Von Ulrich Reber „Das Blaue Jahrbuch“ 1996

Die Haltung der Kaninchen im Winter stellt an den Züchter einen ganzen Katalog spezieller Anforderungen. Bestimmt wird dabei in unseren Breiten das Leben vom Sinken der Außentemperaturen und von der Winterfeuchtigkeit.

Das Klima

Beginnen wir mit dem Klima. Der Winter zeichnete sich in früheren Jahren durch Kälte aus. Das hat sich für unser Gebiet gründlich geändert. Es ist zwar kühl und auch kalt, aber allgemein ist der Winter infolge der großen Klimaänderungen zu einer nassen Jahreszeit geworden: Während es kaum noch richtig kalt wird, kann oft regnerisches Wetter mit wochenlang bedecktem Himmel herrschen. Selbst das Kontinentalklima im östlichen Deutschland zeigt diese Tendenz. Das hat für die Kaninchenhaltung weitreichende Folgen: Das Wildkaninchen ist ursprünglich ein Tier der trockenen iberischen Halbinsel. Daher liebt das Kaninchen die Trockenheit und ist in der Lage, selbst vertrocknetes Gras noch aufschließen zu können. Das gelingt ihm wegen der langen Passage der Nahrung im Verdauungstrakt.

Den Stall für den Winter richten

Doch bleiben wir weiter beim Klima: Es ist hier von größter Bedeutung, ob wir eine Außen- oder Innenstallanlage besitzen. Beide haben Vor- und Nachteile, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll. Aber zweifellos bekommen Kaninchen in Außenanlagen die klimatischen Einflüsse ungleich stärker zu spüren als Tiere in Innenställen. Wichtig ist, dass die Kaninchen im Stall trocken sitzen: Es darf also weder Schnee noch Regen in die Buchten gelangen. Rechtzeitig im Herbst ist dafür zu sorgen, dass bauliche Mängel am Stall beseitigt werden.

Kaninchen vertragen Kälte besser als Hitze. Aber auch die trockene Kälte kann bei tiefen Minusgraden den Tieren zu schaffen machen. Mit Säcken kann man ein wenig eisige Kälte von den Buchten abhalten und wehende, beißende Winde mindern. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass sich kein Kondenswasser bildet. Daher sind solche Bespannungen nicht unmittelbar vor den Buchten zu befestigen, sondern in einigem Abstand. Ungeeignet hierfür sind auch dichtere Materialien wie etwa Plastikplanen. Bei sehr niedrigen Temperaturen merkt der Züchter erst, wie zweckmäßig seine Anlage ist: So müssen Kotkästen, Urinablauf oder Wärme von unten her auch bei tiefen Graden noch funktionieren. Es kommt also wesentlich darauf an, eine solche Anlage zu besitzen, die allen Witterungseinflüssen gewachsen ist. Besonders dann, wenn extreme Temperatureinflüsse herrschen, müssen die Kaninchen behütet in ihren Behausungen sitzen. Dabei spielt es schon eine Rolle, ob ein Tier in einer unteren oder oberen Etage sitzt.

Fütterung im Winter

Wichtig ist auch die Anpassung der Fütterung im Winter: Proteine bauen den Tierkörper auf und tragen dazu bei, alle Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Sie können allerdings nicht gespeichert werden. Kohlehydrate sind Energiespender, teilweise auch speicherbar in Form von Körperfett. Kleine und sehr kleine Rassen haben einen bis zu 20 Prozent höheren Energiebedarf je Kilo Körpergewicht als große Rassen, weil ihre Körperoberfläche im Verhältnis zu jener der Großrassen größer ist. Fette sind Energielieferanten und Energiespeicher für den Körper. Unter der Haut deponiert, sorgen sie für eine bessere Isolation. Außerdem wird die Schmackhaftigkeit des Fleisches durch eingelagertes Fett verbessert. Für die Verdauung sind Rohfasern wichtig, die meistens als Heu und Stroh ausreichend zugeführt werden, Mineralstoffe sind für den Aufbau des Skeletts und für den Stoffwechsel von Bedeutung. Andere Wirkstoffe sind Spurenelemente und Vitamine. Zu den sogenannten Zusatzstoffen zählen etwa Kokzidiostatika, die mit dem Fertigfutter verabreicht werden können.

Wichtige Tränke

Von ganz besonderer Bedeutung ist auch im Winter das Wasser, das zu den Bau- und Funktionsstoffen im Körper gehört. Mit Kot, Urin und Atemluft wird ständig Feuchtigkeit vom Tier abgegeben, die ersetzt werden muss. Wasser enthalten die Zellen des Körpers, das Blut oder die Verdauungsorgane. Es ist einmal Lösungsmittel für die Nahrung, zum andern dient es auch als Transportmittel im Körper selbst. Auch kann man die Wasserversorgung nicht vom Füttern trennen: Beides bildet eine Einheit.

