Von Renate Biermann, Neustadt – „Das Blaue Jahrbuch“ 1997

Es handelt sich hier um ein Wort, das in früheren Zeiten für viele Frauen und in vielen Familien einfach ein Muss war. Stricken, sticken, stopfen, häkeln, nähen, knüpfen, weben, mit all diesen Dingen musste man sich, oft auch aus einer Notlage heraus, beschäftigen. Vielfach wurden Gegenstände in einem Ideenreichtum in Handarbeit hergestellt, die man heute nur noch in den Museen oder als Zeichnung in Fachbüchern bewundern kann. Die Zeit hat bekanntlich viele Veränderungen gebracht. So auch im Bereich der Handarbeiten. Viele Billigprodukte überschwemmten den Markt und machten die zeitaufwendige Herstellung von Handarbeiten überflüssig. Aus dem Muss wurde bald Spaß an der Freude. Natürlich kann man sich schnell an eine solch schöne Zeit gewöhnen, zumal die Notwendigkeit nicht mehr gegeben war.

Auch ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der man den Handarbeiten nur wenig Aufmerksamkeit schenkte. Es änderte sich vor etwa zehn Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich Mitglied in einer Frauengruppe. Hier wurde ich mit der Kanin-Fell- und Angorawollverarbeitung konfrontiert. Es war eine gute Entscheidung. Heute ist mir der Umgang mit Nadel und Faden nicht mehr fremd. Mit diesen einleitenden Worten möchte ich mich nun der Angora- wolle zuwenden und hierzu einige Ausführungen machen. Die Angorawolle liefert, was wohl kein Geheimnis ist, unser Angorakaninchen. Es stammt auch vom Wildkaninchen ab und ist durch eine Mutation entstanden. In gewissen Zeitabständen wird die Wolle durch eine Schur gewonnen. Man bedient sich hierzu einer elektrischen Schermaschine. Mit einer solchen Schurart werden gleichzeitig die Richtlinien des Tierschutzes beachtet. Man weiß aus Berichten, dass in anderen Ländern den Angorakaninchen die Wolle ausgerissen wird. Eine solche Tierquälerei sollte bei allen Züchtern im Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter ein generelles Tabu sein.

Während man sich früher über eine Haarlänge von 2,5 cm und mehr freute, fordert heute die wollverarbeitende Industrie eine Länge von etwa 6 cm. Man kann sich vorstellen, welcher Zeitaufwand für die Pflege der so langen Haarlänge erforderlich war, damit die Wolle am Tier nicht verfilzte und letztlich unbrauchbar wurde.

Der Jahreswollertrag je Tier hat sich in den letzten 60 Jahren dank einer intensiven Zuchtauswahl von ca. 375 g auf 1750 g erhöht. Der Wollertrag bei den Häsinnen ist gegenüber den Rammlern größer. Das Haar des Angorakaninchens nennt man Wolle, weil die Beschaffenheit des Haares gegenüber allen anderen Kaninchen anders ist. Aus Fachbüchern ist zu entnehmen, dass nur bei der Angorawolle Flaumhaare vorhanden sind, die Hohlräume enthalten. Auch die Grannenhaare enthalten noch Hohlräume. Dank des eigenartigen Haares war die Angorawolle schon immer sehr begehrt, da sie das größte Wärmehaltungsvermögen im Vergleich zu allen anderen Wollarten besitzt.

Im Fachhandel wird aus Angorawolle hergestellte Gesundheitswäsche angeboten. Bei diesen Gegenständen unterstreicht der Abdruck des Angorakaninchenkopfes die Qualität und Echtheit. Man bedenke, dass es auch Angorawolle von der Angoraziege und dem Lama gibt, die jedoch keinem Qualitätsvergleich gewachsen sind.

Die Angorawolle setzt sich aus dem Grannenhaar, dem Flaumhaar und dem Grannenflaumhaar zusammen. Während das Grannenhaar glatt ist, sind die zwei anderen Haararten gekräuselt. Bei der Verarbeitung zum Faden sollte auf ein gutes Mischungsverhältnis aller drei Haararten geachtet werden. Einerseits gibt das Grannenhaar dem Wollfaden eine ausreichende Festigkeit, andererseits fehlt bei einem so hohen Anteil der gewünschte und begehrte Flausch.

