Dr. Chr. Macht †, Lehranstalt für Kleintierzucht Kitzingen

„ Das Blaue Jahrbuch“ 1970

In der Lehranstalt für Kleintierzucht Kitzingen werden seit Jahren praktische Erfahrungen in der Leistungszucht gesammelt. Schon einige Zeit vor dem letzten Krieg wurde vom Landesverband der Kaninchenzüchter eine Angora Leistungsprüfung für Wollkaninchen eingerichtet. Wegen Futtermangel musste diese im Krieg stillgelegt werden. Sie wurde 1949 wieder aufgemacht. Im Viereckbau sind jetzt 120 Angoras in Einzelkäfigen untergebracht und bringen von Jahr zu Jahr steigende Erfolge. Von 1949 bis jetzt konnten die Wollerträge um über 100 Prozent gesteigert werden. Sie betragen jetzt im Jahr 860 g Wolle pro Tier im Durchschnitt; daraus können 4 Damenpullover oder andere wertvolle Textilien hergestellt werden.

Die Leistungsprüfung hatte aber auch den Zweck, die Qualität der Wolle zu verbessern, vor allem den Anteil an Filz, der bei manchen Tieren besonders hoch war, mehr und mehr herabzusetzen. In den Berichten werden die Tiere mit wenig filzhaltiger Wolle besonders herausgestellt, damit diese Tiere bevorzugt zur Nachzucht eingesetzt werden können.

Zu den Pelzkaninchen kamen vor einigen Jahren auch die Fleischkaninchen. Diese werden schon mit 21/2 Monaten geschlachtet und liefern ein vorzüglich schmeckendes Fleisch, das dem Kalbfleisch ebenbürtig und sehr gesund ist. In Kitzingen werden die weißen Neuseeländer als Mastkaninchen gehalten.

Die Woll- und Fleischkaninchen liefern den vielen Besuchern der Lehranstalt in Kitzingen viel Anregung. Die meisten Interessenten wollen wissen, wie viele Woll- und Fleischkaninchen man aus steuerlichen Gründen halten kann, damit man land- wirtschaftlicher Betrieb bleibt. Wichtig ist, dass man mit Woll- und Fleischkaninchen ganz langsam anfängt und je nach den Absatzverhältnissen den Betrieb vergrößert. Der Absatz der Wolle war sehr gut, ist aber im letzten Jahr zurückgegangen. Die Einfuhr von Kaninchenschurwolle aus Holland, Frankreich und Polen ist so umfangreich geworden, dass die Wollverwertungsstellen gar nicht gern größere Mengen an Wolle abnehmen, ohne dass Fertigprodukte dafür zurückgenommen werden. Mit solch einer Absatzstelle für Wolle muss unbedingt vorher eine Vereinbarung getroffen werden, ehe die Anlage erweitert wird.

Das Gleiche gilt für die Fleischkaninchenzucht. Am besten ist der Absatz an Selbstverbraucher. In diesem Falle müssen die Tiere aber geschlachtet und bratfertig hergerichtet werden. Dabei werden den Käufern zweckmäßigerweise Koch- und Bratrezepte mitgegeben. Der Absatz ist sehr gut, macht aber auch viel Arbeit. Von den Händlern werden die Schlachtkaninchen meist lebend übernommen und auf den Märkten angeboten. Diese Tiere bringen dann natürlich wesentlich weniger Einnahmen. Bei größeren Haltungen ist das aber die günstigste Möglichkeit zum Absetzen der Tiere.

Jeder, der länger züchtet, weiß, dass man von der Leistung eines Einzeltieres noch nicht auf den Erbwert dieses Tieres schließen kann. Wenn es sich um Plus varianten einer schlechten Linie handelt, kann es große Enttäuschungen geben. Den Erbwert eines Tieres kann man praktisch nur aus den Leistungen seiner Nachkommen erkennen, und das ist sehr mühevoll.

Das Wichtigste ist, dass nur beste Leistungstiere eingesetzt werden. Diese besorgt man sich für beide Zuchtrichtungen von einem guten Leistungszüchter. Wenn man mit der Lieferung der Tiere zufrieden ist, greift man möglichst wieder auf den Züchter zurück. Wenn die Absicht besteht, mit den besten Tieren weiterzuzüchten, muss man darauf achten, dass man keine Kreuzungen bekommt; denn Kreuzungen werden immer wieder auf die Ausgangsprodukte zurückspalten, und das gibt eine unausgeglichene Nachzucht. Falsch ist es, wenn ein Züchter, wie es früher der Fall war, in gewissen Abständen immer wieder Rammler zukauft. Nach den neuesten Erkenntnissen sollen in den Stämmen eigengezüchtete Rammler verwendet und in den Vermehrungen blutsfremde Rammler eingesetzt werden. Dazu müssen Passerpaarungen gemacht und von staatlichen Beratern empfohlen werden.

