Kleintierheilpraktiker Heinz Floer, Steinfurt – „Das Blaue Jahrbuch“ 2012

Was bedeutet RHD

Die drei Buchstaben RHD stehen für Rabbit Haemorrhagic Disease (engl. Rabbit Kaninchen; haemorrhagic Blut, blutend; disease = Krankheit), wörtlich übersetzt also Blutungskrankheit des Kaninchens.

Da die RHD Anfang 1984 zuerst in China beobachtet wurde, wird sie umgangssprachlich auch als „Chinaseuche“ bezeichnet. 1988 zeigten sich in Deutschland und Frankreich die ersten Erkrankungsfälle. Mittlerweile ist diese gefährliche Kaninchenseuche weltweit verbreitet.

Der Erreger

Verursacht wird die RHD durch ein Calicivirus mit ikosaedrischer (zwanzigflächiger) Hülle und einem Durchmesser von etwa 40 Nanometer. Empfänglich sind Haus- und Wildkaninchen sowie Feldhasen.

Die Tiere stecken sich untereinander durch direkten Kontakt an. Daneben ist eine Übertragung durch den Menschen wie z. B. über die Kleidung bzw. über Käfige, Futtergefäße, Einstreu, Zukauf oder über die Luft möglich. Wahrscheinlich spielen bei der Übertragung auch Insekten eine Rolle.

Das Virus bleibt in der Umwelt bei Zimmertemperatur über drei Monate ansteckend, bei niedrigen Umgebungstemperaturen etwa siebeneinhalb Monate.

Krankheitssymptome

Der Erkrankungsgipfel liegt in den Monaten Mai bis etwa Mitte November.

Die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch beträgt zwei bis vier Tage. Jungtiere bis zu einem Alter von etwa sechs bis acht Wochen scheinen für die Krankheit unempfänglich zu sein.

Bei älteren Kaninchen sind drei Verlaufsformen bekannt:

Die Tiere sterben plötzlich unter Aufschreien und Krämpfen ohne Krankheitsanzeichen. Aus den Nasenöffnungen tritt nach dem Tod ein blutiger Schaum.

Zunächst zeigen die Kaninchen unspezifische Symptome wie Futterverweigerung, Apathie und Fieber. Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es zu Benommenheit, beschleunigter und erschwerter Atmung sowie blutendem Nasenausfluss. Auch der Harnausfluss kann blutig sein. Innerhalb weniger Tage sterben die Tiere.

Der milde Krankheitsverlauf ist gekennzeichnet durch Fressunlust und eine vorübergehende Benommenheit der Tiere, wo von sie sich aber spontan erholen.

Diese Jungtiere der Rasse Deutsche Riesen, blaugrau, sind hochgradig an RHD erkrankt. Die Krankheit befindet sich bei allen Tieren bereits im Endstadium

Diagnose

Zur Diagnoseerstellung werden zunächst der Vorbericht (Angaben des Halters zur Erkrankung), die klinischen Symptome und der Sektionsbefund eines verendeten Tieres herangezogen.

Im Labor kann das Virus im Blut, im Knochenmark, in allen Organen und in sämtlichen Ausscheidungen nachgewiesen werden. Dadurch lässt sich die RHD von anderen Erkrankungen abgrenzen, die einen ähnlichen Verlauf zeigen. Hierzu zählen Hitzschlag, Vergiftungen und akute bakterielle Erkrankungen.

Besteht Verdacht auf eine RHD-Erkrankung, müssen der Tierarzt, aber auch andere sachverständige Personen (Kaninchenzüchter) dies gemäß Tierseuchengesetz bei der zuständigen Veterinärbehörde des Kreises bzw. Bezirkes anzeigen. Von diesen Stellen werden weitere Maßnahmen veranlasst. Darüber hinaus dient die Anzeigepflicht der Erstellung eines Seuchenberichts für ganz Deutschland, der über den aktuellen Seuchenstand informiert.

Deutscher Riese, blaugrau. Er verstarb einen Tag nach Aufnahme dieses Fotos an den Folgen der RHD. (Fotos: H. Floer)

Behandlung

Eine Therapie der erkrankten Tiere ist nicht möglich. Eine vorbeugende Maßnahme stellt die Schutzimpfung dar. Nach einer Injektion sind die Kaninchen für etwa ein Jahr geschützt, danach muss eine Auffrischung erfolgen. Impffähig sind alle gesunden Tiere ab einem Alter von etwa sechs Wochen.

Ausstellungen von Rassekaninchen dürfen nur mit geimpften Tieren durchgeführt werden.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.