In früheren Jahren wurde die Angorawolle in den Familien mit dem Spinnrad gesponnen und, wenn erforderlich, auch eingefärbt. Man bediente sich dabei alter überlieferter Rezepturen. Da diese Handhabung sehr schwierig ist, sollte man davon absehen, da bei einer nachträglichen Färbung immer wieder Farbunterschiede auftreten. Auch bei der privaten Einfärbung eines fertigen Stückes dürfte nicht die Gewähr dafür gegeben sein, dass eine gleichmäßige Färbung erzielt wird.


Schur eines Angora-Kaninchens… … durch den Preisrichter Erich Steinchen

Da wir in unseren Frauengruppen die gefertigten Erzeugnisse gern ausstellen, benötigen wir Angorawolle in gleicher Farbqualität. Der Rückgriff auf Industrieware erleichtert uns die Farbauswahl doch sehr. Zur Verarbeitung kommen heute in einer reinen Form 100% Angorawolle und in den Qualitätsstufen 80% und 70% mit anderen Wollanteilen. Mit diesen Wollarten werden bei der Verarbeitung die Vorgaben des Standards unseres ZDK erfüllt.

Unerwähnt sollte nicht bleiben, dass von den genannten 3 Wollhaararten natürlich das Flaumhaar am dünnsten ist. Obwohl sichtbar, ist es unter normalen Voraussetzungen nicht messbar. In Fachkreisen bedient man sich eines Mikroskops und kommt dabei auf ca. 12 Mikromillimeter. Unsere Angorawolle kann in vielen Bereichen verarbeitet werden. Eingangs gab ich schon den Hinweis auf die Gesundheitswäsche. Die an Rheuma, Ischias und Gicht erkrankten Personen schätzen das sehr gute Wärmehaltungsvermögen dieser Wäsche. Gestrickte Ellenbogen-, Knie- und Wadenwickel sollen das körperliche Wohlbefinden erhalten. Die Hamburger Zimmerer-Krankenkasse stellt den bei ihnen versicherten Bauarbeitern zur Vorbeuge einen Gegenstand aus Angorawolle zur Verfügung, der in einer ausreichenden Breite den Nieren-, Bauch-, und Kreuzbereich am Körper umspannt. In einem Pilotprojekt wird die Brauchbarkeit als Heilmittel bzw. zur Vorbeuge getestet. Bei einer positiven Entwicklung könnte schon bald ein solcher, nennen wir ihn Bauch- oder Taillenwickel, durch Ärzte verschrieben werden. Der Stellenwert der Angorawolle würde dann erheblich steigen. Bedenken sollte man, dass die Angorawolle große Temperaturschwankungen problemlos verkraften kann.

Die Angorawolle, verarbeitet zu Pullovern, sorgt auch bei den Damen für Chic und Charme. Auf den Kaninchenausstellungen finden wir in den Erzeugnisschauen hervorragend gestaltete Pullover. So mancher künstlerisch gestrickter und ausgeschmückter modische Pullover wäre in jeder Boutique ein Hit. Mit der maschinell versponnenen Angorawolle kann man nach meiner Meinung schönere Gegenstände herstellen, weil die Fäden gleichmäßiger versponnen sind. Die in Handarbeit per Spinnrad versponnene Angorawolle wird man bei den verarbeiteten Gegenständen sofort erkennen. Der Standard verlangt in dieser Beziehung einen entsprechenden Hinweis, was auch berechtigt sein dürfte.

Es kommt dadurch zu einer gerechteren Beurteilung der Exponate. Bei den Pullovern, Westen und sonstigen Gegenständen finden wir als Bündchen oder Einfassung oft andere Wollarten. Sie tragen sehr zu einem besseren Sitz bei. Außerdem sorgen aufgestickte Perlen und sonstige Variationen für ein modisches Erscheinungsbild und einen hervorragenden Gesamteindruck. Bei den Strickvorgängen sollte man darauf achten, dass die Wollenden eines Fadens nicht im Vorder- oder Rückenteil vernäht werden. Auch wenn ein Fadenverlust von einigen Zentimetern vorliegt, so sollte man bei Bedarf mit einem neuen Faden jeweils am Maschenbeginn anfangen. Bei der Beurteilung durch die Preisrichter werden solche Erscheinungen durch Punktabzug bestraft.

