Herbert Fock, 3302 Cremlingen 1
In „Das Blaue Jahrbuch“ 1984
1. Vorwort und Aufgabenstellung
Obwohl Kaninchen als Haus- und Nutztiere seit mehr als 500 Jahren bewusst gezüchtet werden, sind immer noch die Kenntnisse über den Zustand der Fellreife des lebenden Tieres und vor allem über das Erreichen der Fellreife zum gewünschten Zeitpunkt sehr gering. In der Fachliteratur über Kaninchenzucht hat sich diesem Bereich nur Dorn zugewandt.2 Die letzten mir bekannten Jahr-gänge des DKZ helfen wenig, da sie nur einzelne Aspekte meist unter züchterischer Sicht darstellen³ . Auch alle mir zugänglichen Lehrschriften des ZDK – 20 der insgesamt 40 Ausgaben – sparen das Thema völlig aus.
Die Pelztierzucht als junger Wirtschaftszweig begann um 1910 in Kanada, in Deutschland nach 1918. Das Kaninchenfell stieg in seiner Beliebtheit und wirtschaftlichen Bedeutung erst mit dem Aufschwung der Rauchwarenindustrie. In einigen Ostblockstaaten und in der DDR ist die Fellerzeugung inzwischen zum Hauptziel der Rassekaninchen-Zucht geworden 4.
Im Anschluß an einen Schulungsvortrag im Kreisverband Braunschweig im Mai 1981 über das Fell des Kaninchens erklärte ich mich der Referentin gegenüber spontan bereit, mich diesem Problem genauer zu widmen, da ich über etwas Erfahrung über die Pelzgewinnung aus der Hobby-Pelztierzucht mit Chinchilla (Chinchilla lanigera) verfügte.
Es soll deshalb hier versucht werden, aus züchterischer und wirtschaftlicher Sicht folgende Punkte darzustellen:
1. Die wirtschaftliche Bedeutung der Kaninchenfelle
2. Die Fellentwicklung des Kaninchens und der Haarwechsel
3. Die Bedeutung der Fellreife
4. Das Erkennen der Fellreife, der optimale Zeitpunkt und die Dauer der Fellreife
5. Faktoren, die den Reifungsvorgang beeinflussen.
Das beobachtete, untersuchte und teils in Farbdias festgehaltene Tier- und Fellmaterial entstammt meiner eigenen Zucht als Hobbyzüchter. Es handelt sich sowohl um Kreuzungstiere als auch um Kaninchen der Rassen Groß-Chinchilla und Castor-Rex sowie einen Zug Englische Schecken. Die Ergebnisse dürften auf alle Rassen bis auf rein weiße und Angoras übertragbar sein.
2. Die wirtschaftliche Bedeutung der Kaninchenfelle
2.1 Die Verwendung von Kaninchenfellen
Kaninchenfelle – oder mit der Bezeichnung der Rauchwarenindustrie kurz Kanin – werden in verschiedenen Arten verarbeitet. Die Gesamtzahl, der in der Bundesrepublik Deutschland gegerbten und veredelten Kanin lässt sich wahrscheinlich aktuell nicht genau feststellen. Ein von mir deswegen befragter Fellhändler im Raum Lehrte, der Felle zum Gerben annimmt, zum Teil auch kauft und weiterleitet, nannte mir für seinen Betrieb die Zahl von ca. 40000 Fellen pro Jahr. Das sei jedoch nur ein kleiner Teil der in Deutschland gegerbten Kanin. Genauere Zahlen kannte er nicht.
Aufschlussreicher, aber leider nicht mehr aktuell, ist eine Statistik des ZDK von 1961.5 Danach wurden nach dem Stand vom 1. Oktober 1961 in den 16 Landesverbänden im gesamten Bundesgebiet
von 64683 Mitgliedern im Jahre 1960, 527588 Felle
von 69587 Mitgliedern im Jahre 1961, 555683 Felle verkauft und verarbeitet.
Der LV Hannover war jedoch nur beteiligt
im Jahre 1960 mit 9591 = 1,8%
im Jahre 1961 mit 6063 = 1,1%
Die Anzahl der Mitglieder im ZDK hat sich zum 31. Dezember 1981 auf inzwischen 158049 mehr als verdoppelt.6
2.1.1 Naturelle Verarbeitung zu Pelzwerk
Der obengenannte Fachhändler sagte, dass mindestens neunzig Prozent seiner 40000 gegerbten Felle naturell an die Einlieferer zurückgesandt werden. Das würde bedeuten, dass sich das Verhältnis von verkauften gegenüber selbst verarbeiteten Fellen heute gegenüber 1960/61 total verändert haben muss. Die Statistik des ZDK weist nämlich aus, dass im Jahre 1960 153703 Felle = 29,1% verarbeitet im Jahre 1961, 154402 Felle = 27,8% verarbeitet wurden von (1960) 784 bzw. (1961) 908 Frauengruppen. Die Leiterin der Frauengruppen des ZDK führt in ihrem Jahresbericht 1981 folgende Zahlen an ?: 993 Frauengruppen mit 12623 Mitgliedern haben 1981, 100152 Felle verarbeitet. Es wurden aber 119052 Felle gegerbt.
Wenn man den zurzeit gültigen durchschnittlichen Wert dieser gegerbten Felle – wie aus dem Deutschen Kleintierzüchter ersichtlich – mit nur zehn Mark annimmt, ergibt sich ein Wirtschaftswert der Felle von über einer Million Mark für 1981.
