Lothar Thormann , Waldheim „Das Blaue Jahrbuch“ 2000

Die Unterbringung unserer Hauskaninchen in Gehegen und Ställen ist ebenso wie bei anderen Haustieren von großer Bedeutung für ihr allgemeines Wohlbefinden. Wenn von den Tieren außerdem noch Zucht- und Mastleistungen oder die Teilnahme an Ausstellungen gefordert werden, dann spielt neben einer optimalen Tierernährung die Haltung in geeigneten Ställen eine bedeutsame, leider immer wieder unterschätzte Rolle. Die sprichwörtliche Genügsamkeit der Kaninchen, verbunden mit der Fähigkeit, sich schnell an eine veränderte Umgebung anzupassen, ermöglicht die Kaninchenhaltung selbst in unzureichenden Stallverhältnissen. Das entspricht jedoch in keiner Weise der Verantwortung des Halters gegenüber den ihm anvertrauten Tieren.

In der hobbymäßig betriebenen und durch Vereine organisierten Rassekaninchenzucht gewährleistet die übergroße Mehrheit der Züchter den Tieren gute Lebens- und Haltungsbedingungen. Der hervorragende äußere Eindruck, den Ställe beim Betrachter hinterlassen, wird aber immer wieder etwas getrübt, wenn man genauer hinsieht. So hat eine Umfrage ergeben, dass z. B. die Größe der Stallabteile im Durchschnitt wenig bis deutlich unter den Maßempfehlungen des ZDK liegen.

Nachfolgend soll nur angeregt werden, sich vor dem Stallbau oder einer Stallrekonstruktion mit dem Thema „Kaninchenställe“ noch genauer zu befassen. Interessant ist es hierbei, einen kurzen Blick auf die Kaninchen-Stallhaltung der Vergangenheit zu werfen.

Die Ratschläge unserer Altmeister

Die mittelalterliche Gehegehaltung von Wildkaninchen zur bequemen Jagdausübung durch privilegierte Kreise jener Zeit bot den Tieren weitgehende Bewegungsfreiheit in natürlichem Außenklima. Die eigentliche Haustierwerdung des Kaninchens ist von den Mönchen der französischen Klöster besonders gefördert worden. Sie zogen die ersten zahmen Kaninchen in ihren etwas mehr begrenzten Klosterhöfen auf und brachten die Tiere auch in geschützten Großviehställen unter. Die Haltung in relativ kleinen und engen Holzställen kam erst auf, als besonders in Frankreich und Belgien wegen der dortigen Agrarstruktur mit nicht sehr großen Weideflächen für Großvieh, dafür aber mit mehr Ackerland, die schnell zunehmende Bevölkerung ländlicher Gebiete in den Kaninchen sehr nützliche Fleischlieferanten erkannte. Die großen Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts bewirkten durch akuten Nahrungsmangel und einen großen Bedarf an Kaninchen-Rohfellen eine erhebliche Verbreitung der Hauskaninchenhaltung auch in den Städten der betroffenen europäischen Länder. Mit Duldung der öffentlichen Verwaltungen entstanden überall mehr oder weniger provisorische Stallungen unter Verwendung gebrauchter Kisten und Holzfässer oder alter Kastenmöbel. Die begehrten Schlachtkaninchen mussten darin zumeist in unwürdigen Verhältnissen ihr kurzes Dasein fristen.

Die Ausbreitung zahlreicher Kaninchenkrankheiten, insbesondere von Darmkrankheiten, Tuberkulose und ansteckendem Schnupfen, war nicht zuletzt durch unsachgemäße Haltung in überfüllten Ställen begründet. Unsere bekannten Altmeister der Kaninchenzucht, wie z. B. Paul Starke, Dresden, oder Friedrich Joppich, Berlin, machten immer wieder auf die große Bedeutung ordentlicher Ställe für Kaninchen aufmerksam und gaben Richtlinien heraus. P. Starke schrieb vor nunmehr 100 Jahren in seinem Werk „Die praktische Kaninchenzucht“ u. a. über Ställe: „… Die Haupterfordernisse eines geeigneten Kaninchenstalles sind nun:

