Von Erich Görner, Offenbach – „Das Blaue Jahrbuch“ 1978
Wer sich mit dem Gedanken trägt, sich nach Feierabend der Pelznäherei zuzuwenden, der pflegt meist über Erfahrung in der Kaninchenzucht zu verfügen. Doch nicht selten macht man die Beobachtung, dass selbst erfahrene Züchter „betriebsblind" werden und die natürlichen Gegebenheiten ihrer Tiere und deren Umgebung nicht mehr wahr- oder als Selbstverständlichkeiten nicht zur Kenntnis nehmen. Deshalb lohnt es sich, alte Erkenntnisse aufzufrischen, auch für jene, die viel Lorbeeren geerntet und ebenso häufig Staub gewischt haben.
Behandlung der Rohfelle
Nach dem Ausnehmen des letzten getöteten Tieres sind alle Felle sofort aufzuspannen, also nicht erst am folgenden Tag oder später. Am einfachsten und schnellsten spannt man Felle mit Hilfe von Fellspannern auf, die der Handel – Lieferfirmen s. Bezugsquellenverzeichnis – anbietet oder die man als Heimwerker leicht selbst herstellen kann. Spanner aus Holz lassen sich aus Kistenholz oder dem Holz einer Einweg-Palette, die man überall geschenkt oder fast umsonst erhält, selbst anfertigen. Ebenfalls selbst herstellen kann man sich Spanner aus geglühtem Eisen- oder Stahldraht. Sie bestehen aus Reststücken von Draht, die man zu einem geringen Preis auf Betonbaustellen erstehen oder auf Abbruchbaustellen finden kann. Wer oben in den Draht, wie die Abbildung zeigt, keinen Ring hineinbringen will, kann für ein großes und breites Fell den Spanner oben ein wenig auseinander biegen, denn dadurch wird der Spanner ja unten breiter.
Man kaufe oder fertige sich nicht nur einen Fellspanner an, sondern so viele, dass alle an einem großen Schlachttag angefallenen Felle sofort aufgespannt werden können.
Während des Trocknens kontrolliere man die Rohfelle mehrere Male, dass sich die Befestigung der Hinterpfoten an den Spannern nicht gelöst hat; der Trocknungsprozess würde dadurch eingeschränkt.
Die richtige Trocknung der Rohfelle geschieht am besten wie folgt:
Das Fell muss nach dem Schlachten sorgfältig und ohne Beschädigung abgezogen werden. Bei offener Spannweise muss das Fell genau auf der Bauchmitte aufgeschnitten werden. Auf jeden Fall muss die Spannung faltenlos erfolgen. Auch dürfen sich keine Hautfalten bilden. In ihnen würde sonst Fäulnis entstehen, und die Haarwurzeln würden anfaulen. Man verwende einen im Handel erhältlichen Fellspanner aus Draht oder aus Holz, oder man stelle ihn selbst her. Das Fell zieht man stets mit der Lederseite nach außen auf, ohne es übermäßig auszudehnen. Das Fell wird rechts und links unten befestigt.
Das Trocknen der Felle erfolgt an der Luft oder auf dem Speicher. Ofennähe und Sonne sind zu meiden (auch im Winter!), da sonst das Leder roh verbrennt und damit wertlos wird. Von den aufgespannten Fellen kratze man mit einem stumpfen Gegenstand (z. B. Löffelstiel) noch anhaftende Fett- oder Fleischteile ab, da sich auch darunter Fäulnis bilden kann, die Kahlstellen verursacht.
Vor dem Versand sind jedenfalls die Hinterpfoten zu entfernen. Bei Veredlung für den Eigenbedarf können auch Vorderpfoten, Kopf und Blume entfernt werden. Bei Verkaufsfellen lasse man diese Teile unbedingt daran, denn sie werden als Abfallprodukte verwendet.
Zur Trocknung genügt keineswegs das Ausstopfen der Felle mit Heu o.ä. Alle nicht einwandfrei behandelten Kaninfelle sind nur als Schneidekanin zu verwerten. Die an sich kleine Mühe des Aufspannens lohnt sich mit Sicherheit.
Wenn die aufgespannten Felle an den Ohrmuscheln und an der Blume trocken, aber auch wirklich trocken sind, können sie von den Spannern abgenommen und gelagert werden.