2.1.2 Veredelung und Färbung – In angeblich größerer Anzahl als naturell werden – in Zeiten des Wohlstandes muss man möglicherweise sagen, wurden – Kaninchenfelle gefärbt und veredelt. Sie bilden die Grundlage für die Imitation von sogenanntem edlen Pelzwerk, das relativ selten und deshalb teuer ist. Die Kanin werden völlig entfärbt, zum Teil für die Veredelung geschoren und maschiniert, d. h. die harten Grannen werden abgeschnitten, so dass nur die dichte weiche Unterwolle und natürlich die gekürzten Deckhaare übrigbleiben.
Nach den Listen verschiedener Veredelungsbetriebe³ gibt es Seal-, Skunks-, Zobel-, Nerzilla-, Chinchilla-, Feh-, Oze- lot-, Nutria-, Katzen-, Fuchs- und Biberettkanin.
Ebenso können die Imitationen von Leopard, Tiger, Hamster, Waschbär und Baby-Zebra so- wie Lyraskunk hergestellt werden.
Aus dieser Zusammenstellung ist deutlich zu erkennen, in welch hohem Maße die Pelzbekleidung der aktuellen Mode unterworfen und damit zugleich den Konjunkturschwankungen der Wirtschaft ausgesetzt ist.
Teile der veredelten Kanin werden selbstverständlich auch als Besatz für Kragen, Taschen und Verzierungen der Damen-Oberbekleidung verwendet. Besonders die zur Veredelung geeigneten Kanin müssen nach übereinstimmender Auskunft aller Fachleute der Rauchwarenindustrie eine sehr gute Qualität aufweisen. Es werden hierfür (angeblich) wirklich nur die besten Felle verwendet. Allerdings hat die Pelzwirtschaft an den schönsten Fellfarben unserer Hobbytiere kein Interesse.
2.1.3 Verarbeitung zu Kaninfutter
Viele qualitativ noch guten Felle, z. B. bessere Jungtierfelle, können auch als Kaninfutter für warme Winterkleidung verwendet werden. Über den relativen Anteil, Prozesse der Veredelung und die gegenwärtige Aktualität liegen mir keine Zahlen bzw. Fakten vor. Es handelt sich jedoch um Felle, die für die oben beschriebene Färbung, Veredelung und Verarbeitung als Pelzwerk nicht mehr geeignet sind, also nicht mehr als sogenanntes Kürschnerkanin bezeichnet werden.
2.2 Die Verwendung von Teilen des Kaninchenfells
Nicht so sehr von wirtschaftlicher Bedeutung, aber für den Züchter ebenfalls interessant ist, was mit jenen Kaninchenfellen geschehen kann, die nicht naturell gegerbt oder gefärbt und veredelt werden. Die älteren Züchter werden sich erinnern, dass vor 30 Jahren von den Altwarenhändlern Felle jeder Qualität gerne gekauft und mit einem relativ guten Preis bezahlt wurden. Diese trockenen, rohen Felle werden als „Schneidekanin“ eingestuft und verarbeitet.
Das Haar wird durch chemische Bearbeitung herausgelöst und in der Hutindustrie auch heute noch zu Filz verarbeitet. Das Leder kann verwendet werden als Fensterputzleder, für Täschnerwaren (Handtaschen, Brieftaschen), feine Handschuhe und das dicke Leder von älteren Rammlerfellen sogar für Schuhe. Die Fellanhängsel – Kopffell, Ohren, Pfoten, Blume – wurden für die Leimherstellung entfettet, gereinigt und gekocht. Heute sind anscheinend synthetische Leime wegen des geringeren Arbeitsaufwandes preisgünstiger herzustellen.
3. Die Fellentwicklung und der Haarwechsel der Kaninchen
3.1 Das Babyfell
Zwar werden bekanntlich die Kaninchen nackt geboren, aber ihre Haarkeime sind schon beim 20 bis 22 Tage alten Fötus in der Oberhaut nachweisbar. Das Haarwachstum schreitet bei den Jungen im Nest so weit fort, dass man – außer an den Spürhaaren – im Alter von etwa acht bis neun Tagen erst die Normalhaartiere von Kurzhaarrassen bei gleicher Fellfarbe an der Haarlänge unterscheiden kann. Ich habe diesen Versuch bewusst im Januar 1983 durchgeführt, indem ich bei zwei Würfen vom gleichen Tage je ein Jungtier sofort ausgetauscht habe. Das weiche Babyfell, bei dem es sich zunächst um einfarbiges Wollhaar handelt, finden wir bei allen Pelztieren wie beim Kaninchen auch beim Nestflüchter Chinchilla lanigera. Es ist jedoch wahrscheinlich nicht nur ein Teil der späteren Unterwolle. Zumindest bleibt es bei braunwildfarbigen Tieren nicht einfarbig, bis die Tiere das Nest verlassen.
3.2 Das „Kinderfell“
Im Alter von ungefähr acht Wochen an beginnen die ersten längeren Grannen deutlich zu wachsen. Diese Veränderung lässt sich verständlicherweise gut bei Tieren erkennen, die in ihrer Fellfarbe über dominante Wildfarbigkeit (Erbfaktor G) oder über den Silberungsfaktor (Erbfaktor P) verfügen. Dieses Grannenwachstum kann man aber auch deutlich bei den Chinchilla-Kaninchen (Groß-Chin und Klein-Chin) erkennen. Im Jahre 1972 konnte ich bei den Jungtieren meiner Deutschen Großsilber das Deckhaar- und Grannenwachstum zuerst auf der Nase beobachten, zumindest fiel es dort bei den mit schwarzer Farbe geborenen Tieren zuerst auf. Wesentlich ist, dass ich bisher in diesem Alter keinen Haarungsvorgang beobachten konnte. Es muss sich deshalb um neue zusätzliche Haare handeln.
