Karl Grathwohl, Das Blaues Jahrbuch1972, S.122 -129

Der Gedanke, Kaninchen im Freiland zu halten, ist alt. Er kam meist aus Jäger- oder Försterkreisen und entsprang der Liebhaberei und dem Interesse an einer vielleicht möglichen Paarung zwischen Hase und Kaninchen. Dass Angorakaninchen im Freiland gehalten werden können, hielt man lange für unmöglich, obwohl vor mehreren 100 Jahren die Ahnen unserer heutigen Angora doch auch wild im Freien lebten. Dass es möglich ist, wissen wir heute. Der erste, der meines Wissens diesen Gedanken in die Tat umsetzte, dürfte der Angora-Farmer Felix Teufel aus Döffingen gewesen sein. Auch der Züchter Erich Kampshoff aus Dingelsdorf am Bodensee hat einen großen Bestand Angoras im Freiland gehalten. Leider verlor er durch Myxomatose annähernd 1000 Tiere.

Wenn ich im Folgenden meine Erfahrungen über die Freilandhaltung von Angora- und Normalhaarkaninchen schildere, so bitte ich zu berücksichtigen, dass sie sich nur auf eine Dauer von 4 Jahren erstrecken und an Tieren gesammelt worden sind, die über Generationen im Stall gehalten wurden.

Der große Vorteil der Freilandhaltung ist in der vereinfachten Haltung zu suchen, die sie der Wartung und Pflege in Einzelbuchten voraus hat. Die Türen brauchen nicht einzeln geöffnet, die Tiere nicht einzeln gefüttert und die Buchten nicht einzeln gereinigt zu werden. Der Vorteil der Gemeinschaftshaltung ist in der Tat sehr groß und wiegt die kleinen Nachteile längst auf. Dies bezieht sich sowohl auf die Haltung von Zuchttieren als auch von reinen Wolltieren.

Wie sieht nun solch ein Auslauf oder Freilandgehege aus? Eine Stallanlage muss vor allem ins Gesamtbild passen, und dies ist bei der Anlage von Ausläufen noch in vermehrtem Maße der Fall. Entscheidend ist der zur Verfügung stehende Platz, der nicht feuchten oder moorigen Grund haben darf. In wasserreichen Gegenden wird die Nebel- und Dunstbildung begünstigt; dadurch aber entsteht vorzeitige Filzbildung.

Am besten eignet sich ein leicht abhängiges, möglichst trockenes, wettergeschütztes Gelände. Ähnlich wie bei Anlage einer Obstanlage sollten geologische Untersuchungen vorausgehen, damit nicht auf ein wasseradriges Gelände gebaut wird.

Eine möglichst junge Baumwiese ist zu bevorzugen, weil sie den Tieren Schutz gegen die grelle Sonne bietet. Die Hitze selbst ist den Kaninchen nicht schädlich; sie fördert jedoch das Wachstum und Fortpflanzen von Bakterien und Seuchen.

Natürlich können auch die Bäume gleich mitgepflanzt werden. In diesem Fall muss durch Aufstellung von Schutzhütten oder Hecken, durch Anpflanzen schnellwachsender Haselnuss, Brombeeren und ähnliches außerhalb der Umzäunung, ein wenn auch nur teilweiser Ersatz geschaffen werden. Ich erinnere mich noch eines sehr heißen Sommers, als die jungen Bäume noch keinen Schatten gaben. Damals hatten die Tiere unter den Ställen Gänge gegraben, um sich gegen die Sonne zu schützen. Die jungen Bäume müssen durch Drahthosen geschützt werden. Falls kein Leitungs- oder Quellwasser zur Verfügung steht, muss ein Brunnen gegraben werden, denn Wasser muss unbedingt vorhanden sein. Das Wasser ist grundsätzlich von Fachleuten zu untersuchen, da bei der heutigen Umweltverschmutzung großer Schaden auftreten kann.

