Marheinz Koch, Meppen/Ems – „Das Blaue Jahrbuch“ 1964
Es ist eine bekannte Tatsache, dass jede Tierart, von welcher wir eine Leistung erwarten, ihren Anforderungen gemäß untergebracht werden muss. Bei unseren Kaninchen ist das nicht anders. Fühlen sich die Tiere nicht wohl, so werden sie dementsprechend schlecht gedeihen. Hier kann selbst die aufmerksamste Pflege, die beste Fütterung nichts ausrichten, wenn es an der rechten Unterbringung fehlt.
Neues im Kaninchenstallbau? Ja und nein! Aber es erscheint doch wichtig, nicht sofort alle Neuerungen aufzugreifen. Es ist nämlich nicht alles Alte schlecht und gleich über Bord zu werfen, bevor das Neue ernsthaft erprobt ist und sich bewährt hat. Denn manches Neue ist gar nicht besser als das Alte. Be- fassen wir uns darum ruhig mit dem Stallbau im Allgemeinen, da leider noch sehr viele Kaninchen unsachgemäß untergebracht sind. Erst, wenn jeder Kaninchenfreund seine Tiere wirklich gut eingestallt hat, ist der entscheidende Schritt getan. Gewiss benötigen wir für unsere Kaninchen keine Luxusbauten. Diese würden die Haltung auch nur unnötig verteuern und eine Rendite in Frage stellen. Rücksicht haben wir aber darauf zu nehmen, ob wir unsere Tiere zu Zuchtzwecken oder ausschließlich zur Mast aufstallen wollen. Wesentlich ist dabei natürlich auch, ob wir irgendwo in Miete wohnen, oder ob wir Besitzer eines Gartengrundstückes sind. Als Mieter müssen wir damit rechnen, eines Tages mit Sack und Pack umziehen zu müssen. Das bedeutet, dass auch unsere Kaninchenstallungen ihren Standort wechseln müssen. Wir werden sie also von vornherein so bauen, dass wir sie leicht auseinandernehmen und abtransportieren können.
Glücklich daran ist dagegen der, welcher als Haus- und Grundstücksbesitzer seine Stallanlage gleich so erstellen kann, wie er es möchte. Er braucht keine Rücksicht auf leichte Abbaumöglichkeit zu nehmen, er kann solide und formschön bauen, er kann moderne Erkenntnisse verwirklichen. Schon aus diesen kurzen Hinweisen aber vermögen wir zu ersehen, dass uns mit einem für alle Fälle gültigen Rezept nicht gedient ist. So wollen wir auch hier versuchen, das umfang- reiche Gebiet des Wohnungsbaues für unsere Kaninchen aufzugliedern.
Licht und Luft sind ebenfalls für unsere Lieblinge von Bedeutung. Das haben wir bei der Auswahl des Platzes zu berücksichtigen. Es ist zwecklos, die Stallanlage in einer dunklen Hofecke, in einer alten Gartenbude oder ähnlichem aufzubauen. In düsteren Buchten können keine gesunden, kräftigen Tiere heranwachsen. Krankheit im Bestand nehmen uns aber sogleich jegliche Freude am Züchten, Halten oder Mästen.
Sehr häufig wird jedoch der Bau eines Kaninchenstalles an die örtlichen Gegebenheiten gebunden sein. Da heißt es dann, die beste Lösung zu finden, also den Platz zu nehmen, der für unsere Tiere die geringsten Nachteile einschließt. Wir müssen beobachtend die Gegend überprüfen. Wie fangen wir genügend, aber auch nicht zu viel Sonne ein, aus welcher Richtung weht hauptsächlich der Wind? Wir wollen ja den Stall nicht so stehen haben, dass der scharfe Wind oder auch Regen und im Winter der Schnee ungehindert in unsere Buchten kommen können. Abhärtung der Tiere ist zwar gut, doch hat alles mit Maß zu erfolgen. Zuviel Sonne ist ebenfalls von Übel. Bescheint sie am Vormittag unsere Kaninchen, so kann das von diesen dankbar genossen werden. Zudem wird aus dem Ergosterin durch Sonnenbestrahlung das Vitamin D gebildet. Es hilft die Knochenweiche bei den Jungtieren verhindern. Im Hochsommer aber wollen die Tiere ab Mittag einen schattigen Raum.