3.3 Das „Jugendfell“
Nachdem das „Kinder- oder Kleinkindfell“ der Kaninchen ungefähr im Alter von vier Monaten abgeschlossen ist, bildet sich das Jugendfell. Der Beginn und Verlauf sind nicht sehr gut zu erkennen mit Ausnahme wahrscheinlich bei allen gesilberten Ras- sen. Die Tiere stoßen in geringem Umfang schon alte Haare ab, sie haaren also das erste Mal in ihrem Leben. Erstaunlicherweise setzt dieser Prozess des Haarwachstums bei vielen Castor-Rexen am Rumpf deutlich sichtbar ein bzw. fällt auf, weil jetzt eine dunklere und längere Haarschicht erscheint. Andere Rassen wie Großchinchilla und alle braunwildfarbigen Tiere zeigen im Gesicht dunkle Ränder, beinahe eine Maske. Am deutlichsten ist dieser gesamte Vorgang meines Wissens wahrscheinlich bei den Hellen Großsilber zu verfolgen.
3.4 Das „Hochzeitskleid“ oder erste Erwachsenenfell
Manche Züchter nennen das nach dem sechsten bis siebenten Lebensmonat wachsende neue Fell das Hochzeitskleid. Die Kaninchen erlangen im Alter von acht bis neun Monaten das erste Erwachsenenfell und werden von vielen Züchtern auch erst jetzt zur Zucht eingesetzt. Dieses Fellwachstum beginnt mit deutlichem Haarwechsel, und zwar wie jeder weitere spätere Fellwechsel auf dem Rücken des Tieres und endet unten an den Flanken und vor den Knien. Das Haar wechselt also gleichzeitig seitlich am Rücken und am Bauch.
Zu beachten ist, dass Kaninchen jener Rassen und Farbenschläge, die zu Verfärbungen und Rostbildung aufgrund der Lichteinwirkung neigen, z. B. auch Großchinchilla, mit Beginn dieses Fellwachstums in Innenställe gesetzt werden sollten, sofern sie vorher im Freiland, in Ausläufen oder in hellen Außenställen aufgewachsen sind. Gleichzeitig wird es spätestens in diesem Lebensalter auch erforderlich, die Häsinnen zu vereinzeln, um Fellschäden aufgrund von Rangordnungskämpfen zu vermeiden.
3.5 Der Haarwechsel
Wie Mehner und Koetter 1964 festgestellt und nachgewiesen haben, bleibt beim Kaninchen die Fähigkeit zur Neubildung von Wollhaarfollikeln bis über das erste Lebensjahr hinaus erhalten.10 Bekannt ist weiterhin, dass die Felle aller Landtiere zweimal im Jahr völlig erneuert werden, nämlich im Frühjahr und im Herbst. Die Haarung setzt nicht auf der gesamten Hautoberfläche gleichzeitig ein, sondern erfasst, an einzelnen Stellen beginnend, nach und nach den ganzen Körper.
3.5.1 Der Haarungsvorgang
Den Haarungsvorgang haben Dorn¹¹ und Koetter¹² ausführlich beschrieben und in einer schematischen Zeichnung dargestellt. Für die Beschreibung zitiere ich der Kürze und Prägnanz wegen Koetter: „Die Haare sind in der Haut von einer inneren und einer äußeren Hülle, den Wurzelscheiden, umgeben. Sie bilden den Haarbalg oder Haarfollikel, der am unteren Ende in eine zwiebel- artige Verdickung übergeht, die sogenannte Haarzwiebel. Von unten hat sie eine kleine Einstülpung, die Haarpapille. Sie wird gut durchblutet und trägt die Keimschicht, aus der sich das Haar entwickelt. Ist die volle Haarlänge erreicht, trennt sich das Haar nach einiger Zeit von der ernährenden Wurzel, bleibt aber mit seinem verdickten Ende als Kolbenhaar fest im Haarbalg haften.
Nach dieser Trennung von der Haarpapille wird das Kolbenhaar nicht weiter mit Nährstoffen versorgt. Dadurch verblassen allmählich die Farben, und das Fell verliert seinen Glanz. An diesen Verfärbungen, die sich bei manchen Rassen auch als Rostanflug zeigen, erkennen wir, dass ein neuer Haarwechsel bevorsteht, der sich in den unteren Hautschichten bereits wieder vorbereitet.
Die Haarpapille hat nach der Trennung vom Kolbenhaar längere Zeit im Ruhestand verbracht und beginnt dann, ein neues Haar auszubilden. Dessen Spitze drängt als sogenannter Haarkegel das Althaar allmählich aus dem Haarbalg, bis es schließlich ausfällt.“
3.5.2 Dauer des Haarungsvorganges und mögliche Störungen
Für den Pelzzüchter ist interessant, wie lange ein begonnener Haarungsvorgang dauern kann. Wie bei der Fellentwicklung schon ein deutlicher zweimonatiger Rhythmus zu erkennen war, so könnte er sich ja fortsetzen. Das ist leider nicht der Fall. Die Haarung des erwachsenen Kaninchens im Frühjahr ist ein monatelanger Vorgang, der in leichter Form nahezu das ganze Jahr hindurch währen kann. Das ist der wesentliche Unterschied gegenüber allen anderen Pelztieren. Erst nach Eintritt des Frostes kommt das Wachstum zu einer Ruhe, die mehrere Wochen anhalten kann – bei einigen Kaninchen sogar bis März.