1. zugfreier, geschützter Aufstellungsort,

2. Trockenheit des Stalles,

3. reichlich Ventilation,

4. Geräumigkeit und genügend Lichteinfall,

5. Schutz gegen das Eindringen von Raubzeug…“

In seiner Schrift „Unsere Kaninchen als Helfer“ aus dem Nachkriegsjahr 1946 mahnt F. Joppich hinsichtlich der Stallungen an: „… Viele Verluste an Kaninchen gehen auf das Konto mangelhafter Unterbringung und Pflege… Gute, geräumige Ställe soll man bauen, die ein Hantieren leicht ermöglichen…“

Man könnte noch zahlreiche gute Ratschläge kompetenter Fachleute aus der Kaninchenzucht anfügen. Schlagen wir deshalb den Bogen in unsere jüngere Vergangenheit mit einem Satz von E. W. Nielebock, Solingen, zu lesen im „Blauen Jahrbuch 1968“, mit dem er zur Bedeutung der Stallfrage sagte: „… Am Anfang steht immer die Zucht. Hierfür ausschlaggebend ist gleichfalls die Umwelt, der Stall mit seiner Einrichtung, und nicht zuletzt auch die praktischen Geräte…“

Die Kaninchenställe in unserer Zeit

Zu allen Zeiten gab es Züchter und Halter, die bemüht waren, den Kaninchen ausreichend große Stallbuchten in einem verträglichen Stallklima einzurichten. Ein Hobbystall oder gar eine umfangreichere Stallanlage soll aber auch dem Züchter und seiner Familie selbst als Stätte einer geliebten Freizeittätigkeit Freude bereiten. Dazu kommen Besucher aus den Vereinen, mit denen gewissermaßen „vor Ort“ im Jahresablauf so manches Gespräch stattfindet. Und nicht nur die Wohnkultur in unseren Breiten änderte sich mit den Jahren, nein, auch die Gestaltung der Ställe und Stallräume sowie der äußeren Stallumgebung entwickelten sich oft zu einer neuen, auffallenden Qualität. Die Nachkriegsställe der etwas älteren Züchterfreunde verschwanden mehr und mehr und machten neuen Stallbauten Platz, aber vor allem jüngere Vereinsmitglieder investierten ansehnliche Mittel und Arbeitsleistungen in ihre Stallanlagen.

In den alten Bundesländern gab es besonders für zahlreiche Gemeinschaftszuchtanlagen territorial unterschiedliche, z. T. erhebliche finanzielle und andere Vergünstigungen von Sponsoren oder aus der öffentlichen Hand. Vornan steht bei solchen Bauobjekten stets der fleißige Einsatz der Mitglieder eines Vereines. Zur Belebung einer Gemeinschaftszuchtanlage finden neben Rassekaninchen auch Rassegeflügel und Ziervögel aller Art Unterkunft und Lebensraum. Die Anlagen sind überwiegend einfach und zweckmäßig ausgestattet. Es bleibt aber jedem privaten Hobbyzüchter ganz und gar überlassen, auf seinem Grundstück den Rahmen einer Stallanlage anders zu gestalten.

Solche, mit viel Liebe zum Detail und bei z. T. hohem Kostenaufwand errichteten Stallanlagen dienen nicht selten auch der Durchführung von Vereins- und Clubversammlungen, aber auch der wirksamen Präsentation von Zuchterfolgen in Gestalt von Ehrenurkunden und Pokalen. Natürlich gibt es daneben in vielen Zuchten, denen zumeist Räume, Platz und Mittel nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen, einfache und praktische Kaninchenställe, aus denen gleichfalls hochwertige und preisgekrönte Rassetiere hervorgehen können.

Die ZDK-Mitglieder in den östlichen Bundesländern konnten zur Wiedervereinigung gewiss auf weit weniger Gemeinschaftszuchtanlagen verweisen, und nach vielen Jahren minimaler staatlicher Materialzuteilungen im DDR-Züchterverband VKSK gab es an und in den Ställen manchen Nachholbedarf. Trotzdem entstanden seinerzeit besonders bei den führenden SZG-(Club-)Züchtern zumeist aus Rest- oder Abrissmaterialien oder anderweitig beschafften Baustoffen zahlreiche vorbildliche Ställe und Stallanlagen, die noch heute einen Vergleich nicht zu scheuen brauchen.

