Willi Kirchner, Hamburg, Obmann beim ZDK für Kurzhaar-Kaninchen
„Das Blaue Jahrbuch“1983
Das Kurzhaar-Kaninchen ist eines der jüngsten unter den Kaninchenrassen. Im Jahre 1919 erblickte es bei dem Kleinbauern Désiré Caillon in Pringe-Louche im französischen Département Sarthe das Licht der Welt. Die Tiere eine Häsin und ein Rammler aus zwei Würfen – erwarb der Ortspfarrer Abbé Amédé Gillet, der als Hobby Kaninchen züchtete. Einige der Nachkommen zeigte Gillet erstmals 1924 auf einer Pariser Kaninchenschau der Öffentlichkeit. Die Castor-Rexe (= Biber-Könige) nicht nur dieser Pariser Ausstellung erregten Aufsehen, die Tagespresse berichtete, Pelzindustrie und Züchterwelt erhofften sich einen Edelpelz, der sog. Rex-Rummel setzte ein. Die Züchterwelt, selbst Herren und Damen der gehobenen Gesellschaft verlangten nach diesen Kurzhaarkaninchen, und so kreuzte man nicht nur Kurzhaar mit Kurzhaar, sondern auch mit Normalhaar. Zum Kauf angeboten und reißend abgesetzt wurden auch Tiere mit 3/4, 1/2 und selbst 1/4 Blutanteil. Hans Löffler, Augsburg-Hochzoll, einer unserer unvergessenen Kaninchenzüchter, hatte in einem Taschenbuch von 1928, das mir vor wenigen Tagen in die Hände gekommen war, über den Blutanteil seiner Tiere genau Buch geführt.
Dass diese Ausbeute der jungen Rasse zu ihrer Degenerierung führen musste, liegt auf der Hand. Sie war denn auch mit allen uns bekannten Degenerationserscheinungen behaftet, zumal die Mutation des Kurzhaares auf eine krankhafte Veränderung der Erbanlage zurückgeht. Es ist das große Verdienst der deutschen Züchter, aus diesen völlig degenerierten Tieren eine vitale Rasse geschaffen zu haben, die heute die einstigen Probleme nicht einmal mehr erahnen lässt. Das Kurzhaar-Kaninchen soll ein samtweiches Fell mit 17-22 mm langen Fellhaaren besitzen, das von den Grannen nicht mehr als 1 mm überragt wird; keinesfalls seien die Grannen kürzer als das Fellhaar. Anfangs war man der Meinung, das Fell sei grannenlos. Dies ist aber nicht der Fall. Die Grannen stützen das Fell und sind deshalb unbedingt zu fordern. Ein grannenarmes Fell würde nach der Gerbung unweigerlich lappig. Es darf nicht übersehen werden, dass die angegebene Länge ein Normalmaß ist. Geringe Über- und Unterschreitungen der Fell- haarlänge sind statthaft, zumal die größeren Farbenschläge naturgemäß ein längeres, die kleineren dagegen ein kürzeres Fellhaar besitzen. Wesentlich aber ist, dass der Kurzhaarcharakter deutlich in Erscheinung tritt. Die Haarlänge wird nicht gemessen, sondern geschätzt. Anfängern sei daher geraten, einige ausgezupfte Haare seiner Rexe mit einem 1a-Fell zu messen, um das Auge an die richtige Länge zu gewöhnen. – Gekräuseltes und gewelltes Haar als Überreste jener Degeneration, die da und dort gelegentlich noch immer auftreten können, sind grob fehlerhaft. Wichtiges Kriterium der Fellqualität ist neben der Grannen- länge die Dichte der Unterwolle. Ein gutes Fell muss sich griffig anfühlen; man muss etwas in der Hand haben. Eine Fellprobe lässt dies feststellen: Man streicht mit der flachen Hand gegen den Strich. Das Haar hat dann die nötige Dichte, wenn es (auf der Rückenmitte) senkrecht auf dem Haarboden stehen bleibt oder nur langsam in die Ausgangslage zurücksinkt. Die Erbfestigkeit des Kurzhaares ist heute