Diese sonderbare Dauerhaarung ist sicherlich einer der wesentlichen Gründe – neben der oft fehlenden Felldichte -, warum das Kaninchenfell nicht zu den Edelpelzen gerechnet wird. Züchter und Preisrichter müssen aber von dieser Erscheinung wissen, damit sie den Fellzustand auf Herbst- und frühen Winterschauen nicht falsch beurteilen bzw. ungerechtfertigt wegen Haarung mit Punktabzug strafen.13
Einige Züchter meinen, man solle eine haarende Häsin nicht zur Zucht einsetzen, sie also nicht decken lassen, weil sie im Haarwechsel gestört und dann das gesamte Jahr hindurch bis zum nächsten Winter nicht fellreif werde. Dorn bestätigt diese Möglichkeit14. Der Haarungsablauf könne verzögert werden oder völlig stehenbleiben. Wenn die Häsin vorrangig neues Leben bilde, könne sie kaum gleichzeitig die wichtigen Nährstoffe in der Haut und in den Haarpapillen für die Erneuerung des Haarkleides abzweigen. Bei allen Tieren in freier Wildbahn erlösche während des Haarwechsels bzw. beim Geflügel während der Mauser der Fortpflanzungstrieb.
4. Die Bedeutung der Fellreife Reife Felle sind ausgehaart. Sie stoßen keine – beim Kaninchen nur wenige einzelne – Haare ab und bekommen nach ihrer Verarbeitung im Pelzwerk keine Kahlstellen, sofern das Rohfell richtig behandelt wurde. Die Haarlässigkeit an unreifen Stellen soll allerdings bei den modernen chemischen Gerbmitteln auch nicht mehr zu beobachten sein.
Reife Felle haben ihre optimale Farbe und aufgrund der ausgewachsenen Haare keine oder nur geringe Unebenheiten. Sie haben bei Rassen mit glänzendem Fell und bei gesunden Tieren ihren optimalen Glanz, eine elastische Struktur, sie sind geschmeidig im Griff.
Alle aufgezählten Eigenschaften werden von der Rauchwarenindustrie und den modebewussten Kunden nicht nur gewünscht, sondern mit Recht gefordert, wenn sie dafür bezahlen sollen. Schon am lebenden Tier lassen sich diese Kriterien beurteilen.
Die Gerbung von Kanin ist nach fachmännischer Auskunft eine Spezialsache.
Auch die Qualität und Stärke der Lederhaut wird von der Fellreife stark beeinflußt. Bis zum ersten Erwachsenenfell nimmt nach meinen Beobachtungen die Stärke des Leders zu. Es kommt fast so vor, als ob mit jeder neuen Umhaarung eine weitere Hautschicht wächst. Aber das Alter der Tiere, ihr Geschlecht, ihre Erbanlage und die Jahreszeit (Sommer – Winter) spielen für die Lederqualität eine Rolle. Aus diesem Grunde ist es verständlich, wenn ein Fellhändler sagt, nur Kanin von Tieren mit mehr als einem Lebensjahr seien gut und für die Veredelung geeignet, sofern es Winterfelle seien. Das reife Fell der Kaninchen macht nach Angaben von Dvořák 18 Prozent der Körpermasse aus 15. Er rechnet dabei zur gesamten „Haut“ die Drüsen, Haare und Krallen sowie die die Haut durch- ziehenden Blut- und Lymphgefäße.
Bei fehlender Reife kann das gesamte Fell in seiner Qualität gemindert sein. Zum einen ist das Leder mindestens an den unreifen Stellen nicht haltbar.
Die inzwischen von den Gerbern bestrittene Haarlässigkeit ist tatsächlich in jüngster Zeit (fast) verschwunden. Allerdings fehlen mir Langzeiterfahrungen, bevor ich endgültig überzeugt bin.
Aber unreife Felle zeigen eine dem Empfinden des fachkundigen Betrachters nicht zusagende Fleckigkeit der Haarseite, die die Freude am fertigen Pelzwerk erheblich stört. Das Deckhaar hat kaum die gewünschte Elastizität. Die Standrichtung der Haare und somit die Reflektion des auftreffenden Lichtes ist nicht gleichmäßig. Einzelne Fellpartien sind stumpf, dunkle Ringe verraten Haarungszonen. Darauf sollten auch die Preisrichter mehr achten. Im Dezember 1981 z. B. sah ich auf einer Gemeinschaftsschau eine Jacke aus Groß-Chin-Fellen. Mit ihren verschiedenen Grautönen, gemischt mit vergilbten (Rost-) Flecken, war sie mit 96 Punkten bewertet worden. Dieses Ergebnis verstanden selbst viele Züchter und Mitglieder der Frauengruppe eines der beteiligten Vereine nicht.
5. Das Erkennen der Fellreife und der beste Zeitpunkt zur Fellernte
Kommen wir nun nach den erforderlichen Vorbemerkungen zu den wesentlichen Ausführungen, wie nämlich die Fellreife am lebenden Tier sicher erkannt werden kann.
5.1 Herkömmliche Methoden
Als ich vor einigen Jahren schon und bis in die Gegenwart hin verschiedene, teils erfahrene Kaninchenzüchter um Auskunft bat, wann ein Kaninchen fellreif sei bzw. wie sie die Fellreife ihrer Tiere feststellten, erhielt ich folgende Antworten, die hier jeweils verkürzt wiedergegeben werden sollen:
1. Das ist reine Glückssache.
2. Bei den Groß-Chin ist die Lederseite auf dem Bauch fast immer schwarz.
3. Im Winter, wenn draußen Frost ist.
4. Wenn das Tier im Hochzeitskleid ist.
5. Wenn das Tier beim Streichen mit der Hand über den Rücken keine Haare mehr verliert.
6. Wenn das Rückenfell gleichmäßig ausgefärbt und nicht mehr fleckig ist.
7. Wenn das Fell glatt aussieht und glänzt.
8. Wenn man mit der feuchten Hand über den Tierrücken streicht, dürfen an der Hand keine Haare mehr hängen bleiben. Bis auf die ersten beiden Aussagen enthalten alle etwas Wahres.