Seit 1990 steht den Züchtern im Osten Deutschlands in Baumärkten aller Größen und Spezies ein fast erdrückendes Angebot an Baumaterial, Werkzeug und Handmaschinen gegenüber. Soweit es die Einkommensverhältnisse zuließen, erhielten viele Kaninchenstall-Anlagen zwischen Ostsee und Erzgebirge ein neues Aussehen oder Erweiterungen durch Um- und Ausbau. Mancher Züchterfreund leistete sich gar einen völlig neuen Stall. Und der Stallbau wird weitergehen, mit mehr Verständnis für die Belange der Tiere und die persönlichen Gegebenheiten der Stallbesitzer.

Das Bauvorhaben „Kaninchenstall“

Viele Mitglieder in allen Landesverbänden werden zukünftig auch noch genauer überlegen müssen, welcher materielle Einsatz im Stallbau unbedingt erforderlich ist. Die allgemeine wirtschaftliche Einkommenslage verlangt im Verein wie im privaten Bereich ein sparsames Wirtschaften. Es gilt, mit den Bezugsgrößen: Rassenwahl, Größe und Anzahl der Stallbuchten, Platz- und Raumbedarf insgesamt mit Nebenräumen, Sicherung der Futtergrundlage sowie Entsorgung der Abprodukte aus der Zucht (Dung, Jauche, Schlachtabfälle) den zukünftigen Zuchtumfang zu bestimmen. Zunehmend gilt es, Gesetzesgrundlagen wie z. B. das Nachbarrecht oder das Wasser- und Umweltrecht zu beachten. Größere Stallanlagen mit Bauhauptleistungen bedürfen einer Genehmigung der örtlichen Baubehörde sowie der Einbeziehung kompetenter Baufachleute. Ein Grundsatz gilt dabei immer. Erst den Stall oder die Stallanlage fertigstellen, und dann die Tiere erwerben und einsetzen!

Man kann natürlich ein Stallvorhaben auch in Etappen einrichten und dafür zu Beginn den Stallraum oder -platz vorbereiten. Es hängt am Ende auch von den finanziellen Gegebenheiten ab. Aber die für die Haltung und Zucht bestimmten Stallabteile müssen unbedingt voll funktionsfähig sein und mit den noch geplanten Ställen später eine Einheit bilden. Ein zweiter Grundsatz besagt: Kein Stall ist den Tieren zu groß, aber so mancher ist doch zu klein bemessen! Die sogenannte rationelle Raumausnutzung darf nicht darauf hinausgehen, die vom ZDK bekannten Orientierungsmaße je nach Rassengröße mehr oder weniger zu unterlaufen. Ausreichend große und geräumige Stallabteile bieten den Tieren nicht nur eine angemessene Bewegungsfreiheit, sondern sie können in längeren Zeitabständen ohne Gesundheits- und Hygienerisiko gesäubert werden.

Überhaupt sollte der Zeitfaktor für den Züchter im Ablauf der Fütterung, Tränkung und Sauberhaltung der Ställe mehr Beachtung finden. Kurze Wege, leichte und bequeme Handgriffe bei Stallarbeiten und auch Möglichkeiten, sich einmal am Stall hinsetzen zu können zum Ausruhen, bei Züchtergesprächen oder ganz einfach zum Betrachten und Beobachten der eigenen Tiere. Bei der Planung des Bauvorhabens „Kaninchenstall" sollte man also daran denken, eine Sitzecke oder bei räumlichen Voraussetzungen auch einen Mehrzweck-Aufenthaltsraum vorzusehen.

Kaninchenställe im Blickpunkt von Umwelt und Tierschutz

Alle oben aufgeführten Aspekte, werden sie konsequent berücksichtigt, dienen der Schaffung und dem Erhalt von Kaninchenställen, in denen sich die Tiere sehr wohl fühlen. Verschiedene Einzelheiten sind beim Stallbau bezüglich des Stallklimas zu beachten. Stallklima, das ist die Gesamtheit der für Mensch und Tier gleichermaßen dienlichen, d. h. der Gesundheit und dem Wohlbefinden entgegenkommenden Umweltverhältnisse in Stallräumen oder im Freien bei Außenställen. Bekannt waren die wichtigen Lebensbedingungen schon vor langer Zeit, zu Beginn der organisierten Kleintierzucht. Nur ist die menschliche Gesellschaft in entwickelten Industrieländern zunehmend sensibel geworden und fordert mehr Beachtung dieser Umweltelemente als früher. Wer Kaninchenställe stets unter dieser Sicht baut und nutzt, bei dem finden Kritiker unseres Hobbys keinerlei Angriffspunkte und Gründe für Forderungen.