Die Menge des verfütterten Grün- und Saftfutters ist im Winter gering. Auch verlieren Wurzel- und Hackfrüchte durch das Einlagern immer mehr Wassergehalt. Heu enthält nur rund 15% Wasser, während das Blattgrün im Sommer mit rund 80-90% aufwartet.

Wir haben zwar heute im Winter oft wochenlang mildes, frühlingshaftes Wetter. Andererseits können über Nacht die Temperaturen tief absinken. Dann bleibt es einige Tage manchmal sehr kalt. Dann muss man das Wasser in Näpfen reichen, in denen die Tiere es als Eis lecken können. Oder man füllt die Tränkflaschen mit lauwarmem Wasser während der Fütterung auf. Danach werden die Flaschen vielleicht noch 10 oder 15 Minuten – je nach Frostgraden vor den Buchten belassen. Dann gießt man die Flaschen aus und reinigt sie sogleich dabei. Entleert werden sie aufbewahrt und bei der nächsten Tagesfütterung wieder aufgefüllt und dieselbe Zeit vor den Buchten aufgehängt.

Anschließend wird das Trinkwasser entleert. Die Flaschen stehen dann bis zur nächsten Fütterung wieder leer da. Die Kaninchen gewöhnen sich ohne weiteres daran, ihren Wasserbedarf zu decken, solange noch die Tränken vorhängen. Es ist wichtig, dass man kontrolliert, ob auch alle Trinkflaschen benutzt werden können. Das heißt, die Nippel müssen auch bei großer Kälte funktionstüchtig bleiben. Andernfalls tauscht man sofort die Flasche aus, weil es für die Tiere lebenswichtig ist, trinken zu können.

Auch muss die Futtermenge erhöht werden, weil die Tiere jetzt einen erhöhten Energiebedarf haben, um die Körpertemperatur halten zu können.

Bedarfsgerecht füttern

Ausstellungs- und Zuchttiere bedürfen einer besonderen Fütterung. Gewöhnlich besitzt man zu Anbruch der Winterszeit nur noch zwei Gruppen von Kaninchen, nämlich die Zucht- und die Ausstellungstiere. Während die Zuchttiere zu Winteranfang nur noch ein sogenanntes Erhaltungsfutter bekommen, müssen sie später in Zuchtkondition gebracht werden. Die Ausstellungskaninchen, also jene Tiere, die wir auf den Schauen im züchterischen Wettbewerb vorstellen wollen, müssen zwar ein hochwertiges Futter erhalten, dürfen jedoch nicht verfetten. Sie bleiben gewissermaßen in Hochform, bis die letzte Ausstellung, deren Besuch für sie vorgesehen ist, vorüber ist.

Der tägliche Futterbedarf eines Kaninchens ist abhängig von Alter und Größe eines Tieres sowie vom augenblicklichen Leistungsstand. Kaninchen in der Zuchtruhe bedürfen nur eines Erhaltungsfutters: Das sorgt für Körperwärme und deckt den recht geringen Eiweißverbrauch. Um sein Körpergewicht während der Zuchtruhe zu halten, sollte bei Erhaltungsfutter das Eiweiß-Stärke-Verhältnis etwa 1:10 betragen. Leistungstiere, in diesem Falle die Schaukaninchen, benötigen mehr Eiweiß. Bei ihnen kommt es auf standardmäßiges Gewicht an, sowie auf glänzendes, ausgehaartes Fell als Träger der wichtigen Farbe. Das Zuchttier geht ausgeruht in die Zuchtphase, wird erst kurz zuvor in Hochkondition gebracht (Flushing-Effekt). Zurückkehrende Ausstellungskaninchen sollten aus guten Gründen erst einmal in Quarantäne, bevor sie in den Zuchteinsatz gelangen.

Natürlich hat auch die Temperatur Einfluss auf die Fütterung: Bei tiefen Temperaturen müssen wir mehr und energiereicher füttern, bei mildem Wetter können wir Menge und Energiegehalt des Futters senken.