Was aber, wenn wir aus irgendwelchen Gründen die Stallanlage nicht in südöstlicher Richtung erstellen können? Nun, dann müssen uns Hilfsmaßnahmen dienen. Gedacht werden muss z. B. an einen Windschutz, eine dichte Hecke, die sowohl im heißen Sommer als auch im kalten Winter genügend Schutz bietet. Vielleicht soll auch die ganze Anlage nicht von der Straßenseite zu sehen sein, um neugierige Kinder fernzuhalten. Möglich ebenfalls, dass wir den Lichtschein vorbeifahrender Autos während der Dunkelheit von unseren Buchten abwenden müssen. Die Platzfrage kann uns schon einiges Nachdenken kosten, so auch, wenn wir vorhaben, die Ställe später zu erweitern.
Damit kämen wir zum eigentlichen Bau der Stallanlage. Hier haben wir uns zunächst über zwei Bauweisen zu unterhalten, nämlich über die Frage der Außen- und der Innenstallungen. Wie schon der Name besagt, versteht man unter einem Außen- stall einen solchen, der im Freien errichtet wird, während ein Innenstall in irgendeinem Schuppen oder sonstigem vorhandenen Raume ausgebaut wird. Allgemein gesehen, wird man der Außenstallanlage den Vorzug geben müssen. Sie ist vom gesundheitlichen Standpunkt aus besser, da die Tiere in ihr widerstandsfähiger sind, die Fellbildung günstiger vor sich geht, die Sonnenstrahlen bequem und direkt einwirken können und die Frischluftzufuhr keine Schwierigkeiten macht. Als Minuspunkte sind dagegen anzuführen: der Materialaufwand ist größer, da ein Außenstall wegen der Witterungseinflüsse stabiler gebaut werden muss; weiter besteht erhöhte Diebstahlgefahr, und durch Raubzeug kann auch leicht Schaden angerichtet werden.
Immer wieder kommt es auf die rechte Planung an. Sehr schnell kann man etwas Falsches zurechtzimmern, und mit der Kistenwirtschaft wollen wir als ordentliche Kaninchenzüchter oder -halter gar nicht erst anfangen. Entschließen wir uns für einen Außenstall, so sollten wir einen Dreietagenstall mit sechs Buchten ins Auge fassen, selbst wenn er uns im ersten Augenblick für unsere Zwecke zu groß erscheint. Sehr bald schon werden wir den Platz brauchen, wenn z. B. der zweite Wurf erscheint und die Jungtiere des ersten noch nicht abgesetzt werden konnten.

Die Größe der einzelnen Buchten richtet sich nach der zu haltenden Rasse und der späteren Arbeitsersparnis beim Reinigen.
Der Abstand der unteren Abteile vom Erdboden sollte durchweg 15-20 cm betragen. Will man nicht nur Einzeltiere halten, dann ist es besser, die Trennwände zum Herausnehmen einzurichten.
Als Baumaterial wird man gern zum Holz greifen. Zu empfehlen sind in diesem Falle gespundete Bretter, damit der Stall wirklich zugfrei wird und nicht noch mit Dachpappe benagelt zu werden braucht. Wichtig ist es, das Dach vollkommen regendicht zu machen. Man kann dazu Dachpappe verwenden, die noch zweimal geteert wird oder auch Welleternit. Nach vorn muss das Dach möglichst bis zu 1 m überstehen, damit Regen und Schnee nicht in die Buchten dringen können und man bei schlechter Witterung im Schutze des Daches die nötigen Fütterungs- und Reinigungsarbeiten vornehmen kann. Ob das Dach gerade übersteht oder als gebrochenes Pultdach ausgebildet wurde, ist unwesentlich.
