Buchvorstellung.
Martin Fuchs „Das Blaue Jahrbuch“ 2015
Das Löwenköpfchen wurde früher fast ausschließlich in der Hobbykaninchenzucht wegen seiner exotischen Erscheinung und wegen seiner Kleinheit gehalten und verbreitet. Seit einiger Zeit erfreut es sich auch in Deutschland einer stetig steigenden Beliebtheit bei den Rassekaninchenzüchtern. Die Löwenköpfchen sind eine Zwergrasse mit ähnlichen Merkmalen wie die Farbenzwerge, besitzen aber eine lange Mähne am und um den Kopf, ansonsten eher kurze Fellhaare, gedrungenen Kopf und kurze Stehohren.
Anerkannt als Rasse sind sie bereits im Vereinigten Königreich (2002) sowie in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden (2003). In den USA läuft das Anerkennungsverfahren. In der Entwicklung der Kaninchenzucht legt Jens Zscharschuch besonderen Wert auf den Erfolgskurs der kleinen Rassen und der Zwergrassen. Mit ihrer Kleinheit geht eine kürzere Entwicklungszeit der Löwenköpfchen einher, die in einer schnelleren Generationenfolge eingesetzt wird, um die spezifischen Rassemerkmale auf breiter Front zu verbessern.
Stellung und Entwicklung der Löwenköpfchen unter den Zwergrassen
Der Verfasser stellt in seinem Rasseporträt die Löwenköpfchen in einen Zusammenhang zwischen Zwergformen und deren Ursprungsrassen, erarbeitet in übersichtlichen Tabellen die diversen Vererbungsformeln für den Zwergenfaktor und die unterschiedliche Zuordnung zu Kleinstkaninchen und echten Zwergen.
Zur Entstehung der Löwenköpfchen setzt der Autor auf die Theorie einer plötzlich auftretenden mutativen Veränderung des Erbgutes. Diese gefiel offensichtlich einigen Züchtern und Kaninchenhaltern besonders, sodass sie solche Tiere miteinander verpaarten.
2011 entsprach die ZDRK-Standardkommission dem Antrag der deutschen Löwenköpfchenzüchter mit der Aufnahme als Neuzüchtung, nachdem der Autor und sein Zuchtfreund Axel Linke sich mit einer kleinen Züchtergruppe intensiv an die Zuchtarbeit des rhönfarbigen Farbenschlags machte. Man beschränkte sich zunächst auf die Alleinstellungsmerkmale der Rasse: Abweichender Zwergentypus und partielle Langhaarigkeit, Festigung des Typs mit ganz speziellen Eigenschaften, Vitalität und Konstitution. Die Farbnuancen wurden zu diesem Zeitpunkt noch vernachlässigt. Dieser Entschluss stellte sich im Nachhinein als richtig heraus.
Auf Begriffe wie Hypotrichosis (partielle Langhaarigkeit), Keil, Haarbeschaffenheit, Mähnenfaktor und Halb- bzw. Volllöwe geht der Autor speziell ein. Geschildert werden die unterschiedlichen Voraussetzungen und Erbgänge mit farbig dargestellten Formeln zum besseren Verständnis.

Löwenköpfchen mit sehr gutem Stand (Foto: Grit Petersohn)
Die Rasse Löwenköpfchen
Die Antragsteller haben sich bei der Vorlage eines Standardtextvorschlags für den ZDRK an den skandinavischen Ländern orientiert, um einen einheitlichen Typus und eine bessere Einbindung in einen EE-Standard zu erleichtern. Das Geschriebene wird mit vielen aussagekräftigen Farbabbildungen unterstrichen, in denen auch Fehler erkennbar werden. Die Entwicklung der Rassemerkmale und der Farbe, Haltung und Fütterung, Fellpflege sowie »Möblierung der Buchten« nehmen breiten Raum ein.
Löwenköpfchen international sowie Zahlen und Fakten
Der Vergleich der Standards in drei verschiedenen Ländern mit dem Europastandard wird in Tabellenform nebeneinandergestellt, sodass sehr schnell unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe erkennbar werden. Der Europastandard weist eine Vielzahl von Farbenschlägen auf, das liegt in der Vereinigung der Standards der einzelnen Länder. Der Autor warnt vor den Folgen einer vorschnellen Ausweitung von Farbenschlägen in Deutschland, bevor ein genügend großes Züchterumfeld die Rasse insgesamt voranbringt.
Im Zahlenteil wird mit Diagrammen die Zunahme der registrierten Zuchten und der Landesverbände mit Zuchttierbestandserfassung anschaulich dargestellt. Im Februar 2011 reichten sechs Züchter den Antrag auf Neuzulassung beim ZDRK ein. Den Durchbruch schafften die Löwenköpfchen auf der 31. Bundeskaninchenschau 2013 in Karlsruhe mit 110 rhönfarbigen Löwenköpfchen bei sehr guten Bewertungen.
Fazit
Der Autor hat sich einen Ruf als Experte für Löwenkaninchen erworben durch sein unerschütterliches Festhalten am Zuchtgedanken, seine überspringende Begeisterung für die Rasse und die Gewinnung von vielen Mitstreitern. Mit dem Buch „Löwenköpfchen“ im Rahmen der Reihe „Expertenwissen Kaninchenzucht“ wird im deutschen Buchmarkt eine Lücke geschlossen und den Interessenten eine unentbehrliche Richtschnur für die Löwenköpfchenzucht an die Hand gegeben.
Nachtrag: In Deutschland wurden die rhönfarbigen Löwenköpfchen unter der Bezeichnung Zwerg-Löwenkopf (ZwKLk) inzwischen zum 1.9.2014 als Rasse anerkannt. Der japanerfarbige Farbenschlag sowie weiß Blauaugen wurden zum Anerkennungsverfahren ab Zuchtjahr 2014 zugelassen. Ich wünsche den Löwenköpfchen recht viele erfolgreiche und ausdauernde Züchter, die sich um die Rasse nachhaltig verdient machen. (mf)