Leider aber sind sie weder vollständig noch genau genug (das Wort „vollständig“ bezieht sich hier auf den Inhalt der Angaben, nicht auf die Anzahl der Wörter und Sätze, die ja bewusst auf das Wesentliche reduziert wurden). Bei ausschließlicher Beachtung der sicher gut gemeinten Ratschläge fehlt häufig etwas Zeit bis zur Reife, bei anderen Tieren, zumindest bei jüngeren, kann schon wieder die Fellreife verpasst worden sein. Es müsste eine zuverlässige Methode gefunden werden, damit der Züchter nicht unnötig lange jene Tiere zu füttern braucht, die nicht zur Zucht eingesetzt werden sollen, deren reife Felle er aber haben möchte.
5.2 Die Methode der Chinchillazüchter
Ein zuverlässiger Weg könnte der der Pelztierzüchter sein. Bei den Chinchilla lanigera zum Beispiel zielt die gesamte Tierzucht ja ausschließlich auf die Produktion guter Felle, sofern man den in Deutschland leider noch schwunghaften Handel mit lebenden Tieren außeracht lässt. Das bei diesen Chinchilla angewendete richtige Verfahren zum Erkennen der Fellreife war mir seit Jahren aus Theorie und geübter Praxis geläufig. Jedes bessere Fachbuch über die Chinchillazucht beschreibt mehr oder weniger ausführlich, wie der Züchter bei seinen Tieren die Fellreife überprüfen kann, bevor er sie zum Pelzen tötet. Eine der kürzesten Beschreibungen finden wir mit den entscheidenden Aussagen bei Johannes Wolf in seinem „Chinchillazüchter-Praktikum“ von 196116.
„Die Fellreife kann man folgendermaßen feststellen: Wenn ein Tier in das entsprechende Alter kommt, merkt man beim Hineinblasen in das Fell nachwachsendes, neues Haar, und die Haut zeigt blaue Stellen. Wenn das nachstoßende Haar ausgewachsen ist, nimmt die Haut eine weißgraue oder cremeartige Farbe an, die blauen Flecken sind verschwunden. . . Zu beachten bei der Fellreife ist noch, dass Chinchillas nicht an allen Körperstellen gleichmäßig in die Reife kommen und man den günstigsten Zeitpunkt der Reife treffen muss.“
Aufgrund dieser Angaben scheint die Prüfung der Fellreife bei den Chinchillas leicht zu sein. In der Praxis ist es aber noch heute so, dass nur etwa die Hälfte aller Chinchillas in voller Reife gepelzt wird. Dazu muss außerdem gesagt werden, dass viele Hobbyzüchter trotz zehnjähriger Erfahrung immer noch Felle mit blauen Melaninflecken auf der Lederseite abliefern.
5.3 Die Reifeüberprüfung beim Kaninchenfell
Wesentlich einfacher als beim Chinchilla lanigera ist das Feststellen der Reife beim Kaninchen, und zwar deshalb, weil der Reifungsvorgang sehr einheitlich abläuft. Die Entwicklung folgt offensichtlich einem Naturgesetz, das seine einzige Ausnahme beim Acht-Monats-Fell, das ja schon als „Hochzeitskleid“ bezeichnet worden war, haben kann. Sofern das Kaninchen im Alter von acht bis zehn Monaten größeren oder stärkeren klimatischen Schwankungen unterworfen wird, kann es zu gleicher Zeit reife Haare von drei verschiedenen Altersgruppen aufweisen, ohne überhaupt irgendwo am Körper unreif zu sein; nämlich am Bauch und in den Flanken finden wir das Jungtierfell, das seit rund zwei bis drei Monaten ohne Verfärbung geblieben ist und weiterhin fest sitzt. Vom Rücken her hat das Wachstum des „Hochzeitskleides“ die Seiten und Keulen erreicht, die Deckhaare der Keule weisen häufig eine andere meistens blassere Farbe auf; eine Reifelinie ist nicht zu erkennen; auch diese Haare sitzen fest. Durch einen zwischenzeitlich erfolgten Kälteeinbruch wurde zusätzlich ein neues Haarwachstum auf dem Rücken ausgelöst, das so schnell die Decke erfasst, neu ausgefärbt, aber den Bereich der Umhaarung des „Hochzeitskleides“ nicht erreicht, sondern aufhört, ohne ebenfalls eine Reifelinie zu hinterlassen. Mögliche Gründe werden wir im nächsten Abschnitt erfahren.
Kehren wir zurück zum Vorgang der Reifeüberprüfung. Sofern keine deutlichen, störenden Umfärbungen, dunklen Ränder aufgrund der Umhaarungszonen, Fellbereiche anderer Farbe oder anderen Haarstands mehr deutlich zu sehen sind und jene positive Erscheinungen vorliegen, die bei der Bedeutung der Fellreife beschrieben wurden, beginnt die eigentliche Überprüfung.
Wir können dabei von folgendem Faktum ausgehen: Die Fellreifung oder die neue Umreife beginnt beim Kaninchen nach dem sechsten Lebensmonat immer auf den Schultern oder auf dem Rücken in Höhe der Schultern. Das ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil eine neue Haarung – leider – beginnen kann, bevor die davor abgeschlossen ist. Wir hörten eben schon davon bei dem acht Monate alten Tier.
1. Ich blase oder puste grundsätzlich zuerst im Bereich der Schultern und auf dem Rücken gegen den Haarstrich. Bei einigen Rassen, z. B. bei den Hasen-Kaninchen, sehe ich manchmal schon ohne diese Tätigkeit an diesen Stellen deutlich dunklere Flecken.