Leider muss jedoch gesagt werden, dass einige Züchter zu leichtfertig mit der Unterbringung ihrer Kaninchen umgehen. Oder etwas deutlicher gesagt: besonders unter extremen Witterungsbedingungen, wie hoher Luftfeuchtigkeit und bei zugleich großer Wärme im Innenstall oder unter ständiger direkter Sonnenbestrahlung im Außenstall gibt es jährlich zahlreiche Tierverluste durch Hitzschlag.

Es gibt genug technische Möglichkeiten, derartige Rückschläge in Zucht und Haltung zu verhindern. Eine relative Luftfeuchtigkeit von über 70 % schadet unseren Kaninchen. Hier kann und muss durch Lüftungseinrichtungen sowie mit ausreichender Wärmedämmung in Stalldächern und Stallwänden den Tieren ausreichend Schutz vor gesundheitsschädigenden Einflüssen gewährt werden.

Umweltgestaltung betrifft aber nicht nur die unmittelbare Stallnähe, es geht zumeist noch mehr um den Standort eines Stalles mit seiner Wohn- oder Gartenumgebung. Ein schön gestalteter Stall inmitten harmonisch wirkender Begrünung durch Bäume und Sträucher oder schnellwachsende Schling- und Kletterpflanzen wird am Ende jedem Betrachter zusagen. Nicht zuletzt fühlt sich der Stallbesitzer mit seiner Familie wohl und nutzt das Ganze an langen Sommerabenden sowie an Wochenenden zur Erholung und Entspannung. Es gilt, unbedingt bauliche Vorschriften bei der Lagerung von Mist zu beachten. Auch Jauche muss in entsprechenden Gruben aufgefangen werden. Günstiger ist, Abwässer des Stalles in das öffentliche Entsorgungsnetz einzuleiten oder den Dung, soweit keine eigene Verwendung besteht, dafür zuständigen Deponien oder an- deren Interessenten zu überlassen.

Baubeginn für einen 18-Buchten-Außenstall in solider Holzausführung, sta- tionär, auf Stahlrohr-Sockel (Besitzer: Th. Rieke, Roßwein, Verein S 464). Foto: Lothar Thormann, Waldheim

Das Baumaterial und die Stallausstattung

Das am meisten verwendete Baumaterial für Kaninchenställe ist Holz in Form von mehr oder weniger gehobelten und gefrästen Brettern, Kanthölzern und Balken. Hier sollte man beim Kauf die günstigen Abmessungen in Dicke, Breite und Länge beachten. Am preiswertesten ist Nadelschnittholz noch immer in den Sägewerken zu erhalten. Baumfrisches Schnittholz ist erst nach längerer Lagerung oder künstlicher Trocknung für unsere Zwecke geeignet, weil sonst durch das Nachtrocknen im verbauten Zustand Fugen und Risse entstehen. Vom Fachhandel angebotene Kaninchenställe werden immer mehr aus beschichteten Spanplatten gefertigt. Auch Sperrholz und andere Verbundplatten sind auf dem Vormarsch. Die Herstellung der Ställe ist mit diesen Holzverbundplatten viel rationeller als mit Schnittholz. Da beschichtete Bauplatten die Luftfeuchtigkeit nicht aufnehmen und in das Materialinnere transportieren, beschlagen solche Ställe bei niedrigen Temperaturen. Als Material für den Stallboden und seitlich eine Handbreit hoch ist dieses Material gut geeignet, alle übrigen Flächen der Stallbucht sollten aus unbeschichtetem Holzmaterial sein.

Der Außenstall von Abbildung, S. 117 nach seiner Fertigstellung, besetzt mit Holländer-Kaninchen, thüringer-weiß (Besitzer: Th. Rieke, Roßwein, Verein S 464). Foto: Lothar Thormann, Waldheim

Damit ist die Frage beantwortet, ob man reines Kunststoffmaterial in Plattenform zu Ställen verarbeiten kann. Abgesehen vom beachtlichen Preis für dieses feuchtigkeitsbeständige Baumaterial werden die genannten Voraussetzungen für ein verträgliches Stallklima nicht erfüllt. Ausgenommen sind Stallräume mit sehr aufwendiger Klimatechnik zur automatischen Regelung der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit. Die verschiedenen Bodenroste sind ebenfalls aus massivem Kunststoff oder beschichtetem Draht. Diese haben gegenüber den altbekannten Holzrosten erhebliche Vorteile, da keine Stallfeuchtigkeit im Bodenbereich festgehalten wird. Weitere Materialien wie Mauersteine, Beton oder Faserbetonplatten werden ebenfalls im Stallbau verwendet. Die in den neuen Ländern weiterhin vorhandenen Ställe oder Stallteile aus dem bei der Verarbeitung umweltschädlichen Asbestbeton sollten schrittweise entfernt und er setzt werden.