Rohfell-Lagerung
Viele Züchter und Züchterfrauen sind der Meinung, getrocknete Felle müssten, so wie getrocknet, auch bis zum Versand luftig gelagert werden. Sie lassen die trockenen Felle gegebenenfalls gleich auf den Fellspannern hängen in der Annahme, hier seien sie am besten aufgehoben. Sind sie jedoch veranlasst, die Felle abzunehmen, ziehen sie in der Regel einen Bindfaden oder ein Stückchen Draht durch die Augenlöcher, bündeln die aufgespannten Winterfelle und hängen sie schön luftig in Speicher oder Schuppen im besten Glauben, die Felle fachmännisch einwandfrei gelagert zu haben. Schon im Winter oder zu Beginn des Frühjahrs aber stellen sich, vom Züchter meist unbemerkt, Mäuse, Fliegen und Motten ein; sie fressen die Fehle kahl, legen in ihnen ihre Eier ab bzw. errichten darin ihre Nester. Schon nach kurzer Zeit führt eine neue Generation von Ungeziefer und Nagern das Zerstörungswerk fort, und noch immer ist der Züchter ahnungslos. Erst wenn die Haare in Flocken von den ach so einwandfrei gelagerten Winterfellen herabschweben, wird ihm bewusst, dass mit seinen schönen Fellen nicht alles in Ordnung sein kann. Noch voller Stolz, nimmt er das Bündel Felle ab und stellt jetzt erst mit Schrecken fest, dass Mäuse oder Motten seine Felle übel zugerichtet haben. Die Fellhaare sind abgefressen, in der Fellhaut befinden sich Löcher. Falls solche Felle sich überhaupt noch zur Zurichtung eignen, ist es die erste Arbeit der Züchterfrau, die Felle vor der Verarbeitung zu reparieren.
Am besten werden getrocknete Rohfelle wirklich trocken sind sie dann, wenn die Ohrmuscheln völlig trocken sind – in einem Karton gelagert; ein Eierkarton z. B. hat die richtige Größe. Zwischen und in die Felle werden Sägespäne gestreut. Der Schutz lässt sich dadurch erhöhen, dass man die Sägespäne noch mit etwas Motten- oder einem Fliegenvernichtungsmittel übersprüht. Je dichter die Polster aus Sägespänen zwischen den Fellen sind, desto besser. So gelagert, haben Rohfelle vor Motten, Fliegen und Mäusen Ruhe. Sie können bis in das Frühjahr hinein gesammelt und wegen der Höhe des Portos oder der Fracht zusammen zum Versand in eine Zurichterei gebracht werden.
Versand der Rohfelle
Die Rohfelle sind so rechtzeitig zum Versand zu bringen, dass die für die kalte Jahreszeit in Aussicht genommenen Pelzstücke rechtzeitig fertigzustellen sind. – In Züchterkreisen wird gelegentlich empfohlen, man solle vor dem Versand bei verschiedenen Zurichtereien Angebote für die Zurichtung von 30, 40 oder 50 Rohfellen einholen und sie am Ende der kostengünstigsten zugehen lassen. Dazu ist zu sagen: Die Zurichtung erfordert in allen Zurichtereien die gleichen Arbeitsgänge. Auch die Arbeitszeit ist in etwa die gleiche, die Stundenlöhne sind es meist ebenfalls. Entscheidend in solchen und anderen Fällen ist ja immer das Verhältnis zwischen Qualität und Preis; Kosteneinsparungen sind nur durch die Vernachlässigung der Qualität möglich. Man höre sich in Züchterkreisen um und sammle gegebenenfalls selbst Erfahrungen. Unsere deutschen Zurichtereien sind in jedem Falle gut genug, um gute Rohfelle in einwandfreier Qualität kostengünstig zuzurichten.
Wenn die Entscheidung über die Zurichte-Firma getroffen ist, sind die Rohfelle aus den Sägespänen zu nehmen. Man hat sie auszuschütteln und auszuklopfen, denn diese Sägespäne sind in der Zurichterei nicht gefragt. Falls noch nicht geschehen, werden neben den Hinterpfoten noch die Vorderpfoten, der Kopf und die Blume abgeschnitten. Bei Verkaufsfellen sind diese Teile nicht abzuschneiden. Dann sind sie buchstäblich von der Bildfläche verschwunden und erinnern nicht mehr an ein Tier mit großartiger Form, vorzüglichem Fell und herrlicher Farbe, das freilich – und dies hatte man, verliebt in ein Klassetier, dummerweise übersehen – eine weiße Kralle oder eine weiße Schnauzspitze hatte und deshalb von der Bewertung ausgeschlossen worden war. Man war danach tagelang tief enttäuscht, aber zugegeben: Der Preisrichter hatte recht! Man tröste sich. Auch dies ist der Lauf der Welt! Es sind sicher Millionen von Züchtern, denen es, seit es eine Bewertung gibt, ebenso ergangen ist. Ein Züchter, der glaubt, ihm könne dies nie passieren, hat noch nicht viele Tiere ausgestellt.
