Von Jochen Weishaar, Baunatal, „Das Blaue Jahrbuch“ 1990
Als rein deutsche Züchtung hat das Luxkaninchen in Deutschland viele Höhen und Tiefen erlebt. In den letzten Jahren ist ein kleiner, aber sehr intensiver Züchterkreis entstanden. Diesem Kreis fällt es trotz aller Bemühungen noch immer recht schwer, neue Züchter für seine Rasse zu gewinnen. Ein Umstand, der von der Zucht her eigentlich kaum zu erklären ist. Sicherlich werden einige Züchter davon abgeschreckt, weil das Luxkaninchen meistens nur relativ kurze Zeit im Jahr in voller Ausstellungsblüte zu halten ist. Hierzu kommen bestimmt auch die häufig sehr unterschiedlichen Bewertungen.
Geschichtliches
Seine Entstehung hat das Luxkaninchen im Grunde einem Zufall zu verdanken. Am Ende des 1. Weltkrieges befasste sich Karl Hoffmanns, Düsseldorf, mit der Herauszüchtung bzw. Verbesserung der Perlfehkaninchen. Bei diesen Kreuzungsversuchen fielen u. a. auch gelbliche Tiere an. Felle mit dieser Färbung waren gerade gefragt, und darum wurde Hoffmans gebeten, eine neue Rasse mit dieser Fellfarbe zu entwickeln. Er kreuzte dann, auch weil er sein eigentliches Ziel, die Perlfeh, nicht aus den Augen verlor, eines dieser Tiere mit einem Exemplar aus einer Kreuzung aus Marburger Feh× Schwarzloh. Der Loh war allerdings hellbraun mit schmutzig weißer Unterfarbe und nahezu weißen Lohabzeichen. Die Paarung brachte 6 gleichfarbige Jungtiere. Sie entsprachen farblich weitgehend unseren heutigen Luxkaninchen. Ungewöhnlich war die Tatsache, dass alle Jungtiere die gleiche Färbung hatten und diese auch noch rein vererbten, wie weitere Paarungen zeigten. Ein seltener Glücksfall, der sich aber u. a. aus der Blauwildfarbigkeit der Luxkaninchen erklären lässt.
Hoffmanns zeigte die Tiere bzw. die Felle einem Kürschner, und dieser gab der Rasse den Namen „Luchskaninchen“. Die Färbung war dem freilebenden Luchs ohne Zeichnungsflecken ähnlich. Aus unerklärlichen Gründen wurden daraus „Luxkaninchen“. Unter diesem Namen wurde die Rasse 1925 in den Standard aufgenommen. Ich bin allerdings nach wie vor der Meinung, dass diese Umbenennung nicht gerade glücklich war. Sicher, es kann einem Kaninchen kein dem Wildtier ähnliches Fell angezüchtet werden.
Aus dieser Sicht aber hätten viele Rassenamen geändert werden müssen. Bei den Luchs- oder Luxkaninchen ist diese Umbenennung ganz besonders unglücklich, da das lateinische „Lux“ zu Deutsch Licht bedeutet, und mit Licht oder Leuchten hat diese Rasse ja nun absolut nichts zu tun. Übrigens, in den Bewertungsbestimmungen der osteuropäischen Länder wird die Rasse wieder Luchskaninchen genannt. Vielleicht sollten auch die Verantwortlichen im ZDK einmal darüber nachdenken. Sollte sich dort nichts tun, dann sollten sich die Klubs einmal Gedanken dazu machen. Wir aber bleiben vorerst bei dem derzeitigen Namen „Luxkaninchen“.
Mit ihrer Aufnahme 1925 in den damaligen Standard erlebten die Luxkaninchen einen ungewöhnlichen Aufschwung. Besonders im Rheinland und in Westfalen gehörten sie zu den zahlenmäßig stärksten Rassen bei den Ausstellungen. Entsprechend gut war natürlich, zu mindestens für damalige Verhältnisse, die Qualität der Rasse. Mit der Einstufung als Sportrasse durch den Reichsverband 1938 war es vorbei mit der Herrlichkeit der Luxkaninchen. Sie verschwanden fast gänzlich. Nach meiner Kenntnis waren bei der Gründung des ZDK keine Luxkaninchen mehr vorhanden.
Wie bei vielen anderen Rassen bzw. bestimmten Farbenschlägen sind auch von den Luxkaninchen keine Aufzeichnungen über die Neuerzüchtung zu finden. Meine Bemühungen, über ältere Zuchtfreunde etwas in Erfahrung zu bringen, waren ebenfalls erfolglos. Es dürfte aber keine sehr großen Probleme bereitet haben, da es sich bei den Luxkaninchen um wildfarbige oder besser blauwildfarbige Tiere handelt.