Das Blasen ist nicht durch ein Streichen mit der Hand, wie es die Preisrichter bei der Bewertung tun, zu ersetzen, weil
a) die dichte Unterwolle, die die Qualität der guten Kürschnerkanin ausmacht und nach neueren Forschungsergebnissen stärker als vererbtes Merkmal als durch niedrige Temperaturen verursacht angesehen werden muss, die Haut nicht gut genug zeigt,
b) die Haut an „kritischen“ Stellen des Körpers Zentimeter für Zentimeter genau zu sehen sein muss.
2. Ich puste dann, vom Becken beginnend, zum Nacken, streifenweise auf den Keulen, an den Flanken, seitlich auf den Schultern in der Höhe der Oberarmknochen, am Hals, zuletzt am Rumpf, über der Blume und von der Ferse an den Hinterläufen im Bereich der Kniekehlen sowie auf dem Knie, natürlich immer gegen den Haarstrich.
Beim reifen Fell sehe ich eine weißgraue Haut, einen Kreis einheitlich reiner Unterfarbe und natürlich bei Tieren mit farblicher Dreiteilung des Deckhaares keinen zweiten Farbkegel. Die Hautfarbe und die reine Unterfarbe treffen auch für ganz schwarze Tiere, z. B. die Schwärzlinge der Englischen Schecken, zu. Nur für rein weiße Kaninchen bringt diese Überprüfung nichts, hier verfüge ich leider auch nicht über genügend Erfahrungen.
Bei Überreife ist das Fell im Allgemeinen noch zu verwenden, solange das Haar keine Verfärbungen, sogenannten Rost, meistens in der Form von Flecken, aufweist. Die geringe Überreife zeigt sich zuerst in der Unterwolle. Die Haut ist noch weißgrau. Bei meinen beiden Rassen mit blauer Unterfarbe hellt der Blauton auf. Die Unterwollhaare scheinen vom Haarboden an wellig und leicht silbrig zu sein. Eine wirkliche Haarung, also das Lösen der Haarzwiebel aus der inneren Wurzelscheide, ist noch nicht oder nur ganz gering feststellbar. Eventuell kann die Elastizität des Felles, das Zurückspringen der Haare beim Streichen gegen ihre Wuchsrichtung, verringert sein. Das bedarf aber noch weiterer Beobachtung und Prüfung.
An jenen Stellen, wo das alte Haar aus der Wurzelscheide ausgestoßen wurde, zeigen sich dunkle Stellen in der Fellhaut. Hier ist also die Farbe des neuen Haarkegels schon äußerlich zu sehen, ebenso wie auf der Lederseite beim abgezogenen Kaninchen.
5.4 Der optimale Zeitpunkt zur Ernte reifer Felle
Wenn wir uns den Vorgang der Fellentwicklung noch einmal vergegenwärtigen, ergibt sich zwangsläufig eine Differenzierung für den optimalen Zeitpunkt der Fellreife nach dem Alter der Kaninchen:
5.4.1 Jungtiere bis zum Abschluss des „Jugendfells“
Beim Kaninchen bis zum Abschluss des Jugendfells im Alter von sechs bis sieben Monaten folgt eine Entwicklungsstufe der anderen, ohne dass die Jahreszeiten und das Klima eine Rolle spielen. Solange die Temperaturen nicht zu sehr variieren, erlangen nach meinen Beobachtungen alle Kaninchen ein voll reifes Jugendfell. Dieses Ergebnis wird von Dorn bestätigt. 18 Ich habe schon viele Tiere fellreif in diesem Alter geschlachtet und meine ersten drei Castor-Rexe vom Juni 1980 im Dezember 1980 in voller Fellreife erworben.
Leider ist aber auf das mitteleuropäische Klima im Herbst und bis in den Januar wenig Verlass. Deshalb ist es für die Zucht von Pelzkaninchen sinnvoll, die Häsinnen zwischen August und Oktober werfen zu lassen. Erfahrungsgemäß sind die Jugendfelle, die zwischen März und Mai anfallen, optimal reif.
Ich muss allerdings zugeben, dass Kaninchen im Alter von sechs bis sieben Monaten nicht ausgewachsen sind und deshalb logischerweise kleinere und dünnere Felle haben als im Hochzeitskleid rund zwei Monate später.
5.4.2 Tiere mit dem vollen „Hochzeitskleid“
Das Fell des „Hochzeitskleides“ ist zweifellos besser, weil es größer ist und ein stärkeres Leder hat. Aber wenn der Züchter das Tier im Alter von acht bis zehn Monaten schlachten möchte, geht er das Risiko ein, dass die Häsinnen bei der ersten Geschlechtsreife oder nach einer Ausstellung hitzig werden und rupfen. Leider reißen sie dann häufig nach jeweils drei Wochen wieder ihr Haar aus, und man braucht auf das Fell nicht mehr zu warten. Folglich war der Zweck der längeren Haltung verfehlt. Die Verhaltens- weise des Rupfens scheint nach meinen Beobachtungen vererbt zu werden.
5.4.3 Alttiere über acht Monate
Beim Alttier über acht Monate kann man die gewünschte Fellreife erwarten, wenn man jene Hinweise aus dem Kapitel über die Bedeutung der Fellreife beachtet und die Überprüfung des Reifungsvorganges exakt vornimmt.
Kaninchen über ein Jahr sind eigentlich erst ab Ende Januar bis ungefähr zum März fellreif.