Wenn wir uns vor Baubeginn eine bereits fertige Anlage ansehen können, so ist das nur vorteilhaft. Man lernt am besten aus den Fehlern, die andere gemacht haben. Bei unserem Etagenstall würden wir zunächst mit den beiden Außenwänden und der Mittelwand zu bauen anfangen. Verbinden wir diese darauf mit den Längs- und Querleisten, so haben wir damit auch die Auflage für die Stallböden geschaffen. Da der Urin von der Einstreu aufgesaugt werden soll, verzichten wir auf ein Gefälle des Stallbodens nach der Rückwand. Ein leichter Betonfußboden hat seine Vorteile, aber ein Holzboden, der mit einem guten Teerpräparat versehen wurde, ist ebenfalls lange haltbar. Wo ein Spanplattenwerk in der Nähe ist, kann man meist preiswert nicht ganz geratene Platten kaufen und diese verwenden. Auch eine Eternitplatte tut gute Dienste, ebenso ein Bodenblech.
Aus 2,4 cm starken Leisten wird der Türrahmen hergestellt, der von innen mit 5/8-zölligem Maschendrahtgeflecht bei 1 mm Drahtstärke benagelt wird. Man kann eine Tür für die drei nebeneinander liegenden Buchten nehmen oder für jedes Abteil eine besondere Tür anfertigen. Der Vorteil bei nur einer Tür liegt darin, dass an Material gespart werden kann, und für das Abschließen nur ein Vorhängeschloss je Etage erforderlich ist.
Bewährt hat sich ein 10 cm hohes Vorsatzbrett, welches senkrecht hinter der Tür in Führungsschienen läuft, so dass beim Öffnen der Tür das Herausfallen von Einstreu verhindert wird. Um alles Holz zu imprägnieren und um nach außen hin einen netten Anblick zu haben, sollte man die ganze Stallanlage entweder mit farbigem Karbolineum oder mit Ölfarbe streichen. Es wurde bereits auf die beweglichen Zwischenwände, vielleicht Pressstoffplatten von 5 mm Stärke, hingewiesen. Diese sind für den Zuchtstall eigentlich unentbehrlich. Es können nämlich bei einer Stallbreite von 2,40 m bei beweglichen Zwischenwänden rasch Buchten verschiedener Größe gebildet werden. Da für Riesenrassen als Maß für die Buchtgröße 1,20 m angegeben wurde, hätten wir je Etage gleich zwei Räume. Nun haben wir aber mehrere Möglichkeiten und können variieren. Wir können einen 2,40 m großen Stall bilden, wenn wir die eine Trennwand herausnehmen. Hat man im Winter nicht alle Ställe besetzt, so kann man in diesem größeren Abteil notfalls auch Heu lagern. Zur Zuchtzeit aber haben wir einen schönen Tummelplatz für Häsin und Jungtiere.
Benötigt man drei Buchten, so wird jede von ihnen 80 cm groß, ist damit noch für Tiere der großen Rassen ausreichend. Bei mittelgroßen Rassen lässt sich eine weitere Unterteilung vornehmen, und man hat damit je Etage vier Buchten zu je 60 cm. Ja, man kann sogar sechs Buchten zu je 40 cm erstellen. Man kann aber noch weiter kombinieren, indem man zwei Abteile von je 80 cm hat und zwei von je 40 cm Größe. Oder eine Bucht von 1,20 m, zwei Buchten zu je 60 cm und so weiter. Der Stall mit beweglichen Zwischenwänden ist damit in der Praxis unentbehrlich, und trotzdem findet man ihn kaum.
Der Unterkunftsstall im Freigehege braucht in diesem Zusammenhange wohl nicht beschrieben zu werden. Er wird immer die Ausnahme bilden. Aber wer Freude an der Bewegung seiner Kaninchen hat und ein genügend großes Gelände besitzt, wird sich natürlich für das umfriedete Freigehege einen solchen Unterkunftsstall zulegen müssen.
Züchter von Angorakaninchen werden in den Buchten von sich aus herausnehmbare Roste verwenden, die zu einem Drittel aus 5/8-zölligem Drahtgeflecht und zu zwei Dritteln aus einem Ruhebrett bestehen. Der Drahtgeflechtboden kann aber auch durchgehend sein und sollte dann mit einem quer- und längsgezogenen Drahtgitter verstärkt sein. Mit säurefestem Lack überzogen, hält das Geflecht durchweg länger als ein Lattenrostboden.