problemlos. Doch möge der Züchter auf die Fellqualität seiner Tiere sorgfältig achten. Grannenarmes bzw. unterwollarmes Fell ist, wie erwähnt, abzulehnen, nicht zuletzt auch ein Grannenhaar, dass das Fell um mehr als 1 mm überragt; es könnten sonst die einstigen Degenerationserscheinungen erneut in Erscheinung treten. Wir besitzen heute 14 Rex-Rassen, in 4 Rassen dazu noch 10 Farbenschläge. Weiß-Rex: Anerkannt sind Weiß-Rexe mit roten und mit blauen Augen. Verwechslungen sind selbst heute noch zu beobachten, da in den meisten Katalogen und Anzeigen die Angabe der Augenfarbe unterbleibt. Rotaugen: Sie wurden durch Einkreuzung von DR weiß erzüchtet, in späteren Jahren zur Verbesserung des Felles auch mit Hilfe Weißer Neuseeländer. Die Absicht ihrer Erzüchtung war klar: Man wollte ein möglichst großes weißes Fell mit Kurzhaarcharakter und übertrug den Rex-Faktor auf den Deutschen Riesen weiß. Blauaugen: Man erhielt sie durch Kreuzung mit Weißen Wienern. Chin-Rex: Es gibt bereits sehr schöne Tiere; allerdings verlangt die Decke noch sehr viel Züchterarbeit. Denn sie ist entweder zu dunkel oder zu hell, von Ausnahmen abgesehen. Die geforderte Farbe ein lichtes Aschgrau von mittlerer Blautönung wird selten erreicht. Auch in der weißen Zwischenfarbe bestehen noch Mängel; sie ist entweder zu schmal oder verwaschen. – Blau-Rex: Hier handelt es sich um eine einfarbige Rasse. Die Deckfarbe ist schon bedeutend verbessert, die hellen, tauben- blauen Tiere sind fast verschwunden. Gefordert wird das kräftige Dunkelblau des Blauen Wieners. 90 Dreifarben-Schecken-Rex: Die Rasse, eine Rheinische Schecke mit Kurzhaar, ist eine Erzüchtung aus Stuttgart. Sie macht bereits recht angenehm auf sich aufmerksam. Doch ist es bei dieser spalterbigen Rasse schwierig, die gewünschte Punktzeichnung exakt zu erhalten. Noch immer fallen bei der Rasse japanerfarbige Tiere. Auch hier begegnet man immer noch Verwechslungen zwischen dem Dreifarben-Schecken-Rex und dem Dalmatiner-Rex. Ursache ist der Umstand, dass die Dalmatiner-Rexe anfangs den Namen „Dalmatiner-Schecken-Rexe“ führten, und eine alte Gewohnheit auszumerzen ist bekanntlich schwierig. Dalmatiner-Rex: Anerkannt sind die Zeichnungsrassen Schwarz, Blau und Havanna. Da eine Punktscheckung, ist es ebenfalls sehr schwer, die Zeichnung in der gewünschten Form zu erzüchten und zu erhalten. Die Zeichnungsflecken seien möglichst rein, intensiv und gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt, also auch an Bauch und Läufen, und sollen im Idealfall einen Durchmesser von 1,5-2,5 cm haben. Gelb-Rex: Verlangt wird ein kräftiges Gelbrot mit gutem Glanz. Der gewünschten Farbe, dem rezessiven Reingelb mit Rotverstärkern, kommen wir nur sehr allmählich näher, zumal jahrelang die Frage im Raum gestanden hat, ob die Farbe zum Thüringer-Gelb oder zum Neuseeländer-Rot tendieren solle, ob Gelb- oder Rot- Rexe zu züchten seien. Castor-Rex: Die Rasse wird am meisten gezüchtet. Den Ideal- Vorstellungen des Standards ist sie in den letzten Jahren recht nahegekommen. Allerdings wird die Deckfarbe in sehr vielen Fällen bereits zu dunkel. Gewünscht wird ein rötlich-kastanien- brauner Ton. Leider sind die grauen Tiere noch immer nicht verschwunden; sie sind da und dort auf den Ausstellungen zu beobachten. Jedenfalls merke man