5.5 Die Dauer der Fellreife und Schlussfolgerungen
Die Dauer der Fellreife ist zu den jeweiligen Entwicklungsstadien beim Jungtier anscheinend unterschiedlich lang oder tritt gar nicht ein. Sie ist abhängig von der Rasse, der Vererbung, der Jahreszeit und dem Klima. Eine wirkliche Fellreife kann wahrscheinlich frühestens mit Abschluss des Jugendfells erreicht werden.
Die Züchtung mit dem Ziel des Pelzens im Jugendfell ist jedoch zweifellos mit dem bisherigen Ausstellungswesen der Vereine im Herbst und Winter nicht vereinbar.
Ich erinnere mich gut an eine Häsin im Alter von etwa acht Monaten. Wir haben ihre Fellreife am 23. Dezember 1980 überprüft mit der beschriebenen Methode, das Tier stand kurz vor der vollen Reife. Aufgrund meiner Kenntnisse von den Chinchilla lanigera hielt ich eine Woche für die richtige Dauer, damit sie bei gleichbleibendem Klima reif werden müsste. Die Temperaturen schlugen um, aber nicht bedeutend. Als wir dasselbe Tier am 30. Dezember 1980 wieder vornahmen, war die gesamte Rückenhaut in einer Breite von ca. 6 cm schwarz, und die Deckhaare flogen bei jedem Darüberstreichen. Ich habe diese Häsin dann Ende März endlich fellreif schlachten können, also mit elfeinhalb Monaten.
Die Fellreife der Alttiere dauert meistens länger, weil sie weniger stark klimaabhängig bzw. Temperaturschwankungen unterworfen zu sein scheint. Sie kann, wie einmal bei meinem Castor- Rex-Rammler verfolgt wurde, acht Wochen anhalten, und das ohne jede Maßnahme unsererseits. Es muss aber auch bedacht werden, dass ein Pelzmantel oder eine Pelzjacke aus Kanin aus einer Anzahl von mehr als zwanzig Kürschner-Kanin besteht. Wenn das Winterfelle von erwachsenen Rammlern sind, wird dieses Fertigstück vielen Frauen zu schwergewichtig.
Aus diesem Grunde sind manchmal auch Jungtierfelle guter Qualität besser geeignet.
6. Faktoren, die den Reifungsvorgang beeinflussen
Über jene Faktoren, die das Reifen eines Felles beeinflussen, ist in der Fachliteratur viel geschrieben worden. Hier liegen zwar viele gezielten Beobachtungen vor, aber wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse sind nicht zu finden oder mir nicht zugänglich gewesen.
Die Faktoren können, nach verschiedenen Aspekten gruppiert, zusammengestellt werden. Aus Gründen der günstigsten Darstellung habe ich mich für das folgende entschieden.
Wir stellen fest, dass die meisten Faktoren unter dem Oberbegriff „Umwelt“ zusammengefasst werden können. Fast ebenso viele können aber als im „Einflussbereich des Züchters liegend“ bezeichnet werden.
Es läge nun im Interesse des Pelzkaninchen-Züchters, a) jene Rassen zu wählen, die als gute Pelzträger bekannt sind,
b) nur mit den Stämmen seiner gewählten Rasse zu züchten, die anlagemäßig die Qualität des schnellen und vollständigen Durchhaarens nachgewiesen haben19. Das erfordert natürlich beim Kauf neuer Tiere Zufallsglück. Die Kenntnisse über die Fellreifung im jeweiligen Lebensalter des Kaninchens sind erfahrbar, in der Literatur teilweise nachlesbar, in den Kapiteln dieses Aufsatzes aus der Sicht eines Züchters niedergeschrieben worden.
Der Witterung auszuweichen, ist nur – meistens unvollständig – in Verbindung mit der Schaffung des richtigen Stallklimas in Innenställen möglich. Wie aus der Schulung über die Stallhygiene bekannt ist, brauchen Kaninchen viel Frischluft. Nach Angaben eines Informationsblattes der „Deutsche Kraftfutter GmbH“ soll die Luftumwälzung pro kg Lebendgewicht und Stunde im Sommer 8 cbm, im Winter 5 Kubikmeter betragen 20. Das ist in Innenställen nur mit Hilfe von Ventilatoren möglich.
Über die richtige Fütterung während des Haarwechsels und nach Beendigung der Herbsthaarung liegen Vermutungen aufgrund von Forschungsergebnissen für die Angorakaninchenzucht vor. Danach regt eiweißreiches Futter mit schwefelhaltigen Aminosäuren und Methionin nachweislich die Neubildung von Haarfollikeln an. Um die Fellreife über längere Zeit halten zu können, muss das Futter dann auf eiweißarme Kost umgestellt werden.
Bei den abgezogenen Kaninchenfellen fällt auf, dass die Tiere anscheinend dort nicht reif geworden sind, wo sie einen guten Fettansatz auf dem Unterhautgewebe zeigen, zum Beispiel am Hals, sofern sie eine Wamme trugen, ferner im Bereich der Schoßpartie und am Oberarmgelenk.
Diese Tatsache könnte dadurch erklärt werden, dass die Haut aufgrund des Fettgewebes nicht so gut durchblutet wird. Auch hier sind weitere genaue Beobachtungen aber noch notwendig.
Über die Pflegemaßnahmen, während der Haarung wurde schon beim Schulungsthema „Stallhygiene und Tierpflege“ referiert. Für die Chinchilla lanigera wird behauptet, man könne sie vor Ausstellungen fellreif kämmen, wenn auch dann etwas Felldichte verloren gehe. Dem Kaninchen kann der Züchter durch Bürsten helfen, das abgestorbene, lose Haar schneller loszuwerden und die Fellhaut aufgrund der gleichzeitigen Massage zur Neubildung des Haares anzuregen.
