Dipl. Landwirt Horst Wissel, Dessau (DDR) „Das Blaue Jahrbuch“ 1989

Zu einer ordnungsgemäßen Tierhaltung gehört natürlich auch die Bereitstellung entsprechender Futtermittel, und einen nicht unwesentlichen Teil des Futterbedarfes können wir durch den eigenen Anbau von Futterpflanzen selbst erzeugen, vorausgesetzt, uns steht die notwendige Anbaufläche zur Verfügung. Dazu eignen sich zahlreiche Hauptfutterpflanzen (wie z. B. Futterrüben, Möhren, u.a.), Winterzwischenfruchtpflanzen (z. B. Rübsen, Winterroggen, Wick-Weidelgras-Gemenge, u.a.) sowie die Zweitfruchtfutterpflanzen (wie z. B. Gelbe Süßlupine, Markstammkohl Futterkohl, Grünmais und die „neueren“ Brassica- Bastarde). Erwähnt werden müssen auch die Futterpflanzen, die ausdauernd sind und mehrere Jahre auf der gleichen Fläche verbleiben, wie Luzerne, Topinambur, Comfrey Beinwell, Silphie Becherpflanze, u. v. a. Die Vielfalt der möglichen Futterpflanzen lässt jedoch nur eine kleine Auswahl zu, die nachfolgend etwas näher in Hinblick auf ihren Anbau beschrieben werden sollen. Die Futterrübe (Runkelrübe) ist eine für die Kleintierhaltung seit langer Zeit beliebte Futterpflanze mit einem hohen Ertragsniveau und hohem Futterwert. Ihr Anbau ist relativ unproblematisch. Die Aussaat nimmt man in normaler Anbaulage Anfang April vor mit einer Aussaatmenge von reichlich 250 g Saatgut je 100 m² Anbaufläche, bei einer Reihenentfernung von 40 cm und einer Saattiefe von 2-3 cm. Nach dem Auflaufen wird später in der Reihe auf 25-30 cm vereinzelt. Futterrüben als typische Hackfrucht sind mehrmals zu hacken und bei Bedarf ausreichend zu wässern. Bei Verwendung eines mineralischen Mehrnährstoffdüngers gibt man die Hauptmenge vor der Saat, den Rest als Kopfdünger. Die Ernte erfolgt kurz vor den ersten Nachtfrösten. An Rübenerträgen kann man in Abhängigkeit von der Sorte ca. 900-1000 kg Rübenkörper pro 100 m² Erntefläche erwarten, zusätzlich noch einmal 300-400 kg an Blattmasse. Ordnungsgemäß eingemietet halten sich die Rüben bis zum nächsten Frühjahr.

Die Möhren (Futtermöhren und Speisemöhren) sind ein hervor- ragendes Futtermittel für unsere Kleintiere; sie können auf fast allen Böden angebaut werden. Die Aussaat auf feinkrümelig vorbereitetem Boden erfolgt von Mitte März bis Anfang April. Infolge der relativ langen Keimzeit empfiehlt sich eine Markiersaat (Radies, o. a.). Die Reihenentfernung bemisst man mit 30-35 cm, die Saattiefe mit 1-1,5 cm. Nach dem Auflaufen werden die Möhren auf einige Zentimeter Abstand in der Reihe verzogen. Mehrmaliges Hacken und Wässern im Sommer und Herbst sind erforderlich. Möhren vertragen einige Grad Frost, so dass die Ernte etwas hinausgeschoben werden kann. Das Roden der Möhren erfolgt am besten mit einer Grabegabel, um möglichst wenige Möhrenkörper zu beschädigen. Möhren bringen, je nach Sorte, einen Ertrag von 350-500 kg Möhrenkörper je 100 m² Erntefläche, hinzu kommen noch ca. 125 kg Möhrenblätter. Das Einmieten der Möhren, selbst in einfachsten Erdmieten, ist unproblematisch; die Möhren halten sich so bis April des nächsten Jahres frisch.

Der Futterroggen ist eine ertragstreue, praxisübliche Winterzwischenfrucht; er wird von den Tieren gern gefressen, hat einen hohen „Futterwert“ und kann infolge seiner Selbstverträglichkeit nach sich selbst wieder angebaut werden. Er ist ein typische Futterpflanze der leichten und mittleren Böden. Die sehr flache Aussaat (Sprichwort: „Roggen will den Himmel sehen…“) erfolgt von Ende August bis Mitte September; die Aussaatmenge beträgt 1,6-2 kg Saatgut je 100 m² Anbaufläche; die Reihenentfernung 10-15 cm. Auf leichtem Boden empfiehlt sich eine vorherige organische Düngung. Der Futterroggen wird als Grünfutter etwa Mitte Mai bei einer Wuchshöhe von 50-55 cm geerntet, zu diesem Zeitpunkt zeigen sich die ersten Spitzen der Ähren beim Schossen. Die Erntemenge liegt bei 300-425 kg je 100 m² Erntefläche. Auch der Gemenge-Anbau Wickroggen ist üblich, bestehend aus 0,7 kg Winterroggen und 1,0 kg Winterwicken (Zottelwicken)/100 m². Die Ernte setzt einige Tage nach dem Winterroggen ein.

Der Markstammkohl ist eine vielfach angebaute Zweitfrucht, der unter Beachtung der Fruchtfolge gut nach frühräumendem Gemüse und anderen Kulturen stehen kann. Es ist allgemein üblich, die Markstammkohlpflänzchen auf einem sog. kleinen Pflanzbeet vorzuziehen (Entwicklungszeit von Aussaat bis Verpflanztermin knapp 6 Wochen) und dann Ende Juni/Anfang Juli an den endgültigen Standort zu verpflanzen mit einer Pflanzentfernung von ca. 50×50 cm (in der Reihe ggf. auch etwas enger). Eine organische Düngung sollte man zur Vorfrucht geben und den Kohl auch ausreichend mit mineralischem Dünger düngen. Da der Markstammkohl vorübergehend Fröste bis -10 °C verträgt, lässt man die Pflanzen zur Grünfutterernte möglichst lange stehen; die Haupternte fällt so in die Monate November bis Anfang Januar, eine einigermaßen normale Witterung vorausgesetzt. Markstammkohl erbringt (Zweitfrucht) einen Ertrag von 300-500 kg Grünmasse je 100 m² Erntefläche. Markstammkohl ist eine gute Vorfrucht und hinterlässt den Boden in einem guten Garezustand (Schattengare). Natürlich sollen auch die „neueren“ Zwischenfrüchte wenigstens teilweise Erwähnung finden, so die Brassica-Bastarde.

Der Winterrübsen-Chinakohl-Bastard (Sorte „Daisy“) kann aufgrund seiner Spätsaatverträglichkeit noch nach später räumenden Kulturen angebaut werden, also Mitte bis Ende August (spätestens erste Septembertage). Auf gut vorbereitem Boden sät man 120 g Saatgut je 100 m² Anbaufläche in Drillsaat aus, wobei die Düngung (außer Stickstoff) vorwiegend zur Vorfrucht gegeben werden sollte. Dieser Grünfutterbastard ist schnellwachsend, und bereits nach ca. 8 Wochen kann der erste Schnitt erfolgen; weitere Schnitte schließen sich an; bei nicht so kaltem Winter (keine Kahlfröste) erfrieren die Pflanzen nicht und geben so im zeitigen Frühjahr weiteres Grünfutter. Bei früher Saat erreichen die Grünmasseerträge fast 500 kg je 100 m² Erntefläche, bei späterer Saat knapp 400 kg. Das saftige Grünfutter wird von den verschiedensten Kleintierarten gern gefressen, und das weitverzweigte Wurzelsystem hinterlässt im Boden viel organische Masse und trägt so zur Verbesserung der Bodengare bei; hinzu kommt noch die Wirkung der Schattengare.

Der Herbstrüben-jap.- Blattkohl-Bastard (Sorte „Appin“) ist in seiner Anbaueignung ähnlich einzuschätzen; das ebenfalls üppige Blatt sitzt auf kleinen Rübenkörperchen. Natürlich ist bei den Brassica-Bastarden zu beachten, dass sie in der Fruchtfolge nicht zu eng stehen mit anderen Kruziferen-Futterpflanzenarten.

Topinambur und andere ausdauernde Futterpflanzenarten machen nach einmaliger Anlage natürlich die „wenigste“ Arbeit. Außerdem können beim Topinambur sowohl die Knollen als auch die oberirdische Grünmasse geerntet und als Futter verwertet werden. Topinambur stellt keine besonderen Bodenansprüche, verträgt Trockenheit, rauhes Klima und Frost. Der Anbau mittels Knollen ist wie bei der Kartoffel leicht durchzuführen; Pflanzzeit April mit ca. 50×50 cm Abstand. Die Erträge betragen über 400 kg Grünmasse plus ca. 150 kg Knollen je 100 m² Erntefläche, eine entsprechend hohe Düngung und Pflege vorausgesetzt. Da sich die Topinamburknollen auf dem Lager nicht lange halten, im Boden aber frosthart sind, wird stets nach Bedarf geerntet.

Weiteres Futter für unsere Kleintiere fällt an beim Grasschnitt, bei der teilweisen Nutzung der Gründüngungspflanzen, in Form von Blättern der Gemüsepflanzen, als Schälabfälle bei Obst und Gemüse, usw. Alles sinnvoll zu nutzen, dies sollte unser Bestreben sein.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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