Rasseabhängiger Zuchtbeginn

Nun hat jede Kaninchenrasse eine unterschiedlich lange Entwicklungszeit vom Jungtier zum ausstellungsfähigen Kaninchen. Die früheren Ausstellungstermine im Herbst beeinflussen also direkt den Zuchtbeginn. Vor allem die größeren Rassen benötigen etwas länger zum Heranwachsen. Deshalb variiert für den einzelnen Züchter der Beginn des Zuchteinsatzes: Bei manchen Rassen liegen die Wurftermine schon sehr früh im Jahr, also im tiefen Winter. Die Zuchttiere sind früh in Zuchtkondition zu bringen. Einige Wochen vor den Paarungen muss also eiweißreicher gefüttert werden. Mit Gaben von Fertigfutter ist dies leicht zu erreichen, oder man gibt den Tieren zu stärkereichen Futtermitteln, etwa Getreide, auch noch proteinreiches Sojaschrot hinzu. Es gibt heute natürlich auch Fertigfuttermischungen, die die Hersteller bereits als „Zuchtfutter“ deklarieren.

Zuchtkaninchen sollen selbstverständlich vollkommen gesund in die Zucht genommen werden. Schon geringste Krankheiten oder Degenerationserscheinungen könnten bewirken, dass Zucht und Aufzucht Probleme bereitet. Dann geht aber kostbare Zeit verloren, die nicht mehr aufzuholen ist. Denn spätere Würfe können zumindest bei großen Rassen das nicht mehr wettmachen. Kränkelnde Alttiere können niemals gesunde, frohwüchsige Jungkaninchen hervorbringen. Schon im frühesten Stadium des Aufwachsens sind solche Jungtiere mit Krankheitskeimen behaftet, fallen im Wuchs zurück. Außerdem werden kranke oder schwächliche Häsinnen kaum die Milchmenge produzieren, die für eine ordentliche Jungtieraufzucht erforderlich ist.

Zu den Zuchtvorbereitungen gehört natürlich auch das Herrichten der Aufzuchtbuchten und das Desinfizieren der Buchten und Nistkästen. Vor den Paarungen sollte der gewissenhafte Züchter in seinen Zuchtunterlagen längst festgeschrieben haben, welche Zuchttiere zusammenpassen. Dazu benötigt man über ein jedes Tier Notizen, die über seine Stärken und Schwächen Auskunft geben. Besondere Beachtung verdient die Vitalität hierbei.

Futtervorräte anlegen

Es ist vorteilhaft, im Herbst Grundfutter einzulagern, wie Heu, Hack- und Wurzelfrüchte. Letztere kann man auch als „Saftfutter“ bezeichnen. Im Herbst gibt es gutes Futter in großer Menge und preiswert ab Feld zu kaufen. Man sollte durch sachgemäße Lagerung verhindern, dass das Futter bei stärkeren Frösten gefriert. Denn gefrorenes Futter kann zu Verdauungsstörungen führen. Zweige vom Obstbaumschnitt, die im Herbst in Massen anfallen und wertvolle Zusatznahrung in Knospenanlagen und Rinden dar stellt und zudem dem Nagetrieb Genugtuung gibt, kann man ebenfalls einlagern und nach Bedarf füttern.

Die Qualität von Heu richtet sich nach dem Schnittzeitpunkt, dem Lageralter, der Zusammensetzung der Vegetation der Wiese, auf der es geerntet wurde, nach der Art der Trocknung oder nach den Witterungsbedingungen, die zur Erntezeit herrschten. Wenn der Boden als Standort bestimmte Stoffe nicht beinhaltet, so kann die Pflanze diese natürlich auch nicht einbauen, wenn sie aufwächst. Das betrifft besonders das Kalzium auf Sauerwiesen. Beim Heu geht durch einen verspäteten Schnitt der Eiweißgehalt um bis zu einem Viertel zurück, der Energiegehalt etwa um 15 Prozentanteile!

Zeit der Ausstellungen

Die Winterszeit ist „Erntezeit“ für den Züchter. Man fährt nicht nur selbst als interessierter Kaninchenfreund zu vielen Ausstellungen, um dort Tiere zu sehen, Züchter zu treffen oder Neuheiten der Fachfirmen studieren zu können. Vielmehr können wir das Zuchtniveau vergleichen, uns selbst weiterbilden, Fachliteratur kennenlernen, Erfahrungen und Ergebnisse austauschen, uns nicht zuletzt in Geselligkeit üben. Selbstverständlich wird man als Züchter auch die eigenen Tiere vorstellen und sie im Wettbewerb mit den Kaninchen anderer Züchter vergleichen.

Kommen die Ausstellungskaninchen aber nach Hause zurück, sind sie unbedingt in Quarantäne zu setzen. Denn die Tiere könnten sich immerhin mit krankmachenden Keimen infiziert haben. Würde man diese Schautiere sogleich zum Bestand setzen, ist das Risiko groß, dass man den eigenen Bestand ansteckt.

Die vorgesehenen Schautiere müssen lange vor den Ausstellungen besonders gepflegt und sauber gehalten werden. Ausstellungskaninchen sollten keine Scheu vor dem Menschen zeigen. Durch häufige Beschäftigung, Streicheln und Herausnehmen aus dem Käfig bekommt man die Kaninchen zahm. Das ist eine typische Beschäftigung im Winter. Sie macht Spaß und Freude, weil man außerhalb der betriebsamen Zucht- und Aufzuchtszeit endlich Muße hat, sich mit den Tieren so intensiv zu beschäftigen.

Schädlinge bekämpfen

Die Einlagerung von Futtermitteln muss nicht nur fachgerecht vorgenommen werden. Vielmehr ist das gelagerte Futter auch vor Mäusen und Ratten zu schützen, denn ungezählte Scharen von Na- gern ziehen jetzt zu den menschlichen Behausungen hin. Der Züchter muss wissen, dass seine Stallanlage eine regelrechte „Burg“ für diese Nager bildet.

Entzieht man nun ganz einfach den Nagern die „Nahrungsgrundlage“, so können auch sie nicht überleben. Das heißt: Sind die Futtermittel des Züchters unzugänglich aufbewahrt, müssen die Nager abwandern wollen sie nicht verhungern. Außerdem sollte man die Nager ständig bekämpfen, denn wenn sie ans Kaninchenfutter gelangen, so fressen sie nicht nur davon, sondern sie geben auch Kot und Urin ins Futter ab und kontaminieren es mit krankmachenden Keimen.

Über das eingelagerte Heu gibt man immer einige Hände Salz pro Lage: Schadnager suchen im Heu nach Samen, die sie verzehren. Außerdem können sie sich im Heu bergen und verstecken, Nester anlegen und ungestört ihren Nachwuchs aufziehen. Durch das Salz werden sie daran gehindert, außerdem wird gesalzenes Heu nicht schimmelig und auch die einzelnen Nährstoffe werden besser konserviert.

Langfinger unterwegs

Eine dumme Geschichte gibt es noch für den Winter zu erwähnen. Das sind jene Zweibeiner, die dort gerne ernten möchten, wo sie nicht gesät haben. Gerade zu jener Zeit sind etliche hohe Festtage, an denen Kaninchenbraten besonders gut mundet…

Gefährdet sind da vor allem Außenanlagen. Wir müssen diese unbedingt so sichern, daß keine vierbeinigen Räuber an die Tiere können. Leider müssen wir die Anlagen noch mehr vor Dieben schützen. Wir müssen von den Tatsachen ausgehen. Grundsätzlich kann man sich an die Polizei mit der Bitte um Rat wenden. Diese hat Spezialisten, die einem detailgenaue Auskünfte über alle möglichen Sicherungsmaßnahmen geben können. Der Einfachheit halber seien jedoch zwei Dinge genannt: Ein Dieb will lange Aufenthalte und Krach vermeiden. Er kommt, schlägt zu und wendet sich mit seiner Beute wieder ab. Hielte er sich lange bei der Anlage auf, würde er Radau veranstalten, so hätte man ihn alsbald am Kragen. Infolgedessen haben sich einfache, aber wirkungsvolle mechanische Sicherungen gut bewährt. Natürlich kommt ein solcher Bursche mit Zeit und Aufwand schlussendlich doch überall hinein nur ist es eine Frage von eben Zeit und Geräten! Der Schaden, den ein solcher Strolch anrichtet, ist unter Umständen ungeheuer. Denn wie schon mehrmals erwähnt – besitzt man im Winter ausschließlich wertvolle Zucht- und Ausstellungskaninchen. Dem Dieb ist das gleich: Beide schmecken nämlich gleich gut. Bei längeren Anmarschwegen zur Zuchtanlage ist bereits im Spätjahr zu überlegen, ob man nicht Anlage und Weg dorthin elektrisch ausleuchten kann. Das gibt – zumal bei kurzem Tageslicht und häufigem Füttern in Dunkelheit – dem Züchter viel mehr Sicherheit.

Bei Schnee und Eis versäume man nicht, rechtzeitig zu räumen. Denn das Liegen im Krankenhaus, die Selbstvorwürfe hinterher sind durch ein wenig Vorausschau leicht zu vermeiden. Fiele man selbst einmal durch solch einen Unfall aus, hat man nicht nur den persönlichen Schaden zu tragen. Vielmehr müssen die Tiere durch Hilfspersonen versorgt werden. Das aber ist im Winter wie wir gesehen haben keineswegs immer so einfach. Und die Ausstellungssaison fiele auch noch ins Wasser.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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