Die Zahl und Größe der Ausläufe richtet sich nach der Größe der Anlage, wobei zu beachten ist, dass vorwiegend Jungtiere, die später als Zuchttiere in Frage kommen sollen, in den Auslauf kommen, denn für ausgesprochene Masttiere ist der Auslauf nicht die geeignete Unterbringung. In Frage kommen auch Kastraten, die mit Häsinnen zusammen eine verträgliche Gemeinschaft bilden. Hier entscheidet der geübte Blick des Züchters, der schon bei 3 bis 4 Monate alten Tieren grobe Fehler mit Sicherheit feststellt. Trotzdem wird der noch verbliebene Rest, werden vor allem die Junghäsinnen noch einer gründlichen Prüfung standhalten müssen, bis dann mit den Jahren, wenn die Erbmasse der Farmtiere einigermaßen konstant ist, der Ausfall weniger wird. Denn darüber muss man sich klar sein, dass der Auslauf für die ersten Generationen eine harte Schule bedeutet, da alles, was nicht ganz gesund ist, durch die Einflüsse der Witterung zugrunde geht. Tiere, die irgendeinen Krankheitskeim mitbringen, gehen auf das Verlustkonto.

Die Dichte der Besetzung der Ausläufe spielt natürlich eine Rolle. Wenn auf 8 qm 1 Tier gerechnet wird, so bleibt die Grasnarbe erhalten, und das ist sehr wichtig. Denn erstens finden die Tiere immer zusätzliches Futter, zweitens ist die Gefahr der Verschmutzung bei Regenwetter, insbesondere bei langwolligen Tieren dadurch nicht gegeben, und drittens geht die Zersetzung der Kotballen schneller vor sich.

Meine Ausläufe, insgesamt 23, hatten eine Länge von 20 m und eine Breite von 3,5 m. In diesem Abstand waren auch die Pfosten der äußeren Umzäunung erstellt. Ein Auslauf hatte ca. 70 qm und war durchschnittlich mit 8 bis 10 Tieren besetzt. Die Ausläufe waren so angelegt, dass die äußere Umzäunung mit 1,50 m hohem Draht, Maschenweite 60 mm, versehen war, auf dem noch ein Stacheldraht angebracht wurde. Diese 23 Ausläufe bildeten ein Rechteck. Auf der einen Längsseite wurden in der ganzen Länge 2 m freigelassen für den Futtergang.

Wie auf dem Bild ersichtlich, stehen die Ställe oder Schutzhütten alle in einer Flucht, dem Futtergang entlang, und zwar so, dass die Rückseite des Stalles mit dem Futterschacht, dem Futtergang, parallel verläuft. Der Züchter brauchte die einzelnen Ausläufe nicht zu betreten, das Futter kam vom Futterwagen, mit dem man den Futtergang entlang fuhr, in den Futterschacht. Die Tiere fraßen dann von innen durch den Draht.

Der Auslaufstall hatte eine Breite von 1,50 m, eine Tiefe von 1,20 m und vorn eine Höhe von 1,10 m; hinten genügten 80 cm. Er hatte 2 Türen, die seitlich eingehakt werden konnten. Als Boden hatte er 2 herausnehmbare Lattenroste, die auf einem geschlossenen Betonfundament auflagen.

Ein Stallboden ist nicht notwendig; nur muss das Fundament mindestens 30 cm über den Erdboden herausragen, damit sich der Raum zwischen Erde und Lattenrost nicht zu schnell mit Kot anhäuft. Man kann auch den Boden des Fundamentes betonieren und hat dann mit der Reinigung leichtere Arbeit.

Die Rückwand besteht aus einem Futterschacht, dessen Drahtgeflecht eine Maschenweite von 40 mm aufweisen soll. Bei einer Maschenweite von 50 mm kann es vorkommen, dass Tiere mit dem Kopf durchkommen und nicht mehr zurück können. Der Schacht hat eine Höhe von 50 cm, die Öffnung ist oben 20 cm breit, nach unten verjüngt sie sich keilartig und wird durch einen Deckel abgeschlossen.