Die eingesetzten Jungtiere müssen bestens aufgezogen wer- den. Die Hauptsache ist, dass die Tiere nicht der Zugluft ausgesetzt sind, sonst bekommen sie leicht Schnupfen. Bei Wollkaninchen werden die Jungtiere durch die eigene Mutter geschützt. Sie sind in den ersten Tagen sehr anfällig für Krankheiten, wenn sie im Freien untergebracht sind. Man kann sich da helfen. Man muss einfach den Rost entfernen und die Tiere auf ein Strohlager setzen. Auf der Vorderseite des Stalles wird ein Stück Pappe lose so eingesetzt, dass noch genügend frische Luft in den Stall kann. Ein Schnupfenmittel „Incidin“ hat sich in der Kitzinger Kleintierzuchtstation bestens bewährt; es kann dem Trinkwasser in einer bestimmten Dosis zugefügt werden. Wenn Tiere stark von Schnupfen befallen sind, so dass schon die Augen tränen, werden sie am besten geschlachtet; denn Schnupfen wird leicht übertragen.

Es können also Wollkaninchen auch in Käfigen im Freien untergebracht werden. Anders ist es bei den Fleischkaninchen. Diese müssen immer in geschlossenen Räumen gehalten werden und sollen möglichst das ganze Jahr hindurch gleiche Umweltverhältnisse haben. Die Fütterung muss bei Woll- und Fleischkaninchen den geforderten Leistungen entsprechend sehr gut sein. Sie muss alle Nährstoffe, Vitamine und Wirkstoffe enthalten, die die Tiere brauchen. Sehr wichtig ist, dass die Tiere immer satt gefüttert werden; denn jedes Gramm Fleisch, das die Tiere durch Hungern verlieren, muss mit der doppelten Menge Futter wieder zugefüttert werden.

Die wichtigsten Nährstoffe sind Eiweiß, Fett, Kohlehydrate und Kalk. Die fett- und ölhaltigen Futtermittel dienen vor allem zur Erhaltung der Körperwärme und sind hauptsächlich im Winter erforderlich. Die Körpervorgänge brauchen eine Temperatur von 37° C. In der kalten Jahreszeit ist der Mais wegen seines Fettgehaltes als Beifutter gut geeignet. In der warmen Jahreszeit muss man damit vorsichtig sein, dass keine Verfettung der Tiere eintritt. Denn diese wirkt sich auf die Fruchtbarkeit der Tiere sehr ungünstig aus.

Die Getreideschrote im Futter tragen besonders dazu bei, die äußere Bewegung und die Körpervorgänge zu tätigen. Es hat sich gezeigt, dass viel Bewegung besonders bei Masttieren schädlich ist. Man hat aber auch beobachtet, dass etwas Bewegung dem Fleischansatz zuträglich ist.

Der Blutkreislauf, der Lungenkreislauf und die Verdauung erfordern sehr viele Nährstoffe. Man nennt dies das Erhaltungsfutter. Erst was darüber hinaus noch gegeben wird, ist Leistungsfutter. Dieses braucht man zur Erzeugung von Wolle und Fleisch gleichermaßen. Es muss in Form von Eiweißfuttermitteln gegeben werden. Es gibt tierisches und pflanzliches Eiweiß, die sich gegenseitig ergänzen können. Die Kaninchen als Pflanzenfresser bevorzugen das pflanzliche Eiweiß, können aber auch in kleinen Mengen tierisches Eiweiß aufnehmen, besonders Milcheiweiß.

Wichtig ist, dass das Futter in möglichst vielseitiger Form den Tieren gereicht wird. So hat sich in der Kleintierzuchtanstalt Kitzingen gezeigt, dass eine Fütterung mit Eiweißkonzentrat, also mit verschiedenen Eiweißfuttermitteln wesentlich günstiger wirkte als die Fütterung nur eines sehr guten Eiweißfuttermittels.

