Gefährdete Kaninchenrassen.

Dr. Manfred Golze – „Das Blaue Jahrbuch“ 2015

Zuchtgeschichte

Ende des 19. Jahrhunderts wurden sehr große, an Riesen erinnernde Kaninchen mit Scheckenzeichnung in Deutschland unter Verwendung von gescheckten Landkaninchen und Belgischen Riesen gezüchtet. Die Basis für die Zeichnung sollen diese Geschöpfe von den belgischen Landkaninchen erhalten haben. Der Weg war anfangs turbulent, wie in der Literatur beschrieben, da das Zuchtziel damals nicht konkret festgelegt war. Es wurden sowohl Tiere mit schöner Nasenzeichnung (Schmetterlingszeichnung) als auch »Blanknasen« zugelassen. Später wurde die Zuchtförderung für die Schecken auf Schwarz-Weiß und Blau- Weiß spezialisiert. Diese weitsichtige Entscheidung kam der Rasse sehr zugute.

Die Clubs für Deutsche Riesenschecken in Rabenstein bei Chemnitz oder in Dresden, beides in Sachsen, gelten als die ersten Clubs für eine Kaninchenrasse in Deutschland. 1907 wurden die Deutschen Riesenschecken in Gera als Rasse anerkannt und 1908 der erste verbindliche Standard verabschiedet. Die Deutschen Riesenschecken stellen erbbiologisch eine Kreuzung von einfarbig schwarzen bzw. blauen mit hell gescheckten Ahnen dar. Sie tragen zwei für die Fellfarbe gegensätzliche Erbfaktoren (Einfarbigkeit bzw. Hellscheckung).

Reine Hellschecken sind wegen ihrer Konditionsschwäche für die Zucht ungeeignet. Die Einfarbigen besitzen jedoch einen hohen Zuchtwert. Um vitale Tiere zu erzielen, werden diese angepaart. Die Aufspaltung gehört somit zu dieser Rasse. Dies führte natürlich dazu, dass Züchter schnell von den Riesenschecken begeistert waren, oft aber wenig Geduld sowie Ausdauer aufwiesen und dann die Zucht wieder aufgaben.

Kennzeichen

Unsere Riesenschecken haben ein Mindestgewicht von 5 kg, ein Normalgewicht von 6 kg und ein »fiktives« Höchstgewicht von 10 kg. Meist werden auch auf den Ausstellungen von durchgezüchteten Zuchten Tiere zwischen 7 kg bis 8 kg und leicht darüber gezeigt. Der Körper ist gestreckt und walzenförmig. Die Riesenschecke verkörpert das Verhältnis von Länge: Höhe: Breite von 3:1:1. Der Körper sollte von vorn nach hinten gleich breit ausgebildet sein. Die Rückenlinie ist hinten schön abgerundet. Der Kopf ist markant, mit kräftig strukturierten Ohren. Das Fell ist mittellang und gut sowie gleichmäßig begrannt. Die Zeichnung beginnt am Kopf mit Schmetterling-Augenringen, Backenpunkten, buntfarbigen Ohren und gehört zum Markenzeichen der Rasse. Auch die Rumpfzeichnung soll, wenn möglich, sechs bis acht schöne, im Bogen um die Lendenpartie gleichmäßig große, runde Punkte aufweisen und auf dem Rücken einen ebenso gleichmäßigen Aalstrich. Anerkannt sind heute die Farben Schwarz-Weiß, Blau-

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Weiß und Havannafarbig-Weiß.

1,0 Deutsche Riesenschecken, blau-weiß (Foto: Dirk Wortmann, Kaninchenzeitung)

Zucht und Haltung

Zucht, Haltung und Fütterung sind bis auf genannte Besonderheiten wie bei allen Kaninchenrassen. Die Deutschen Riesenschecken gehören zu den großen Normalhaarrassen. Die Mindestanforderung an Stallplatz pro Einzeltier ist eine Grundfläche von 0,88 m² (z. B. 110×80 cm) und eine Buchten- oder Stallhöhe von 50 cm bei konventioneller Haltung. Für Zuchthäsinnen mit Nachwuchs sollte bei einer Säugedauer von 28 Tagen die Fläche 1,14 m² und bei einer Säugedauer von 42 und mehr Tagen 1,32 m² (jeweils bei 70 cm Höhe) betragen.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.