Zwischen Deckel und Dach wird der Stall durch ein Brett versteift. Mittels eines keilartigen Brettchens kann der Deckel hochgestellt und an heißen Tagen eine Lüftung hergestellt werden. Der hintere Dachvorsprung muss über den Deckel des Futterschachtes hinausgehen. Auch der vordere Dachvorsprung darf nicht zu kurz sein, damit auch er als Sonnenschutz dienen kann. Zu fordern sind immerhin 80 cm bis 1 m. Das ganze Dach ist hochklappbar, damit die Reinigung von oben erfolgen kann. Es wird vorn mit Scharnieren, hinten mit Sturmhaken festgehalten.

Die einzelnen Ausläufe sind durch 1 m hohes Drahtgeflecht getrennt, das bis 10 cm in den Boden eingelassen wird. Es erhöht die Lebensdauer des Drahtes, wenn man die Drahtrolle vor dem Bau in Inertol tränkt.

Ein Scharren oder Durchgraben der Tiere braucht nicht befürchtet zu werden; es kommt nur dann vor, wenn gegen die grelle Sonne nicht genügend Schutz vorhanden ist. Dagegen kann es vorkommen, dass einzelne Akrobaten dabei sind, die mit Hilfe der Streben über den Zaun springen.

Das Aussetzen der Tiere in den Auslauf erfolgt bei schönem, trockenem Wetter. Dabei ist es gut, wenn das Gras vorher schon einmal gemäht wurde. Die Tiere werden am besten 14 Tage nach der Nestschur, also im Alter von 10 Wochen ausgesetzt und bleiben zunächst einige Tage im Auslaufstall. Dort müssen sie sich aneinander gewöhnen, da die Junghäsinnen ja aus verschiedenen Würfen stammen. Nach 3 Tagen lässt man die Tiere bei schönem Wetter in den Auslauf und treibt sie nach einigen Stunden wieder ein. Täglich wird dann die Zeit verlängert, bis dann jeden Morgen, wenn der größte Tau weg ist, die Ställe geöffnet werden, um bis zum Abend offen zu bleiben.

Das Eintreiben erfordert anfangs etwas Geduld, weil die Tiere nicht in den Stall wollen. Man muss auch eine kleine Hilfstreppe anbringen, damit die Tiere schneller in den Stall kommen. Auch bei Regenwetter brauchen die Tiere nicht mehr eingetrieben zu werden. Der Regen macht den Tieren überhaupt nichts aus, wenn der Auslauf nicht übervölkert ist und die Grasnarbe stehen bleibt. Eine Stunde nach dem Regen sind die Tiere bereits wieder trocken und blütenweiß. Auch eine Verfilzung durch Regen entsteht bei der Wolle nicht. Eine Wollpflege kommt bei der Freilandhaltung nicht in Frage, denn das Bürsten besorgt der Wind.

Die Grasnarbe ist nur als Beifutter zu betrachten. Ich hatte im Ganzen 1000 bis 1500 Tiere, zum größten Teil Angora, davon ca. 200 im Auslauf, daneben weiße und graue Wiener.

Damals gab es noch kein Preßfutter wie heute, und ich war auf Grünfutter, Biertreber, Rübenschnitzel, Malzkeime, Rüben und Heu angewiesen. Die Biertreber gab es in einer Brauerei 2–3-mal die Woche. Sie musste am selben Tag verfüttert werden, weil sie leicht säuert. Als Grünfutter hatte ich gutes Wiesengras und Luzerne. Mit Luzerne habe ich die allerbesten Erfahrungen gemacht.

Seuchen und allgemeine Krankheiten waren nicht zu beobachten, obwohl im Herbst auf der Wiese viele Herbstzeitlosen standen. Sie waren in so großer Zahl vorhanden, dass es nicht möglich war, sie auszusuchen. Sie blieben im Stall liegen und wurden später entfernt, denn die Tiere haben ein sehr feines Gefühl, dass es sich hierbei um Giftpflanzen handelt. Tiere, die im Freiland gehalten werden, kommen auch über eine Magenverstimmung viel leichter hinweg als Stalltiere. Durch die ständige Bewegung ist eine Darmverstopfung sehr selten.

Eine Hausapotheke ist dennoch notwendig. Jeder Angorazüchter, der Tiere im Freiland hält, wird die Erfahrung machen, dass der Gesundheitszustand seiner Tiere wesentlich gehoben wird.