Wegen des geringen Gewichtes der Angorawolle und des schönen Flausches, verbunden mit der großen Wärmehaltigkeit, sollte sie stets ganz locker und nicht zu engmaschig verarbeitet werden Eine Gleichmäßigkeit der Maschengröße muss jedoch vorhanden sein. Die Angorawollgegenstände werden natürlich nicht nur in Handarbeit hergestellt. Auch Strickapparate und Strickmaschinen kommen zum Einsatz, so dass eine große Vielfältigkeit besteht. Letztlich sollte das fertige Teil aber formschön und elegant erscheinen. Wir Damen in den Frauengruppen sollten uns aber darauf konzentrieren, dass die Angorawolle nur in Handarbeit verarbeitet wird. Die Stricknadelstärke sollte im Verhältnis zur Garnstärke gewählt werden. Im Strickbereich kennen wir die Grundmuster, die einfachen Muster, die Rippenmuster, die Reliefmuster, die Fallmaschenmuster, die Loch- und Spitzenmuster, die Zopf- und Aranmuster 1) und die Einstrickmuster 2).

Ich komme nun zu einer anderen Verarbeitungsart mit Angorawolle, nämlich der Gobelinstickerei 3).. Unser ZDK-Standard verlangt auch hier die Verwendung von Angorawolle. Den vorgefertigten Stramin kann man neuerdings auch schon mehrfach ohne die damit verbundene handelsübliche Wolle käuflich erwerben. Der Preis ist vertretbar geworden und ermöglicht dadurch diese Handarbeitsform. Die vorgedruckten Farbfelder lassen sich mit viel Geschmack leicht aussticken. Ein eigenes Gestaltungsvermögen ist aber sehr gefragt, weil die vorgegebenen Farbvariationen durch die Farbpalette der Angorawolle nicht restlos abgedeckt werden können. Die Fäden sollten, falls die Fadenstärke zu gering ist, zweifach durch die Straminlöcher gezogen werden. Nur so besteht die Gewähr, dass nach der Verarbeitung die Straminlöcher ausgefüllt sind. Letztlich müssen die Fäden und der Flausch den Stramin unsichtbar machen. Man sollte nicht den Fehler begehen und die zu verarbeitenden Angorawollfäden zu lang wählen. Durch das ständige „Durchziehen“ durch die Straminlöcher verlieren die Fäden den Flausch, was sich nachteilig auf den Gesamteindruck auswirkt. Nach Herstellung des Gobelinbildes sollte der Flausch noch sehr schön erkennbar sein. Bei den Gobelinbildern kommt ein halber Kreuzstich zur Anwendung. Alle Ösen sollten gleichmäßig sein und nicht unterschiedlich gezogen werden. Mit einer kleinen Übung wird auch dieses Problem schnell lösbar sein. Bei der Anwendung des halben Kreuzstiches verbraucht man weniger Garn als bei den Perlstichen, da auf der Rückseite kurze, senkrechte Stiche entstehen, die den Stramin nicht völlig verdecken. Eine ganz in halbem Kreuzstich ausgeführte Arbeit wird insgesamt dünner als eine in Perlstichen gefertigte Stickerei.

Den „halben Kreuzstich“ kann man nicht auf einfädigem Stramin arbeiten, man benötigt für diesen Stich Dreher- oder zweifädigen Stramin. Dieser Stramin franst im Gegensatz zu anderem Stramin nicht aus. Auch verzieht er sich nicht so sehr beim Sticken, so dass man ihn leichter wieder in die alte Form bringen kann. Neben dem Kreuzstich und dem Perlstich gibt es natürlich weitere „Stickarten“, die bei den Gobelinarbeiten zur Anwendung kommen. Mit dem halben Kreuzstich lassen sich nach meiner Auffassung die Motive und Details besser und klarer zum Ausdruck bringen. Die Fäden werden natürlich auf der Rückseite des Bildes bei einem Farbwechsel oder Verbrauch des Fadens vernäht und nicht verknotet. Jeder Knoten wäre von vorn fühlbar und könnte für leichte Erhöhungen sorgen, so dass dadurch der Gesamteindruck leiden würde. Man sollte die Fäden auf der Straminrückseite gut verteilt durch eine Öse ziehen und dann abschneiden. Diese Form der Fadenvernähung sollte man generell wählen. Die für die Gobelinarbeiten benötigten Sticknadeln sind nicht spitz.

