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Willi Römpert, Reilingen/Baden – „Das Blaue Kaninchen Jahrbuch“ 1959

Zuchtanlage von Zfr. Wilhelm Rupp, Mannheim Wallstadt

Nachdem man heute in der gesamten Kleintierhaltung richtig erkannt hat, dass nur in geräumigen, hellen und trockenen Stallungen leistungsfähiges Tiermaterial gehalten und gezüchtet werden kann, ist die Zeit vorbei, wo unsere Kaninchen in allerlei ungeeigneten Kisten, Kasten und Fässern ein kümmerliches Dasein führen mussten, das in vielen Fällen an Tierquälerei grenzte. Ein richtiger Stall ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kaninchenzucht, denn zu einem guten Gedeihen braucht unser ansonsten so bescheidenes Kaninchen:

1. Licht und Luft,

2. Bewegungsmöglichkeit,

3. Schutz gegen Nässe und Zugluft.

Diese drei Faktoren stellen zusammen die Hauptforderungen dar, die wir an einen guten Kaninchenstall stellen müssen. Sie werden, wie langjährige praktische Erfahrungen eindeutig bewiesen haben, von einem im Freien aufgestellten, vorschriftsmäßigen Holzstall am besten erfüllt, weshalb man heute in richtiger Erkenntnis beim fortschrittlichen Kaninchenzüchter dem aus Holz gefertigten Außenstall den Vorzug gibt.

Das beste Material zum Bau eines Kaninchenstalles ist ohne jede Frage das Holz. Dabei haben sich 24 mm starke Nut- und Federbretter als ganz besonders geeignet erwiesen. Gewiss ist heute Holz teurer als die überall erhältlichen Bauplatten, doch die Mehrausgabe lohnt sich, da gemauerte Stallungen sehr schwierig abzudichten und besonders in der nassen Jahreszeit oft Ursache für die verschiedensten Erkältungskrankheiten sind. Gemauerte Ställe aus Ziegel- oder Hohlblocksteinen sind in jedem Falle als Notbehelf zu betrachten, sie können nie als ideale Kaninchenwohnungen angesprochen werden. Die Erfahrung hat gelehrt, dass es bei gemauerten Kaninchenstallungen kaum möglich ist, eine befriedigende Isolierung des Mauerwerkes zu erreichen, die aber im Hinblick auf eine gesundes Gedeihen der Stallbewohner unbedingt erforderlich ist. Richtig gezimmerte Holzstallungen, bei deren Bau allergrößter Wert auf wasserdichte Dächer und Böden gelegt wird, werden immer, auch während der feuchten Jahreszeit, trocken sein. Diese unumstößliche Tatsache hat sich in der Praxis schon oft bewiesen, so dass in der Kaninchenzucht heute der Außenstall aus Holz überall bevorzugt wird.

Der Platz im Freien, auf dem der Kaninchenstall Aufnahme finden soll, muss möglichst betoniert oder mit Steinplatten ausgelegt werden. Es ist sehr zu empfehlen, eine entsprechend große Fläche vor und unter dem Stall ebenfalls aus diesem Material herzustellen und für Gefälle und Abfluss zu sorgen, denn dann kann die Umgebung des Stalles leicht sauber gehalten und in der warmen Jahreszeit mit dem Wasserschlauch öfter einmal abgespritzt werden. Der Stall ist so aufzustellen, dass die Vorderfront, die Türen, nicht in Richtung der Wetterseite zeigen. Genau wie beim Geflügelstall ist auch hier die Südlage beliebt, sie ist jedoch nur dann zu empfehlen, wenn am Stall zum Abhalten der brennenden Sonnenstrahlen ein wirksamer Sonnenschutz angebracht ist.

Licht und Luft müssen stets ungehindert in den Stall eintreten können, dagegen ist Zugluft dem Wohlbefinden unserer Kaninchen sehr abträglich. Ob der Stall im Hof, Garten oder in einem offenen Schuppen aufgestellt wird, ist weniger wichtig. Den Standort bestimmen die vorhandenen Platzverhältnisse. Wichtig aber ist, dass der Stall den Kaninchen eine saubere, trockene und zugfreie Unterkunft bietet und dem Züchter zur Freude gestaltet wird. Wegen der besseren Ausnützung des zur Verfügung stehenden Raumes haben sich mehrstöckige Kaninchenwohnungen, sogenannte Etagenställe, mehr und mehr durchgesetzt und sind heute überall anzutreffen. Sie sind auch in der Herstellung billiger, da viel Baumaterial eingespart werden kann. Es empfiehlt sich, nicht mehr als drei Etagen übereinander zu bauen. Zu hohe Stallungen erschweren die Pflegearbeit und gewähren keinerlei Übersicht über das Gedeihen und Wohlbefinden der in der oberen Etage untergebrachten Kaninchen. Als Norm gilt, dass die Tiere in den obersten Stallbuchten nicht über Augenhöhe sitzen sollen. Der Kaninchenstall muss erhöht aufgestellt werden. Er benötigt zu diesem Zweck bis zu 30 cm hohe Füße, damit sich zwischen Stall und Boden kein Ungeziefer und Raubzeug einnisten kann. Weniger als 15 cm sollte dieser Abstand notfalls nicht sein, da sonst die Fütterung und Sauberhaltung in den unteren Boxen nur schwierig zu bewerkstelligen ist.