Anspruchslos und frohwüchsig
Mit ihrem Normal- oder Vollgewicht von über 2,5 kg gehören die Luxkaninchen zu den kleinen Rassen. Das Mindestgewicht wird mit 2,0 kg und das Höchstgewicht mit 3,25 kg angegeben. Für die Zucht allerdings ist das Mindestgewicht ebenso unbrauchbar wie das Höchstgewicht. Ideal für Zucht und Ausstellungen sind etwa 2,7 kg. Bei diesem Gewicht und der entsprechenden Fütterung gibt es in der Regel keine Gewichtsprobleme bei der Nachzucht. Ausstellungstiere mit diesem Gewicht zeigen die besten Formen. Die Luxkaninchen sind im Allgemeinen eine recht frohwüchsige Rasse. Sie stellen keine großen Ansprüche an die Fütterung. Auch kleinere Fütterungsfehler bereiten nur selten Sorgen. Mit 6 bis 7 Monaten sind die 2,7 kg erreicht. Um nun aber die Wammenbildung weitgehend zu vermeiden, sollte die Fütterung, besonders von Kraftfutter, bereits ab dem 3. oder 4. Monat gut differenziert werden. Sicher gehört dazu einige Erfahrung, die aber bereits nach kurzer Zeit zu erwerben ist. Die Körperform bereitet gerade bei den Luxkaninchen noch immer einige Probleme. Allerdings sind in der Zwischenzeit vereinzelt bereits formlich etwas bessere Tiere zu sehen. Neben recht eckigen Tieren sind einzelne in der Hinterpartie mehr oder weniger gut abgerundet. Mehr züchterische Arbeit erfordert bei vielen Tieren die Vorderpartie. Die Tiere sind teilweise vorn noch etwas schmal. Ebenso wichtig ist es, die Vorderläufe etwas kürzer und kräftiger zu züchten.
Die Felle sind gefragt
Als guter Durchschnitt können die meisten Felle bezeichnet werden. Hier und da gilt es die Unterwolldichte noch etwas zu verbessern. Die Behaarung soll mittellang, d. h. knapp unter 2,5 cm sein. Die Länge der Behaarung ist von häufig unterschätzter Bedeutung. Wird die Behaarung länger als 2,5 cm, so kommt es zu einer etwas längeren und härteren Granne. Die harte Granne wiederum hellt an den Spitzen etwas auf und legt sich wie eine Art Silberung über die Deckfarbe. Auch wenn der Standard noch immer von einer hellsilberblauen Deckfarbe spricht, so steht den Luxkaninchen eine Silberung wohl doch nicht gut zu Gesicht. Das Zuchtziel sollte stets eine feine, elastische Granne sein.
Gute Luxfelle sind bei den Frauen sehr gefragt. Sie lassen sich sehr gut verarbeiten. Halbfellig und diagonal als Jacke oder Mantel wirken die Luxfelle im Grunde überhaupt nicht wie Kaninchenfelle. Schon dies ist ein Grund, möglichst viele und gute Felle zu gewinnen.
Eine bessere Standardbeschreibung ist notwendig
In drei getrennten Positionen werden Deck-, Zwischen- und Unterfarbe beurteilt. Die Deckfarbe wird, wie bereits erwähnt, als Hellsilberblau bezeichnet. Besonders störend erscheint mir dabei das „Silber", da wir auf keinen Fall eine Silberung haben wollen. Eine bessere und treffendere Bezeichnung wäre sicherlich hell- bläulich grau mit einer leicht rötlichbraunen Tönung. Die Tönung entsteht durch die durchscheinende rotbraune Zwischenfarbe. Die Bauchdeckfarbe ist ebenso wie alle anderen Wildfarbigkeitsabzeichen hell bis weiß. Die Augenfarbe ist blaugrau. Dieser Farbe gilt es etwas mehr Beachtung zu schenken. Vereinzelt sind bereits Tiere mit braunen bzw. braungrauen Augen vorhanden. Die Krallen sollen hornfarbig sein und könnten durchaus etwas dunkler werden. Die Zwischenfarbe fordert der Standard braunrot, 6 bis 8 mm breit und scharf abgegrenzt. Hier stimmt eigentlich nur die Breite, die vor einiger Zeit den Gegebenheiten angepasst wurde. Als Forderung betreffs der Farbe scheint mir Rotbraun sinnvoller. Völlig unsinnig dagegen ist die geforderte scharfe Abgrenzung, so wie es da geschrieben steht. Eine scharfe Abgrenzung zur Unterfarbe hin muss unbedingt sein. Eine scharfe Abgrenzung zur Deckfarbe aber ist im Grunde unmöglich, da ja die Zwischenfarbe durch die Deckfarbe durchscheinen soll. Sie muss dazu mit der schmalen Deckfarbe praktisch verlaufen. Die Unterfarbe ist auf dem Rücken möglichst rein weiß. Sie sollte etwas mehr als 1 cm breit sein. Die Bauchunterfarbe ist bläulich oder besser noch blau. Bei der Bewertung wird der Bauchunterfarbe oft nicht die nötige Beachtung geschenkt. Sie ist aber besonders wichtig für die Gesamtfarbe bzw. Färbung der Tiere.
Attraktiv, aber nur bedingt als Ausstellungsrasse geeignet
Die Deckfarbe und noch mehr die Zwischen- und Unterfarbe unterliegen bei jeder Umhaarung sehr großen Veränderungen. So ist es nur begrenzt möglich, die Tiere optimal bei den Ausstellungen zu zeigen. Zwischendurch kann nur ein wirklicher Kenner der Rasse eine zufriedenstellende Beurteilung finden. Ein Grund mehr, dass die Züchter ihre Tiere so oft wie möglich bei den Preisrichterschulungen vorstellen. Leichter würde dieses Unterfangen, wenn sich noch einige Züchter dieser Rasse annehmen würden. Eine größere Verbreitung sorgt für einen besseren Bekanntheitsgrad und so zwangsläufig auch zu ausgeglicheneren Bewertungen.