Auch die Getreideschrote sollen möglichst vielseitig in Form von mehreren, am besten von 3 verschiedenen Getreidearten gegeben werden. Versuche in Kitzingen haben ergeben, dass kleines Getreide und Bruchgetreide, die billiger angeboten werden, wohl ebenso verwendet werden können, dass aber Vollkorngetreide besser wirkt.

Die Mineralien 3-5 % der Futtermischung, vor allem der Kalk dürfen in keinem Futter fehlen. Eine ausreichende Kalkgabe wirkt sich auch günstig auf die Fruchtbarkeit der Tiere aus. An Jungtiere, die wachsen sollen, gibt man den teuren phosphorsauren Kalk; an ausgewachsene Tiere den wesentlich billigeren kohlensauren Kalk in der gleichen Menge. So könnte das Futter für die Kaninchen wie folgt zusammengesetzt werden:

35% verschiedene Eiweißfuttermittel

30% verschiedene Getreideschrote

3% Futterkalk

30% Kleien- und Nachmehle

2% Beifutter

An schwächliche und genesende Tiere können noch Vitamine beigefüttert werden. Dabei kommt es am meisten auf das Vitamin A an, das in allen Grünfutterarten und in Karotten enthalten ist, und auf das Vitamin D, das über Sonnenbestrahlung im freien Auslauf an die Tiere übermittelt wird. Die Vitamine können aber auch künstlich dem Futter beigemengt werden. Das Futter gilt dann als vitaminiert. Versuche in Kitzingen haben diese Wirkung bestätigt. An Mastkaninchen gibt man auch noch 2-3 % Antibiotika wie Aureomycin® oder Terramycin, das von einer Apotheke oder Drogerie besorgt werden kann.

Besser noch, wie Selbstmischen ist die Verwendung fertiger Futtermischungen einer bewährten Firma. Das Futter wird den Tieren am besten gekörnt gegeben, weil die Tiere zwischen Wasser und Futter ständig hin- und herpendeln und so bei mehligem Futter viel Verlust entsteht.

Auch frisches Wasser muss den Tieren ständig zur Verfügung stehen. Vor allem bei ausschließlicher Trockenfütterung kommt der regelmäßigen Wasserversorgung eine besondere Bedeutung zu. Durch öfteren Wassermangel bekommen die Tiere häufig Verdauungs- und andere Gesundheitsstörungen.

Kaninchen haben im Gegensatz zu anderen Haustieren einen verhältnismäßig hohen Wasserverbrauch. Er kann bei einer Häsin mit 8 Jungen bis zu 4 1 pro Tag ansteigen. Der Wasserverbrauch ist geringer, wenn die Tiere im Sommer Saftfutter (Grünfutter usw.) und im Winter Rüben bekommen. Man kann sich auch automatischer Tränkeeinrichtungen bedienen. Besonders bewährt haben sich die Nippeltränken.

Hochtragenden Häsinnen gibt man 10-20% Zulage. Bei säugenden Häsinnen stellt man das Futter zur beliebigen Aufnahme hin. Rammler sollen gut, aber nicht zu stark gefüttert werden. Man muss darauf achten, dass das Futter nicht zu voluminös ist, damit die Tiere nicht verfetten, weil dadurch die Decklust stark herabgesetzt würde. Man rechnet für einen Rammler der Woll- und Fleischkaninchen etwa 1/50 des Körpergewichtes an Trockenfutter.

Wenn einmal Durchfall bei den Tieren auftreten sollte, ist Futterwechsel am Platze; auch eine kleine Beigabe von Antibiotika im Trinkwasser ist dabei sehr wirksam.