Zurück zu den Maßnahmen des Versandes. Man lege die Felle aufeinander und schnüre sie, nach Rassen getrennt, in Bündeln zu je 10 Stück zusammen. Dann werden sie in einen Karton verpackt. Man beachte: Die Felle dürfen nicht geknickt werden! Jute-, Papier- oder Plastiksäcke sind nicht zu verwenden, auch keine übergroßen Kartons, denn sie würden von der Post als Sperrgut behandelt werden, und dies würde einen Zuschlag von zurzeit 50% der Paketgebühr, mindestens aber 3,- DM bedeuten. Hinzu kommt eine Zustellgebühr von 1,50 DM je Paket. Die Zustellkosten werden bekanntlich bei der Rücksendung der zugerichteten Felle von der Firma in Rechnung gestellt. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, die Rohfelle in Päckchen zu verschicken. Päckchen dürfen 15×30×60 cm groß sein. In einem Päckchen dieser Größe (2 kg schwer) haben ca. 12 mittelgroße Felle Platz, wenn zuvor Kopf, Pfoten und Blume entfernt worden sind. Die Gebühr für ein Päckchen beträgt 2,- DM; eine Zustellgebühr wird nicht erhoben. Wer es für notwendig hält, möge seine Rohfelle kennzeichnen. Nur sollte man wissen, dass beim Entfleischen durch jedes Lochzeichen, das in ein Fell gestochen wird, zusätzliche Löcher entstehen können. Durch kleine Löcher nebeneinander werden aber große Perforationen in das Fell gerissen; u. U. nimmt es erheblichen Schaden. Andererseits ist die Kenntlichmachung der Felle durch Gummistempel, Tintenstift oder Kugelschreiber nicht nur zwecklos; die Farbstoffe lösen sich während der Zurichtung auf und hinterlassen in den Fellen deutliche Farbflecke.
Nicht vergessen aber darf werden, der Sendung eine ausführliche Liste mit Namen, vollständiger Adresse des Absenders und einer Aufzählung der Felle beizulegen. Es genügt nicht, zu erwähnen: „10 Kanin zurichten.“ Vielmehr ist eine genaue Aufstellung notwendig wie: 5 Helle Großsilber
2 Engl. Schecken schwarz-weiß
1 Holländer schwarz-weiß
1 Holländer blau-weiß
1 Gelb-Silber.
Auf diese Weise ist eine Verwechslung von Fellen weitgehend ausgeschlossen. Die Firma wird bereits beim Auspacken einer Sendung selbst jedes einzelne Fell mit einem Lochstempel versehen. Dabei pflegt sie jede Stempelnummer auf der Sammelliste des Züchters einzutragen. Sie tut dies nicht nur im eigenen Interesse; vielmehr ist die Anbringung eines Lochstempels gesetzliche Pflicht. Denn es muss die Gewähr gegeben sein, dass die einzelnen Felle eines Züchters aus den großen Fellpartien einer Zurichterei einwandfrei wieder aussortiert werden können.
Von der Sammelliste fertige man sich zur Kontrolle eine Kopie an; am besten ist ein Durchschlag. Das Original lege man nicht einfach in den Karton oder stecke es in ein Fell, sondern man befestige es auf dem obersten Fell des Paketes oder Päckchens. Sollte die Sendung aus mehreren Kartons bestehen, so wird man neben der Versandadresse vermerken, in welchem Karton sich die Liste befindet. Auf diese Weise erspart man der Firma ein langes Suchen nach ihr und sich selbst unnütze Kosten, denn das Suchen erfordert Zeit, Arbeitszeit, und sie muss in irgendeiner Form auf die Ware umgelegt werden.
Voll gespannter Erwartung fiebert man zum ersten Mal der Rücksendung seiner Winterfelle entgegen. Dass sie einwandfrei zugerichtet sind, darf vorausgesetzt werden. Unmittelbar nach dem Auspacken kontrolliert man die Felle anhand der Kopie seiner Sammelliste. Reklamationen sind postwendend oder noch besser telefonisch zu erstatten.
Ein Pelzstück aus naturfarbigen Fellen ist ein Spiegelbild des persönlichen Geschmacks. Die unterschiedlichen Farben eröffnen ein weites Betätigungsfeld; eine modisch orientierte Frau wird selbst ihre Haarfarbe berücksichtigen. Auch ist zu entscheiden, ob die Verarbeitung der Felle je nach Geschmack und der Figur der Trägerin ganzfellig lang oder ganzfellig quer, halbfellig lang oder halbfellig quer erfolgen soll. Schließlich soll die Erscheinung einer jeden Frau angenehm beeindrucken. Auch möge man nicht übersehen, dass jede Trägerin von Kaninpelzen Reklame macht für oder gegen ein Kaninpelzstück, für oder gegen eine Rasse, für oder gegen die Kaninchenzucht schlechthin.
Der Autor, Erich Görner, veröffentlicht 1978 im Verlagshaus Reutlingen Oertel+Spörer GmbH + Co. ein Buch zu diesem Thema. Der Titel:





