Von Alfred Franke, Berlin, für „Das Blaue Jahrbuch“ 1992

Unter den jetzt in den Einheitsstandard aufgenommenen Rassen aus den fünf neuen Ländern der Bundesrepublik, finden wir die Mecklenburger Schecken, eine mittelgroße Kaninchenrasse mit aufrecht getragenen Ohren und einer Zeichnung, die wir vorher nur bei den Deutschen Widdern kannten. Es ist eine sogenannte Mantelscheckung, die das Zeichnungsbild bestimmt. Unsere Züchterfreunde aus Mecklenburg weisen voller Stolz auf ihre Rasse hin, die aber auch in den anderen Landesverbänden bei den Züchtern sehr beliebt ist.

Mecklenburger Schecken sind frohwüchsig und widerstandsfähig. Sie bringen große Würfe, und ihre Zucht ist auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnend.

Nach der ersten Veröffentlichung eines Beitrages über die Mecklenburger Schecken im DKZ, Heft 4/1991, gab es zahlreiche Anfragen nach Bezugsmöglichkeiten auch aus den westlichen Ländern der Bundesrepublik, und auch Züchter aus anderen europäischen Staaten haben bereits ihr Interesse bekundet und Zuchttiere erworben.

Mecklenburger Schecken sind eine Kaninchenrasse, die ein ansprechendes, schönes Zeichnungsbild besitzt und die dem Züchter zugleich wegen ihrer Spalterbigkeit viele genetische Probleme bringt.

Auf Ausstellungen wird die Bastardform gezeigt und es versteht sich von selbst, dass sich die Züchter dieser Rasse einige Grundkenntnisse über die Vererbung aneignen müssen. Wenn auch die Zucht der Mecklenburger Schecken nicht ganz einfach ist, so erlebt man doch schnell auch erste Erfolge auf den Ausstellungen. Da bereits in den ersten Tagen nach der Geburt der Jungtiere die Zeichnungsmerkmale erkennbar sind, gibt es auch gute Möglichkeiten der Selektion. Bei den Ausstellungen sind die Mecklenburger Schecken ein besonderer Blickfang und lenken das Augenmerk der Besucher auf sich.

Herkunft und Abstammung

Der Landwirt Rudolf Wulf aus Goldenbow, der im Mecklenburger Land auch wegen seiner Zuchterfolge auf dem Gebiet der Rinderzucht bekannt wurde, hatte sich schon in seiner Jugend das Ziel gestellt, eine Kaninchenrasse zu züchten, die das Zeichnungsbild der schwarzbunten Rinderrasse besitzt, die auch in Norddeutschland beheimatet ist.

Für die Zucht der neuen Kaninchenrasse wählte er neben den gescheckten Widdern die Blauen Wiener und Alaska-Kaninchen. Durch Kombinationskreuzung gelang es ihm dann auch bald, mittelschwere Kaninchen mit einer Mantelzeichnung zu züchten. Die Herauszüchtung verlief jedoch nicht ohne Rückschläge; und so musste er immer wieder neue Einkreuzungen vornehmen, bevor er die Mecklenburger Schecken erstmalig im Jahre 1980 auf einer Bezirksausstellung in Wittenberge zeigen konnte. Gleich bei dieser ersten Ausstellung präsentierte Zuchtfreund Wulf 24 gut gezeichnete Vertreter dieser Rasse.

Während der Zeit der Herauszüchtung, so berichtete Zuchtfreund Wulf, hatte er auch viele blau-weiße Mecklenburger Schecken mit oft hervorragender Zeichnung der Schlachtung zugeführt. Er wollte sich mit der Farbenvielfalt nicht verzetteln, und so entschloss er sich, nur den schwarz-weißen Farbenschlag zu züchten. So ist es zu erklären, dass bisher die blau-weißen Mecklenburger Schecken nur von wenigen Mitgliedern der Rassekaninchenzuchtvereine gezüchtet werden.

Die Mecklenburger Schecken, schwarz-weiß-gescheckt, wurden im Jahre 1981 mit den „Bewertungsbestimmungen der sozialistischen Länder" anerkannt. Sie haben auch schnell viele Interessenten gefunden und bei den Züchtern der 5 neuen Landesverbände einen guten Verbreitungsstand erreicht. Die Züchter werden dort von einer Spezialzuchtgemeinschaft (Club) betreut und fachlich angeleitet. Erst einige Jahre nach der Anerkennung des schwarz-weißen Farbenschlages kreuzte der Züchter Günter Vetter aus Bautzen, Landesverband Sachsen, schwarz-weiße Mecklenburger Schecken und Rote Neuseeländer. Er hatte sich das Ziel gestellt, rotweiße Mecklenburger Schecken zu züchten. Für dieses Vorhaben fand er schnell aktive Mitstreiter und so entstand der rot-weiß-gescheckte Farbenschlag der Mecklenburger Schecken. Die Heimat dieses Farbenschlages liegt somit im Land Sachsen. Mecklenburger Schecken des rot-weißen Farbenschlages wurden auf den Kleintier-Siegerausstellungen in Leipzig bereits von mehreren Züchtern ausgestellt und erzielten dort gute und sehr gute Prädikate. Leider gibt es aber auch für diesen Farbenschlag bislang nur eine kleine Anhängerschaft.

Gewicht, Rassetyp und Körperbau

Mecklenburger Schecken haben ein ideales Körpergewicht von über 4,5 kg. Das Maximalgewicht beträgt 5,5 kg. Die Mindestmasse (Mindestgewicht) beträgt 3,5 kg. Der Körper ist gedrungen und walzenförmig. Die Rückenlinie ist ebenmäßig und hinten gut abgerundet. Der Hals ist kurz. Kräftig und mittellang sind die Vorderläufe. Der gesamte Körperbau ähnelt dem Typ des Blauen Wieners. Die Häsinnen sind zumeist wammenfrei. Aber bei älteren Häsinnen ist eine gut geformte Wamme auch zugelassen und nicht fehlerhaft. Der Kopf ist kräftig und zur Gesamterscheinung passend. Die Stirnpartie ist breit, die aufrecht stehenden Ohren sind in der Länge zur Größe des Tieres passend. Sie sind kräftig, wirken fleischig und sind gut behaart. Die Behaarung des Felles ist ausgesprochen dicht. Das Haar ist etwa 3 cm lang und besitzt eine elastische, kräftige Begrannung.

Zeichnungsbild

Die Zeichnung der Mecklenburger Schecken entspricht dem Zeichnungsbild der gescheckten Deutschen Widder. Der Kopf zeigt überwiegend die jeweilige Zeichnungsfarbe des Farbenschlages. In der Mitte der Stirnpartie darf ein weißer Fleck auftreten. Der Stirnfleck ist ein Zeichnungsmerkmal. Die Ohren sind im Farbton der jeweiligen Zeichnungsfarbe getönt. Der Rumpf wird von der Mantelzeichnung bedeckt, wobei der Rücken von den Schultern an bis zur Blumenwurzel erfasst wird. Die Brust, die Läufe und der Bauch sind weiß.

Als leichte Fehler gelten bei der Bewertung die ungleichmäßige, nicht zusammenhängende Zeichnung, weiße Flecken in der Mantelzeichnung und der Farbe der Ohren, sowie die Durchsetzung der Zeichnungsfelder mit weißen Haaren.

Als schwere Fehler werden ein starkes Vorherrschen der weißen Farbe am Oberkörper und eine starke Durchsetzung mit weißen Haaren angesehen. Ein gänzlich einfarbiger Kopf gilt gleichfalls als schwerer Fehler.

Farben

Mecklenburger Schecken werden in den nachstehend angeführten Farben gezüchtet:

1. Schwarz-weiß-gescheckt mit der Erbformel ABCDg K/ ABCDg k. Die Zeichnungsfarbe entspricht der Farbe der Schwarzen Wiener. Die Unterfarbe ist dunkelblau, je intensiver, desto besser. Die Augenfarbe ist braun.

2. Blau-weiß-gescheckt mit der Erbformel ABCdg K/ABCdg k. Die Zeichnungsfarbe und die Unterfarbe entspricht der Blauen Wiener. Die Augenfarbe ist graublau.

3. Rot-weiß-gescheckt mit der Erbformel AbCDG y K/AbCD- Gy k. Die Zeichnungsfarbe ist wie die Farbe der Roten Neuseeländer, sattrot und mit gutem Glanz versehen. Hier dürfen die Augenringe, die Kinnbackeneinfassung und die übrigen Wildfarbigkeitsmerkmale erkennbar sein und heller getönt erscheinen. Die Augenfarbe ist braun.

Genetische Besonderheiten

Die Mecklenburger Schecken sind, wie auch alle anderen Scheckenrassen, spalterbig. Das ist auch aus den Erbformeln erkennbar. Das Buchstabenpaar K/k symbolisiert das typische Bild der Scheckung, also auch der Mantelschecke. Nur wenn bei der Verpaarung von einem Elternteil die Anlage für die Scheckung (k) und vom anderen Elternteil das Gen für Nichtscheckung (K) zusammentrifft, werden junge Kaninchen mit der Scheckenzeichnung (K/k) geboren.

Werden zwei, eventuell auf einer Ausstellung hochbewertete, typische Mantelschecken miteinander verpaart, so spalten die Nachkommen theoretisch etwa in 50% Mantelschecken, 25% einfarbige (k/k) und 25% Hellschecken oder Weißlinge (K/K) auf. Es ist also ein natürlicher Erbvorgang, wenn in Scheckenwürfen einfarbige und Weißlinge (Kaninchen mit überwiegend weißer Grundfarbe, bei Mecklenburger Schecken etwa im Farbbild schwacher Punktschecken, geboren werden. Es kommt aber auch vor, dass nur einfarbige oder nur Weißlinge geboren werden. Bei den Hellschecken dieser Rasse wurden gleichfalls Erscheinungen des Letalfaktors festgestellt. (Letalfaktor Erbanlagen, die in jedem Fall zum Tod des betreffenden Tieres vor Beginn der Fortpflanzungsfähigkeit führen). Solche Weißlinge sind deshalb für die Zucht nicht verwendbar.

Vielfach werden in der Scheckenzucht auch einfarbige Kaninchen aus den Würfen der Mecklenburger Schecken zur Zucht eingesetzt und mit typischen Mantelschecken verpaart. Eine solche Verpaarung bringt relativ gute Nachzuchtergebnisse. Hierbei ist theoretisch ein Aufspaltungsverhältnis von 50% Mantelschecken und 50% einfarbiger Nachzuchttiere zu verzeichnen. Die Möglichkeit der Verpaarung einfarbiger Tiere mit gescheckten Kaninchen wurde in den vergangenen Jahren auch genutzt, um. neue Erbmasse über Blaue Wiener, Schwarze Wiener, Alaska oder Rote Neuseeländer zuzuführen. Trotzdem sei an dieser Stelle aber auch erwähnt, dass durch solche unkontrollierten Einkreuzungen, die typischen Merkmale der Rasse nicht immer verbessert wurden. Es sollte deshalb hinsichtlich der Farben strengstens auf die Reinerbigkeit geachtet werden, um zu verhindern, dass zum Beispiel bei der Verpaarung schwarz-weißer Mecklenburger Schecken nicht auch zugleich blau-weiße Nachkommen oder einfarbige blaue Kaninchen geboren werden. Es hat sich aber zum Glück gezeigt, dass bei der Mehrzahl der vorhandenen Zuchten hinsichtlich der schwarzen Farbe die Reinerbigkeit gegeben ist.

Es lohnt sich also durchaus, es einmal mit der Zucht der Mecklenburger Schecken zu versuchen. Diese neue Rasse passt bestimmt in das Bild unserer Rassekaninchenausstellungen, und sicher werden auch in den Rassekaninchenzuchtvereinen in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Hamburg und Schleswig-Holstein bald Mecklenburger Schecken zu bewundern sein.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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