Im Allgemeinen tragen die Kaninchen 31 Tage. Kaninchen beiderlei Geschlechts sollen etwa 4 Monate alt sein, bis sie vorsichtig zum Decken zugelassen werden. Die Häsinnen sollen zum Rammler gebracht werden, weil ein Rammler in fremder Umgebung nicht gern deckt. Anfangs sollte ein junger Rammler nur ein- bis zweimal in der Woche zum Decken verwendet werden. Zweckmäßig ist es, mehrere Kaninchen gleichzeitig zu decken, damit sie auch gleichzeitig werfen. Das Decken erfolgt am besten vormittags, damit die Tiere nicht bei der Nacht werfen. Lässt man einen vitalen, ausgewachsenen Rammler mehrmals an einem Tag decken, so braucht er mindestens 2 Tage Schonzeit. Ein deckfreudiger, richtig gehaltener Rammler reicht für 18-20 Häsinnen aus. Die Fruchtbarkeit eines guten Rammlers reicht über 3 Jahre und länger gut aus. Die Rammler, die zur Zucht Verwendung finden, sollen in Einzelkäfigen abgesondert gehalten werden. Man sollte dafür sorgen, dass das Gewicht des Rammlers nicht so stark zunimmt, damit er nicht verfettet und deckfaul wird. Der Zuchteinsatz der jungen Häsin sollte auch nicht länger hinausgezögert werden, da sich sonst bei Tieren, die schon 7-9 Monate alt sind, Schwierigkeiten beim Aufnehmen und Werfen einstellen. Denn durch das fortgeschrittene Alter der Häsinnen sind die Muskeln des Geburtsweges schon so fest geworden, dass sie sich nicht mehr genügend dehnen, das Werfen schwierig wird und gefährliche Folgen haben kann. Häsinnen sind bei guter Pflege und Fütterung 3 Jahre und länger zuchtfähig.

Die Jungen sind bei der Geburt mit einer dünnen Schleimhaut umgeben, die sofort von der Häsin entfernt wird. Geschieht das nicht, so müssen die Jungen ersticken. Nach der Reinigung werden die Jungen sofort gesäugt und erhalten mit der Colostralmilch die für die erste Phase ihres Lebens wichtigen Schutzstoffe und Vitamine. Die jungen Tiere werden in den ersten Wochen mit Muttermilch ernährt. Nach etwa 3 Wochen stellt man daneben auch dasselbe Futter, das die Häsin bekommt, in einem Trog hin und dazu immer frisches Wasser. Bei der Fleischkaninchenzucht werden die Häsinnen nach etwa 5 Wochen wieder gedeckt, und nach 6 Wochen setzt man die Jungen ab. Wenn die Häsin dann aufgenommen hat, geht die Milch von selbst zurück, weil die Nährstoffe für die im Mutterleib wachsenden neuen Tiere benötigt werden. In der Regel sollte man die Häsinnen solange zur Zucht verwenden, wie sie gut aufnehmen und mindestens 6-8 Junge aufziehen. Wie lange das Tier dies erfüllt, ist eine Frage der Veranlagung, der Kondition, der Fütterung und Haltung und der zeitlichen Wurffolge. Eine ständige strenge Auslese auf Fruchtbarkeit, Säugefähigkeit, Aufzuchtvermögen und andere für die Zucht und Wirtschaftlichkeit wichtige Eigenschaften können den Erfolg erheblich verbessern. Eine Häsin, die den geforderten Leistungen nicht mehr entspricht, wird abgeschafft und durch eine Tochter aus den ersten Würfen ersetzt.

An den Stall stellen Kaninchen im allgemeinen nur geringe Anforderungen, da sie durch ihr Haarkleid geschützt sind; sie müssen nur vor Zugluft und Nässe bewahrt werden. Bei Wollkaninchen, deren Käfige im Freien stehen, genügt ein Vordach, das die Nässe von den Tieren abhält. Bei Kälte kann während der Schurzeit der Rost herausgenommen und dafür eine tiefe Stroh-Einstreu gegeben werden. Außerdem werden Pappdeckel an der Vorderseite der Käfige eingeschoben, aber nur so groß, dass die Tiere noch genügend Luft bekommen. An besonders kalten Tagen während der Schurzeit können, um Verluste zu vermeiden, die frischgeschorenen Tiere für einige Tage in einen vorhandenen Kasten in einem geheizten Raum untergebracht werden. Grundsätzlich können Wolltiere in Stallungen im Freien gehalten werden.