Ein besonderer Raum zur Aufbewahrung des Trockenfutters sowie ein Schurraum müssen vorhanden sein. Was die Unterbringung des Heues betrifft, so gibt es heute viele Scheunen, die nicht mehr voll ausgenützt sind. Da wird man für wenig Geld Heu lagern können.

Auf äußere Einflüsse reagieren die Tiere schnell. Ein Pfiff und einige hundert Tiere spitzen die Ohren oder stellen sich auf die Hinterläufe. Übrigens ein herrliches Bild, 200 weiße Angora auf grünem Rasen! Hunde halte man fern. Der Farmhund bleibt besser an der Kette und erhält nur nachts Freilauf.

Auf Wurmfreiheit ist bei ihm besonders zu achten. Kreist ein Raubvogel über der Farm, so erweckt er bei den Tieren kein besonderes Interesse. Dagegen gehen bei einem etwas niedrig fliegenden Flugzeug alle Tiere in Deckung.

Bei strengem Frost und hohem Schnee habe ich die Tiere nicht ins Freie gelassen, sondern den Schnee an den Auslaufstall geschaufelt, so dass nur noch die Vorderseite und der Deckel des Futterschachtes zu sehen waren. Dadurch war die Temperatur im Stall erträglich.

Die Schuren wurden so gelegt, dass Anfang Dezember die letzte Schur des Jahres vorgenommen wurde. Bei der nächsten Schur Anfang März war dann die größte Kälte vorbei.

Geschoren wurde nur mit dem 3 mm Scherkopf, weil die Tiere im Winter mit dem 1 mm Scherkopf zu viel Körperwärme verlieren. Einige Tage vor der Schur wurde weder Grünfutter noch Heu gegeben, damit die Reinigung des Vlieses schneller vor sich ging. Liegt die Farm so abgelegen, dass kein Strom vorhanden ist, dann muss man die Tiere zur Behausung des Züchters fahren, um dort die Schur vorzunehmen.

Ich habe hier den Farmbetrieb beschrieben. Ebenso kann ein Züchter in seinem Garten einen Auslauf für 15 bis 20 Tiere bauen. Er wird nicht nur weniger Arbeit, sondern auch viel Freude an den munteren Sprüngen der Tiere haben.

Ich weiß auch, dass das Interesse, einige hundert Angora zu halten, bei vielen Züchtern vorhanden ist, und mancher plant schon für die Zeit, in der er Rente bezieht. Das Angorakaninchen ist und bleibt das rentabelste Kaninchen, darüber gibt es keinen Zweifel.

Mit spätestens 7 Monaten werden die zur Zucht ausgewählten Häsinnen aus dem Auslauf genommen und in ihren Zuchtstall gesetzt. Es sind dann immerhin noch 6 bis 8 Wochen bei guter Fütterung notwendig, um die Tiere vollends auf ihr Normalgewicht zu bringen. Die übrigen Häsinnen und Kastraten können als Wolltiere draußen bleiben. Die Zuchttiere aber werden widerstandsfähig und abgehärtet. Bringen wir ihre Nachzucht wieder in den Auslauf, dann erhalten wir mit den Jahren einen gesunden, wetterharten und frohwüchsigen Stamm.

Nun zur Freilandhaltung von Normalhaarkaninchen. Die Stallhaltung erfordert das größte Anlagekapital; es ist bei Innenstallungen noch höher als bei Außenstallungen. Dagegen sind die Stallkosten bei Freilandhaltung wesentlich geringer, ganz gleich, ob es sich um kleinere oder größere Aufenthaltsräume oder Schutzhütten handelt. Lediglich die Umzäunung fällt finanziell noch ins Gewicht. Aber wer mit Hammer und Säge umgehen kann, versteht auch einen Zaun zu erstellen. Andererseits beansprucht die Freilandhaltung mehr Platz.