sich: Graue Tiere sind keine Zuchttiere! Im besonderen Maße ist auf eine leuchtende rostbraune Zwischenfarbe und die dunkelblaue Unterfarbe zu achten. Schwarz-Rex: Genetische Grundlage ist das Alaska-Schwarz. Die Rasse ist bereits recht ansprechend. Das glänzende, breite Schwarz soll sich völlig gleichmäßig über den ganzen Körper erstrecken. Auf einzelne weiße Haare oder gar weiße Büschel sollte der Züchter (hier und bei anderen Rassen) achten. Sie deuten auf Silberungsfaktoren hin und sind (genetisch) nur schwer zu entfernen. – Havanna-Rex: Seine Farbe ist – der einer Zigarre mit Havanna- Deckblatt vergleichbar dunkelschokoladebraun. Guter Glanz und Reinheit der Farbe sind wesentlich. Andersfarbige Fellpartien sind je nach Grad und Häufung mehr oder weniger fehlerhaft. Die Bauchdeckfarbe ist meist matter. Feh-Rex: Gefordert wird ein lichtes Blau mit bräunlichem Schimmer. Mit einem zu hellen Blau-Rex kann ein solches Tier nicht verwechselt werden, da beide Rassen eine unterschiedliche Augenfarbe haben. Sie ist bei den Blau-Rexen blaugrau, bei den Feh-Rexen ebenfalls blaugrau, jedoch je nach Lichteinfall mit einem rötlichen Schimmer versehen. Die Krallen sind dunkelhornfarbig. Der Braunschimmer der Decke tritt an den kurzbehaarten Stellen stärker in Erscheinung. Der Anfänger möge zwischen einem bräunlichen Schleier und Rostanflug unterscheiden. Lux-Rex: In der Züchtermeinung gilt die Rasse stets als einfarbig. Doch ist das Fell hellsilberblau und schwach braun getönt. Die Augenringe sind heller, die Kinnbackeneinfassung weiß, die Bauchdeckfarbe, die Innenseite der Läufe und Schenkel sowie die Unterseite der Blume sind hell bis weiß. Lux-Rex-Zucht ist keine leichte Zucht, wenn man sich vornimmt, Idealtiere zu züchten. Die meisten Tiere erscheinen zu gelblich. Loh-Rex: Die Rasse wurde bereits Anfang der 50er Jahre anerkannt. Hier ist – wie bei den Lux-Rexen – auf die Augenringe und eine scharfe Abgrenzung der Lohe zu achten. Zurzeit sind nur Schwarzloh-Rexe in der Kurzhaarklasse. Marder-Rex: Auch diese Rasse wird in zwei Farbenschlägen gezüchtet, in Braun und Blau. Der Braunmarder-Rex wird verschiedentlich völlig braun ausgestellt. Diesen Tieren fehlt stets die 92 22 Decken- und Seitenzeichnung, also die echte Marderzeichnung. Eine Verwechslung mit Havanna-Rexen ist daher möglich. Dem Standard näher kommt bereits der Blaumarder-Rex. Doch muss die Sattel- und Seitenfarbe verbessert werden. Häufig fallen in den Würfen der Blaumarder-Rexe Weiß-Rexe. Auch bei dieser Rasse ist noch einiges zu verbessern. Russen-Rex: Als Neuzüchtung habe ich die Russen-Rexe nur einmal gesehen, seit ihrer Anerkennung nicht wieder. Ein Urteil über ihre Qualität abzugeben ist mir deshalb zurzeit nicht möglich. Zwerg-Rexe: Im neuen Standard sind die Zwerg-Rexe anerkannt, doch erscheint in den Katalogen bisher nur ein Aussteller. – Mir scheint der Name ,,Zwerg-Rex" nicht die richtige Bezeichnung zu sein. „Kurzhaar-Zwerge“ (analog zu „Farbenzwerge“) wäre besser. Denn Urtyp des Rexkaninchens ist der Castor-Rex. Und von diesem unterscheidet den Zwerg-Rex doch mehr als die Farbe, sofern die Farbe ein Unterscheidungsmerkmal ist. Die geringere Größe, die Zwergenform und die geringere Felllänge (zwischen 14 und 17 mm) rechtfertigen eine Namensänderung durchaus.