Die Stallausstattung bereitet den wenigsten Züchtern Schwierigkeiten. Der Fachhandel bietet hierfür ein reichhaltiges Sortiment an Raufen, Futternäpfen und -automaten, Tränkflaschen sowie anderen Geräten an. Wichtiger erscheint, dass diese Behälter platzsparend und für die Tiere gut erreichbar angebracht oder aufgestellt sind und möglichst wenig verschmutzen.

Innenstall-Türen aus beschichteten Holzverbund-Platten, Türunterschenkel dient als Vorbrett, daran befestigter Metall-Napf. (Besitzer: W. Melcher, Bergkamen, Verein W 339). Foto: Lothar Thormann, Waldheim

Der Stallbau – die kostensparende Selbstbauvariante

Mit Handwerkzeugen und Handmaschinen lassen sich Kaninchenställe gut und gerne selbst bauen. Allerdings sollte die Arbeitszeit keine Rolle spielen. Frühpensionäre unter uns Züchtern finden hier noch einmal eine bemerkenswerte Herausforderung und schöne Erfolgserlebnisse, wenn der langgehegte Wunsch nach einem selbstgebauten Stall Wirklichkeit wird. Nicht zuletzt werden allerhand Kosten gespart beim Selbstbau von Kaninchenställen einschließlich der Stall- und Nebenräume mit ihrer Einrichtung. Aber auch bei jüngeren und noch voll im Arbeitsprozess stehenden Vereinsmitgliedern ist trotz Zeitmangels langfristiger Stallbau möglich. Eine straffe und rechtzeitige Planung des Bauablaufes spart Zeit und erlaubt trotzdem den Selbstbau. Zumindest die Vorderfront mit Frontrahmen und Stalltüren sollte man dann in Auftrag geben, weil diese etwas arbeitsintensiven Stallteile ohnehin besser vom Schreiner oder einem kompetenten Fachmann konstruktiv solide und für lange Zeit ansehnlich hergestellt werden und damit das Geld lohnen.

Es können natürlich außer Holztüren stabile und in der Rahmenbreite geringer gehaltene Metalltüren mit aufgeschweißten Türgittern von geübter Hand hergestellt werden. Tränk- und Futtereinrichtungen lassen sich bei solchen Metalltüren besonders gut von außen oder durch Stabgitter in die Türfront einbeziehen (siehe Foto).

Selbstgebauter Futterautomat aus Zinkblech für Pellets sowie transparente Tränkflasche in einer Zuchtanlage BlW. (Besitzer: H. Schröder, Frauendorf, Verein S 785). Foto: Lothar Thormann, Waldheim

Selbstbau-Stalltüren müssen in Regionen, wo die Myxomatose alljährlich ihre Opfer fordert, insektensicher konstruiert und gebaut sein. Die Türrahmen in Holz sind z. B. gefalzt und schlagen auf den Frontrahmen auf. In Zeiten des Insektenfluges erhalten die Türgitter zusätzlich von außen ein sicheres Fliegengitter. Im Selbstbau lassen sich derartige speziellen Einzelheiten besser einrichten als bei serienmäßig hergestellten käuflichen Ställen. In Sachen Stallbau gibt es noch viel Interessantes und auch Wichtiges für den „Bauherrn“ zu beachten. Deshalb ist es immer vorteilhaft, man hat in der Bauvorbereitung und beim Bauablauf schnell einen informativen, gedruckten und gut illustrierten Bauhelfer zur Hand, der weitere Ideen vermittelt und so manche Anregung und Hilfe beim Bau von Kaninchenställen gibt.

Literaturquelle: Thormann, Lothar: Kaninchenställe und Stallanlagen. Selbstbau leicht gemacht. Neuerscheinung im Verlag Oertel + Spörer, Reutlingen 1999.

Vorheriger ArtikelInzucht bei Kaninchen
Nächster Artikel„Mein liebstes Kaninchen“
Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.