Wenn z. B. überhaupt kein Grünfutter zugefüttert wird, dann benötigt man für ein Tier immerhin 50 qm. Bei den heutigen Grundstückspreisen muss eine Gegend gewählt werden, wo es noch billiges Land gibt. Es ist nicht unbedingt notwendig, in der Nähe einer Bahnstation zu sein, weil man heute in der Regel motorisiert ist. Billiges Futter ist eine Hauptbedingung, denn Futter wird immer gebraucht, auch dann, wenn wie während der Zuchtzeit nicht mit Einnahmen zu rechnen ist.

Vor allem muss das Heu gut eingebracht werden. An Futter empfehle ich außer Grünfutter: Rüben, die durch den Wolf getrieben wurden, mit Zuckerschnitzeln, Malzkeimen, Kleie, getrockneten Brennesseln und aromatischen Kräutern vermengt. Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Pressfutter erhalten nur Häsinnen zur Aufzucht. Billige Arbeitskräfte, am besten eigene Leute oder Rentner erhöhen die Rendite.

Wo eine Farm nur nebenberuflich betrieben wird oder einem landwirtschaftlichen Betrieb angegliedert ist, wird sie immer rentabel sein.

Bei der Rassenwahl scheiden große Rassen aus. Für die Freilandhaltung sind solche Rassen zu wählen, deren Farbe gegen Sonne und Regen nicht empfindlich ist. Das sind graue Wiener, Deutsche und Helle Großsilber, Thüringer und Großchinchilla. Schnellwüchsigkeit und Gesundheit ist erste Bedingung, denn der erste Wurf muss mit einem halben Jahr schlachtreif sein. Der zweite Wurf wird dann vor Weihnachten geschlachtet.

Ausgenommen sind diejenigen Junghäsinnen, die sich als die frohwüchsigsten erwiesen haben und die beste Körperform, vor allem breite Brust, breites Becken und eine gute Rückenlinie haben. Sie werden als Zuchthäsinnen eingesetzt.

Es kann auch vorkommen, dass in der Gemeinschaft unverträgliche Tiere und Raufbolde auftreten. Sie werden ihr Verhalten nicht ändern und werden geschlachtet.

Fett setzen die Tiere im Freiland sehr wenig an; heute wird ja auch nur mageres Fleisch verlangt. Auch habe ich festgestellt, dass das Fleisch von Kaninchen, die im Freiland gehalten werden, einen ausgezeichneten Geschmack hat.

Als Abnehmer kommen Krankenhäuser, Sanatorien, Wildbrethändler und Altersheime in Frage, auch eine sehr interessierte Käuferschicht auf den Wochenmärkten großer Städte. Die Mastkaninchenzüchter haben hier schon gute Vorarbeit geleistet.

Der Fellerlös fällt kaum ins Gewicht, und mit Dünger kann aus den Schutzhütten gerechnet werden. Die Düngung des Geländes besorgen die Tiere selbst.

Nur Normalhaarkaninchen verwildern leichter als Angora, und es kann je nach Größe der Anlage vorkommen, dass ein Tier nur noch mit der Flinte zu erlegen ist.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass Züchter, die sich mit dem Gedanken tragen, einen großen Bestand von Kaninchen im Freiland zu halten, sich vorher vergewissern, ob alle genannten Voraussetzungen vorhanden sind. Man muss auch wissen, dass alle derartigen Unternehmungen auf sich selbst gestellt sind und behördliche Förderung nicht zu erwarten ist. Eine Rentabilitätsberechnung hier aufzustellen, ist nicht möglich. Die Umstände und Verhältnisse der einzelnen Interessenten sind so verschieden, dass überall andere Faktoren mitspielen. So viel ist sicher, dass die Haltung von Angoras am rentabelsten ist, trotz der Mehrarbeit, die damit verbunden ist. An einen 8-Stundentag ist bei einer Farm, die rentabel sein soll, nicht zu denken. Es wird daher sehr viel Liebe zur Sache, große Ausdauer und Geduld, Fleiß und handwerkliches Können verlangt.

Dies alles und viel Glück wünsche ich denjenigen, die mithelfen wollen, das Kaninchen aus der Gefangenschaft hinter Gittern zu befreien, um es zu einem jener wertvollen Haustiere zu machen, die heute das Fleisch für die menschliche Gesellschaft produzieren.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.