Erich Spreitz, Werther i. W. –„Das Blaue Kaninchen Jahrbuch“ 1957

Zum 10jährigen Bestehen des Spezialklubs „Deutsche Großsilber“ schwarz

Unter den Silberkaninchen nehmen die D.Gr.S. als Kombinationsrasse einen besonderen Platz ein. Vor mehr als 50 Jahren von deutschen Züchtern herausgezüchtet, haben sie mit unserem heutigen hellen Großsilber nichts zu tun. Diese haben bei der Herauszüchtung nicht Pate gestanden.

Dem Spezialklub ist es in 10jähriger Zuchtarbeit gelungen im D.Gr.S. das Gegenstück zum Hellen Großsilber zu schaffen. Wohl konnten wir auf der II. Bundesschau in Stuttgart noch einige sehr helle „Deutsche Großsilber“ finden, doch der Klub lehnt solche helle Tiere strikt ab, er bekennt sich zur dunklen Schattierung. Diese Tiere sind etwas schwerer zu züchten, dafür aber auch von besonderer Schönheit. Die Körperform soll leicht gestreckt sein. Doch müssen wir versuchen, eher zur Walzenform hinzuarbeiten. Denn das Idealgewicht bei bester Körperform und bester Wirtschaftlichkeit liegt bei 4,35 kg. Noch schreibt der Einheitsstandard ein Gewicht von über 4,50 kg vor. Es wird Aufgabe des Klubs sein, den Standard entsprechend zu verbessern. Die Deckfarbe ist schwarzglänzend am ganzen Körper. Die Silberung wird im Gegensatz zu allen anderen Silberrassen durch weiße Grannenhaare gebildet, welche in Verbindung mit schwarzen Grannen, die wie Reif über der Deckfarbe liegende silberige Schattierung des Haarkleides ergeben. Somit erscheint die Decke schwarz und weiß. Je nach dem Vorhandensein von weißen Grannen, ist die Silberung dunkel bis mittelschattiert. In keinem Falle dürfen die weißen Grannen so zahlreich sein, dass die Deckfarbe unklar erscheint und die Silberung dadurch ein verwaschenes Aussehen erhält. Wer als aufmerksamer Beobachter durch die Stuttgarter Schau gegangen ist, der wird einige solche verwaschen aussehende D.Gr.S. dort gesehen haben. Es handelt sich ohne Zweifel noch um Nachkommen der im Land Lippe herausgezüchteten Germaniasilber, die später den Namen „Deutsche Großsilber" erhalten haben. Wir fordern Klarheit der Silberung und ebenfalls ihre gleichmäßige Verteilung. Es dürfen die kurz behaarten Körperstellen, wie Ohren und Läufe, sowie Kopf und Schnauze etwas dunkler erscheinen, da dieses durch die kürzer hervortretenden und sich daher nicht auflegenden Grannen natur- bedingt ist. Der gesamte Silberungsprozess dauert ungefähr 1/2 Jahr. Die Jungtiere sind bei der Geburt schwarz. Bei einem Alter von 6 Wochen fangen die Tiere an zu silbern. Für den Züchter und Liebhaber ist das die schönste Zeit im ganzen Zuchtbetrieb. Aber nicht nur die Silberung wird beobachtet, es gilt auch auf ein vollgriffiges Fell mit dichter Unterwolle zu achten. Die Haarlänge ist kürzer als beim Hellen Großsilber. Die Unterfarbe ist ein mittleres Graublau. Bei kräftig gesilberten Tieren mindert die vermehrte Durchsetzung der Unterwolle mit weißen Grannen den Wert der Unterfarbe herab.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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