Hormonstörungen können in der Erbanlage verankert sein, werden aber durch den Einsatz der Häsinnen zur Zucht während der Haarungszeit möglicherweise verursacht. Aus diesem Grunde haben sie im Schema ihren Ort zwischen den beiden anderen Faktoren erhalten.
7. Zusammenfassung Wir haben die wirtschaftliche Bedeutung der Kaninchenfelle herausgestellt und gezeigt, dass auch noch im Jahre 1981 die Frauengruppen im ZDK, Kürschnerkanin von über einer Million Mark Wert naturell verarbeitet haben. Die Fellentwicklung beim Kaninchen vom Fötus bis zum Alter von etwa sechs Monaten wurde als klimaunabhängiger Entwicklungsgang, der Reifungsvorgang für die älteren Tiere als nach Gesetzmäßigkeiten verlaufend beschrieben. Das sogenannte Hochzeitskleid im Alter von ungefähr acht Monaten an bildet eine Ausnahme, wie aufgrund gezielter Beobachtungen nachgewiesen werden konnte. Der Haarungsvorgang, seine Dauer und mögliche Störungen durch den Eingriff des Züchters in den Hormonhaushalt der Häsinnen werden als wesentliche Kenntnisse ausführlich beschrieben. Die Fellreife wird als notwendiges Merkmal für die Qualität alles naturellen Pelzwerks begründet. Ein Verfahren zum Erkennen der Fellreife am lebenden Tier wird so beschrieben, wie es aus der Pelztierzucht mit Chinchillas abgeleitet werden kann. Der richtige Zeitpunkt für die Ernte reifer Kanin, die Dauer der Fellreife – jeweils für verschiedene Altersstufen- und Faktoren, die den Reifungsvorgang beeinflussen, werden dem Pelzkaninzüchter zum Schluss aufgezeigt.
Verzeichnis der Anmerkungen
1 vgl. Koetter, am angegebenen Ort (= a. a. O.) im Literaturverzeichnis, S. 97 und Dorn, a. a. O., Seite 60
2 vgl. Dorn, a. a. O., Seite 14 ff., S. 53 ff., S. 60 ff.
3 im Jahre 1979 Nr. 5/S. 13: Appell an die Züchter: Werft keine Felle weg; Nr. 17/15: Klimatische Einflüsse auf das Fell der Kaninchen; Nr. 20/2: Fellqualität und Erbanlagen; Nr. 21/10: Die Haarung der Kaninchen; im Jahre 1980 nichts im Jahre 1981 Nr. 1/2: Haarung und Umweltfaktoren; Nr. 3/4: Rostflecken im Kaninchenfell; Nr. 13/13: Fell und Haut beim Rassekaninchen; Nr. 23/14: Einwirkung äußerer Faktoren auf Tier und Fell; Nr. 24/18: Erbanlagen und Fellbeschaffenheit im Jahre 1982 Nr. 18/13: Scholz, RN 56: Das Fell unserer Kaninchen; Nr. 18/15: U. Reber: Vom Haarwechsel unserer Kaninchen; Nr. 23/2: Die Sache mit der Haarung; außer den beiden genannten Verfassern alle anderen Artikel ohne genaue Namensnennung, nur Kurzzeichen
4 vgl. Dorn, a. a. O., S. 16
5 in Lehrschrift, Ausgabe 7, a. a. O., S. 28 f.
6 in Lehrschrift, Ausgabe 40, a. a. O., S. 2
7 in Lehrschrift, Ausgabe 40, a. a. 0., S. 20
8 Es liegen die Listen vor von
1. Rudolf Karger, Fellhandlung, 3163 Sehnde 7 (Jan. 1981)
2. Wolfgang Schmidt, Pelzveredlung und Blenderei, 6452 Hainburg (vom Januar 1978)
9 vgl. Koetter, a. a. O., S. 95
10 vgl. Koetter, a. a. O., S. 96
11 vgl. Dorn, a. a. O., S. 33
12 vgl. Koetter, a. a. O., S. 97 f.
13 vgl. Dorn, S. 60
14 vgl. Dorn, S. 62
15 vgl. Dvořák, a. a. O., S. 18
16 Joh. Wolf, a. a. 0., S. 77 f.
17 vgl. Dorn, a. a. O., S. 53 und DKZ 1979 Nr. 20/S. 2
18 vgl. Dorn, a. a. O., S. 18
19 vgl. Koetter, a. a. O., S. 100
20 vgl. Informationsschrift der deuka, a. a. O., S. 19
21 vgl. Koetter, a. a. O., S. 99 f.
Literaturverzeichnis
1. Kaninchenzucht Kaninchenmast. Informationsbroschüre der „deuka“ Deutsche Kraftfutter GmbH, B. J. Stolp. Düsseldorf, Worms, Höltinghausen, Regensburg, Bramsche. Ohne Verfasser, ohne Jahresangabe
2. Deutscher Kleintierzüchter. Offizielles Organ des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter. Ausgabe Kaninchen. Verlagsort Reutlingen
3. Dorn, Dr. med. vet. Friedrich Karl, Rassekaninchenzucht. Neumann- Neudamm. Mesungen, Berlin, Basel, Wien, 4. Aufl. 1981
4. Dvořák, Ladislav, Kaninchenhaltung – Kaninchenzucht. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin 1975
5. Koetter, Ursula, Das Fell des Kaninchens. In: Das Blaue Kaninchen- Jahrbuch 1981. Deutscher Kleintier-Züchter, Reutlingen. Seite 83-101
6. Wolf, Johannes, Chinchillazüchter-Praktikum. Roland. München, 2. Aufl. 1966
7. Lehrschrift für Kaninchenzüchtervereine. Herausgeber: Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter e. V. 97