Während Stuhlbezüge auch mit einem halben Kreuzstich hergestellt werden, kommt z. B. bei Kissenbezügen der Kreuzstich zur Anwendung. Auch Deckchen, Tischdecken und sonstige Gegenstände können mit Angorawolle bestickt werden. Hier findet man folgende Stickarten: Klosterstich, Vorstich, Steppstich, Stielstich, Makrameestich, Korallenstich, Kettenstich, Plattstich und den bereits erwähnten Kreuzstich. Es lassen sich farbenprächtige Schmuckstücke herstellen, die so manches Herz erfreuen. Auf die einzelnen Sticktechniken möchte ich nicht eingehen, da es den Rahmen sprengen würde. Es soll nur die vielseitige Verwendbarkeit der Angorawolle aufgezeichnet werden.

Blick auf eine Erzeugnisausstellung

Von der Verwendung der Angorawolle für Makramee-Knüpfarbeiten sollte man meiner Ansicht nach absehen. Es ist zwar alles eine Frage des Geschmacks, aber hier kommt sie nicht so sehr zur Wirkung.

Vereinzelt hat man sich auch schon in den Frauengruppen mit der Bargellostickerei 4) beschäftigt. Diese Stickart kommt aus Florenz. Es handelt sich hierbei um eine gezählte Plattstichstickerei, die flächenfüllend gearbeitet wird. Durch unterschiedliche Stichlängen und Farbabstufungen entsteht die für Bargello typische plastische Wirkung. In den letzten 2 Jahren sind die Hardangerarbeiten besonders in das Rampenlicht getreten. Sie sind jedoch für viele Damen in den Frauengruppen noch Neuland. Auch wenn man diesen Erzeugnissen noch mit Neugier begegnet, so wird das in absehbarer Zeit nicht mehr der Fall sein. Man spürt Interesse und auch die Hardangerarbeiten mit Angorawolle werden Liebhaber in größerer Anzahl finden. Hardanger ist eine Doppeldurchbruchstickerei, deren Musterung von der Volkskunst Norwegens, genauer gesagt der Gegend um den Hardanger Fjord, beeinflusst wird. Wie jede andere Durchbruchstickerei muss sich auch Hardanger in die strenge Leinenbindung einordnen. Typisch für Hardanger sind die gleich viele Stiche zählenden Plattstichgruppen, die in der Regel die Durchbruchpartien solide einfassen. Als Stickvorlage dient ein Zählmuster. Auch bei dieser Stickart sollte grundsätzlich mit einer stumpfen Nadel gestickt werden. Für die Arbeiten sollte man grundsätzlich keinen billigen Zählstoff verwenden. Der Stoff sollte Leinen- oder Panamabindung aufweisen, und er muss quadratisch gewebt sein, d. h. gleich viele Gewebefäden in Kette und Schuss müssen gleichviel messen. Die Gewebedichte ist maßgebend für das Modell- bzw. Stickereimaß. Bei jedem der empfohlenen Zählstoffe ist deshalb unter „Material“ angegeben, wie viele Gewebefäden 1 cm bzw. 10 cm messen. Das genannte Modellmaß gilt dann immer nur für diese Gewebedichte.

Lieber Leser, wenn für Dich diese Zeilen nicht besonders lehrreich waren, dann mag die Gattin darin schon eine Anregung für die Verarbeitung von Angorawolle finden. Wenn das letztlich so sein sollte, dann könnten davon alle Familienangehörigen profitieren. Auch erheben die Zeilen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei einem Interesse für eine der aufgezeigten Möglichkeiten sollte man sich spezialisieren und versuchen, in Handarbeit ein Schmuckstück zu erstellen. Sie werden sehen, es gelingt, und damit wird diese sinnvolle Freizeitgestaltung viel Freude bringen.

Das Aranmuster stammt ursprünglich von den Aran-Inseln an der Westküste Irlands und ist bekannt für seine plastischen Zopf- und Reliefmuster, die nicht nur dekorativ, sondern auch symbolisch sind

Ein Einstrickmuster ist ein Muster oder Motiv, das direkt in das Strickstück eingearbeitet wird – meist mithilfe verschiedener Farben oder Techniken. Dabei entsteht das Design nicht durch nachträgliches Aufsticken oder Aufnähen, sondern wird beim Stricken selbst integriert.

Gobelinstickerei ist eine aufwendige Handsticktechnik, die ihren Ursprung in der berühmten Pariser Gobelin-Manufaktur hat. Sie zeichnet sich durch detailreiche Motive und eine malerische Wirkung aus, die der eines gewebten Gobelins ähnelt.

Bargellostickerei, auch bekannt als Florentiner Stickerei oder ungarischer Punkt, ist eine auffällige und farbenfrohe Sticktechnik, die sich durch geometrische Muster und rhythmische Wiederholungen auszeichnet

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.