Einer der Hauptfehler, der beim Bau von Kaninchenstallungen im- mer wieder gemacht wird ist der, daß die Boxen viel zu klein ge- zimmert werden. Die Größe der einzelnen Stallabteile richtet sich in erster Linie nach der gehaltenen Kaninchenrasse. Großrassige Kanin- chen benötigen zu einer gesunden Entwicklung geräumigere Boxen als kleinrassige und Zwerge. Als Mindestgrößen für Stallabteile sind folgende Ausmaße anzusehen:

Breite Tiefe Höhe

Riesenrassen 120 cm 80 cm 60 cm

Große Rassen 100 cm 80 cm 55 cm

Mittelgroße Rassen 80 cm 80 cm 55 cm

Kleine Rassen 60 cm 80 cm 55 cm

Diese Maße müssen unbedingt eingehalten werden, sie können besser größer, aber keinesfalls kleiner sein. Tiefer als 90 cm sollten die Boxen allerdings nicht sein, da dieselben sonst viel zu schwierig zu säubern und die Stallinsassen schlecht herauszufangen sind.

Das gegebene Dach für den Kaninchenstall ist das Pultdach, doch kann man verschiedentlich auch da und dort das gebrochene Pultdach antreffen. Das Dach muss unter allen Umständen regensicher sein und an allen Seiten des Stalles einen genügend großen Vorsprung haben. Dieser Vorsprung ist an der Stallvorderseite am größten, etwa 50 bis 70 cm tief und dient als Wetterschutz. An der Stallrückwand soll das Dach etwa 25 cm und an den beiden anderen Seiten ungefähr 20 cm vorstehen. Das Dach wird zweckmäßig aus 24er Nut- und Federbrettern hergestellt und mit Dachpappe gut eingedeckt.

Ein recht schwieriges Kapitel beim Bau des Kaninchenstalles ist die Abdichtung der Boxenböden. Den besten Stallboden fertigt man sich aus verzinktem Eisenblech, das an der Rückwand und den Stallseiten etwa 10 cm hochgezogen und an den Ecken und Nahtstellen verlötet wird. Auf das Blech legt man einen Lattenrost, weil sonst im Winter der Stallboden für die Tiere zu kalt wäre. Als Ersatz von verzinktem Blech kann auch eine gute Pappe verwendet werden. Sie wird durch- gehend eingelegt und eingeschnitten und ist ebenfalls an der Rückwand und den Seiten etwa 10 cm hochzuziehen. Vorher wird der Stallboden mit Bitumen dick bestrichen und darauf die fertig geschnittene Pappe gut aufgedrückt, so dass sie gut am Boden festklebt. Die seitlich hochgelegte Pappe wird mit breitköpfigen Nägeln angenagelt und am Ende gut verschmiert und festgeklebt. Solch sorgfältig gefertigte Stallböden werden stets dicht bleiben, zumal, wenn für einen ungestörten Abfluss des Urins gesorgt und bei jeder Stallreinigung nach dem Rechten gesehen wird.

Jedes Stallabteil erhält eine eigene Tür, die aus einem Holzrahmen besteht, der am besten aus 2,4 X 5 cm starken Latten hergestellt wird. Dieser Rahmen wird an der Innenseite mit engmaschigem, raubzeugsicherem Drahtgeflecht bespannt, so dass Licht und Luft ungehindert in den Stall eintreten können. Der fertige Stall wird außen mit farbigem Karbolineum und innen mit Kalkmilch säuberlich gestrichen. Er erhält dadurch einen Schutz vor Witterungseinflüssen und ein frisches, gutes Aussehen.

Zuerst muss ein ordentlicher, vorschriftsmäßiger Stall vorhanden sein, dann erst kann an die Anschaffung von Kaninchen gedacht werden. Diese Forderung kann nicht kräftig genug betont werden. Bei Anfängern aber ist es leider meist umgekehrt. Man ersteht ein Pärchen Jungkaninchen aus einer guten Zucht, ohne dass die für die Unterbringung dieser wertvollen Tiere geeigneten Stallungen vorhanden sind. Zur Not hat man sich vorerst im Krämerladen eine kleine Kiste beschafft, die gerade groß genug ist, daß sich die bedauernswerten Tierchen darin umdrehen können. In solchen Notstallungen kann man keine Kaninchen halten, noch viel weniger aber züchten.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.