Für Fleischkaninchen, die das ganze Jahr hindurch aufgezogen werden, muss ein abgeschlossener Raum zur Verfügung stehen. Die Wände und besonders die Decke sollen wärmeisoliert werden. Holzwände sollen durch 5-6 cm starke Glaswollematten, mit Bitumenpapier beklebt, ausreichend isoliert sein. Für die Fenster sind Doppelscheiben zweckmäßig. Man sollte so erreichen, dass die Temperatur zwischen 13° und 20° C liegt. Wichtig ist, dass es im Stall nicht zu warm ist, da die Tiere gegen zu große Wärme ebenso empfindlich sind wie gegen zu große Kälte. Die relative Luftfeuchtigkeit im Stall sollte 70% nicht überschreiten. Zu hohe Luftfeuchtigkeit mindert die Leistung und fördert die Verbreitung von Krankheiten, besonders der gefährlichen Coccidiose. Die Ansteckung mit Coccidiose wird herabgesetzt durch Beigabe von Anticoccidiosemitteln und durch Betreuen des Kotes mit Stallsuper (Superphosphat), das Feuchtigkeit und schlechte Stallgerüche bindet. Besonders zu beachten ist, dass der Stallboden so eingerichtet wird, dass die Tiere nicht von ihrem Kot fressen können, denn 48-72 Std. nach dem Absetzen des Kotes können sie sich noch mit den Bakterien im Kot anstecken. Man soll öfters reinigen und mit trockener Einstreu nachhelfen, besonders dann, wenn sich feuchte Stellen in der Einstreu gebildet haben, in denen sich die Coccidien und andere Krankheitskeime besonders gut entwickeln können. Man kann auch durch ein Holz- oder Blechgitter den Kot auf eine Holzplatte fallen lassen und ihn jeden Abend in eine vor den Käfigen laufende Blechrinne kratzen. Durch das Wasser, das in die Blechrinne geleitet wird, kann der Kot und mit ihm die Krankheitskeime abgeschwemmt werden. Die Schwemmentmistung ist die leichteste Art, die Krankheitskeime zu beseitigen.

Zuchtkaninchen sollen möglichst in Einzelboxen gehalten werden. Diese sollen 60-80 cm lang, 60 cm breit und 40-50 cm hoch sein. In Sammelkäfigen dürfen tragende und säugende Kaninchen nicht untergebracht werden, da dabei zu viele Tierverluste auftreten. Die Unterbringung kann in 2-3 Etagen erfolgen. Ein Umsetzen sollte, während der Trag- und Säuge- zeit vermieden werden.

Wichtig ist die Lüftung im Stall. Das Lüften kann in kleinen Ställen durch die Türe und die Fenster geschehen; es darf aber dabei keine Zugluft entstehen. Die Zugluft kann einen gefährlichen Schnupfen hervorrufen. Diesen kann man mit einem wirksamen Schnupfenmittel, z. B. „Incidin“ oder „Gandavit“, bekämpfen, das dem Trinkwasser beigegeben wird. Wenn bereits die Augen tränen, werden die Tiere am besten in einen Krankenstall gesetzt oder gleich geschlachtet, denn Schnupfen ist gerade bei Kaninchen sehr ansteckend.

In größeren Haltungen können künstliche Lüftungen eingerichtet werden. Dies wird am besten einem Fachmann übertragen. Die Fensterfläche des Stalles soll 1/20 der Bodenfläche betragen. Zu große Fenster sind Lichtbringer aber Wärmefresser. Fensterlose Ställe sind möglich, müssen aber beleuchtet werden. Bei fensterlosen Ställen dürfen auch Notlüftungsklappen nicht vergessen werden. Man rechnet bei künstlicher Beleuchtung je 1 qm Bodenfläche etwa 2,5-Watt-Glühlampen, und zwar am besten 1,5-Watt-Lampen, um eine gute Lichtverteilung zu erreichen. Mit einer Schaltuhr regelt man die Beleuchtungszeit. Der Lichttag sollte möglichst 14 Stunden betragen. Dies ist vor allem wichtig für die Fruchtbarkeit der Tiere. Auch durch eine sorgfältige Pflege können Leistung und Gesundheit der Tiere sehr beeinflusst werden. Kaninchen müssen vor allem immer pünktlich und sorgfältig gefüttert und getränkt werden. Wer dies versäumt, muss es nicht nur mit schlechteren Leistungen bezahlen, sondern kann auch erleben, dass die Mütter vor Hunger sogar ihre Jungen auffressen.

So tragen neben ausgezeichneten Zuchttieren ein geeigneter Zuchtstall, sorgfältige Pflege und gute Haltung der Kaninchen zu einem vollen Zuchterfolg bei.

* Gandavit ist zu beziehen durch einen Tierarzt. Anwendung: 1 Beutel auf 10 1 Wasser. Anwendung am 1., 2. und 3. Tage; dann aussetzen, wieder anwenden am 6. und 7. Tage und nochmals aussetzen, wieder geben am 11. Tage.

Vorheriger ArtikelWarum Selektion – Was ein Züchter darüber wissen sollte
Nächster ArtikelZüchtungsverfahren beim Kaninchen
Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein