diese Tombola aber wurde eine wertvolle Rote Neuseeländer Häsin im Werte von 25.- Mark angekauft, um damit auch gleich die eingeladenen Kaninchenzüchter in ihren Bestrebungen zu unterstützen.

So wie in diesen Beispielen wäre es leicht, in den Beanstandungen unserer Ausstellungen fortzufahren. Versuchen wir es daher ab sofort, unser Ausstellungswesen zu verbessern, damit doch wenigstens auch unsere eigenen Mitglieder unsere Ausstellungen besuchen. Auch hier eine oft gehörte Klage, dass eigene Mitglieder nicht die eigene Ausstellung besuchen. Die Schuldfrage braucht wohl nicht geklärt zu werden.

Sehr viel schwieriger in der Ausgestaltung einer Ausstellung aber haben es unsere großen Ausstellungen, wie Bundes-, Landes- und auch Kreisschau sowie große allgemeine Ausstellungen und Schauen, bei denen wir Gäste sind. Aber auch hier sollte man mit dem Versuch beginnen, die Ausstellungen repräsentativer zu gestalten. Nicht die hohe Zahl der ausgestellten Tiere allein kann beeindrucken. Bestes Tiermaterial in einer übersichtlich geordneten Halle wird immer einen größeren Effekt erzielen.

Allein die Gestaltung des Eingangs in eine Ausstellung sollte jedem Ausstellungsleiter besonders am Herzen liegen. Der erste Eindruck eines Besuchers beim Betreten der Ausstellung, ausgerufen mit den Worten: „O, wie schön", dürfte maßgeblich über die gesamte Ausstellung ein Urteil fällen.

Nutzen wir auch für jede Ausstellung das Werbematerial des ZDK. Wenn es auch bisher nur in Plakaten und Flugblättern besteht, so sollte es doch auf keiner Ausstellung fehlen. Unsere Erzeugnisse gerade aus Angorawolle und Kaninchenfleisch sollten stets angepriesen werden. Machen wir auch von dem Angebot eines Ausstellungsstandes des Werbeausschusses für Angorawolle regen Gebrauch. Der Erfolg dieses Ausstellungsstandes wird besonders groß sein, wenn die durch diesen Ausschuss dazugegebenen Richtlinien besonders beachtet werden. Eine Imbisshalle mit Gerichten aus Kaninchenfleisch sollte der Mittelpunkt jeder Ausstellung sein.

Ein Schmerzenskind in unserem Ausstellungswesen war immer die Kaninchenausstellung auf der DLG-Schau. In einem schmucklosen Zelt standen die nackten Käfigreihen. Dazu besetzt mit Tieren, die nicht immer das Aushängeschild des Kaninchenzüchters waren. Eine Änderung kann auch hier nur eintreten, wenn dies aus unseren Reihen kommt. Auch wenn wir Gäste auf dieser DLG-Schau sind, sollten auch wir aus unseren Reihen unser Scherflein zur Ausgestaltung dieser Ausstellung beitragen. Gerade diese Ausstellung bietet uns doch die größte Möglichkeit, vor die Öffentlichkeit zu treten. Wo haben wir eine zweite Schau, auf der so viele Besucher eine Kaninchenausstellung besuchen!

Der erste Schritt zur Verbesserung dieser Schau, vor allen Dingen auf dem Gebiet des Tiermaterials, ist getan. Wir haben die Ausstellungsbestimmungen der Herdbuch- und Spezialzüchter geändert. Köln sollte uns den ersten Versuchserfolg bringen. Doch leider können wir dort wegen Platzmangel nicht ausstellen. So wollen wir uns aber jetzt schon auf München vorbereiten und die erforderlichen Schritte tun, um auch die Ausgestaltung ein Stück vorwärtszubringen.

Aber auch unserer nächsten Bundesschau in Hamm wollen wir eine besondere Chance einräumen. Sie muss das Mekka des Kaninchenzüchters werden. Auch hier sollte nicht eine hohe Tierzahl ausschlaggebend sein, sondern ein riesengroßer Besucherstrom sollte der Öffentlichkeit zeigen, wie wichtig immer noch das kleine Kaninchen für ein ganzes Volk ist.

Behörden und Öffentlichkeit müssen so ständig immer wie- der auf uns aufmerksam gemacht werden, wenn man uns nicht für die Zukunft wegen Geringfügigkeit und Belanglosigkeit unbeachtet lassen soll. Wir geben in unserer Organisation fast 60 000 Menschen einen Lebensinhalt, und daran darf man nicht vorbeisehen.

Nutzen wir daher stets die Chance für den deutschen Rassekaninchenzüchter und seine Organisation, durch unser Ausstellungswesen werbend zu wirken und zu repräsentieren.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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