Solch ein Drahtrost lässt sich mit einer Stielbürste rasch abfegen. Unter den Rost kommt die den Urin aufsaugende und den Kot aufnehmende Torfmullschicht. So erzielen wir einen guten Dünger für den Garten, und die Tiere bleiben sauber. Wer es machen kann, sollte die unterteilte Futterraufe an der Rückwand im Stallinneren anbringen und sie auch von der Hinterseite zum Füllen einrichten. Zum Schutz muss dann natürlich das Dach nach hinten weit überstehen.
Diese Art der Raufenanbringung erscheint doch geeigneter als die an der Tür oder in der Zwischenwand. Der Tonnapf für das Kraftfutter und das Wassergefäß lassen sich dagegen gut in Türnähe befestigen. Dabei haben wir immer an arbeitssparende Möglichkeiten zu denken.
Neues im Kaninchenstallbau? Bei der Einrichtung eines vorhandenen guten Schuppens oder festen Raumes können wir schon eher moderne Fertigboxen verwenden. Da kann man an die Metallkäfige von Funki denken mit automatischer Trinkwasserzufuhr, die in Dänemark hergestellt werden. Ein Bedienungsgang von ca. 1,50 m Breite für die Fütterung der Tiere und Reinigung der Buchten ist notwendig neben dem Platz für die Käfige selbst. Wesentlich ist eine gute Isolierung von Dach und Wänden. Die Luft im Raum muss absolut frisch und trocken sein. Die Luftzufuhr soll entsprechend der Tierzahl und Größe sowie der verschiedenen Jahreszeiten regelbar sein. Also Luftumtrieb ja, aber niemals darf Zugluft dabei entstehen können.
Zum optimalen Stallklima gehört dann auch, dass die Fenster im Raume mit den Käfigen von passender Größe sind. Vorteilhaft ist es, wenn der Lichteinfall reguliert werden kann. Sachgemäß eingerichtete Innenstallungen erfordern schon erhöhte Kenntnisse und einen Mehraufwand an Geld.
Trotzdem wird man für Mastzwecke gern auf genormte Fertigställe zurückgreifen, die ebenfalls schon aus Kunststoff hergestellt werden. Natürlich müssen diese sich in der Praxis erst bewährt haben, bevor man sie allgemein empfehlen kann.
Hingewiesen werden soll auch auf den in Frankreich gern gebrauchten, patentierten Kaninchenstall „Le Gatinais", der aus mehrere Zentimeter starken Eisenzementplatten besteht, welche an einem elektrisch geschweißten Stahlrahmen befestigt sind. Die Türen in diesem Zementstall sind aus Metall, das besonders bearbeitet wurde. Der Preis für ein sechsteiliges Modell in einer Breite von 82 cm, einer Tiefe von 85 cm, bei einer Höhe von 60 cm, beläuft sich auf 283 DM. Für eine Anlage gleicher Größe mit 12 Abteilen sind 532 DM anzulegen.
Dieser Stall ist witterungsbeständig und kann aufgestellt werden. Er ist ebenso wie der dänische Drahtstall in Deutschland zu haben. Bei entsprechender Nachfrage dürften sich gewiss auch deutsche Unternehmen der Anfertigung von Drahtkäfigen für Innenstallungen widmen, wie es jetzt bereits schon mit den Batterien für Legehennen geschieht.
Wenn man sich die Sache näher anschaut, haben sich auf dem Sektor Kaninchenstallbau wesentliche Neuerungen und Verbesserungen kaum ergeben. Wohl ist das Baumaterial er- weitert worden, auch versucht man die Reinigung der Ställe zu erleichtern, die Fütterungsmethoden zu vereinfachen, die Platzverhältnisse richtig auszunutzen und den Gesundheitszustand der Tiere durch bessere Ställe zu heben, aber im Grunde wird der Kaninchenhalter weiterhin zu Holz, Säge, Hammer und Nägeln greifen und im Eigenbau, unter Verwendung erprobten moderneren Materials, die Ställe für seine Lieblinge herstellen. Das aber ist wesentlich, damit die Unterbringung in Kisten der verschiedensten Ausführungen und Größen auf- hört und dafür gesunde, ansprechende Buchten entstehen, in denen sich die Kaninchen wirklich wohlfühlen können.





