Lothar Thormann, Waldheim „ Das Blaue Jahrbuch“ 2009

Das Thema Kaninchenställe ist immer wieder interessant und besonders für Anfänger und Einsteiger wichtig. Aber auch langjährige aktive Züchterfreunde verwenden Zeit und Geld, um ihre Stallanlagen instand zu halten oder zu verbessern.

Während der Vereinsversammlungen oder noch mehr vor Ort an den Ställen gibt es Gelegenheiten, über den Stallbau zu fachsimpeln.

Während meiner Buchlesungen zum Thema Stallbau wurde ich von Züchterfreunden gebeten, über neue Empfehlungen und Trends in Sachen Kaninchenställe und Stallbau etwas zu sagen.

Wir leben in einer reisefreudigen Zeit mit zunehmend offenen Ländergrenzen. Die Kontakte deutscher Rassezüchter zu ausländischen Züchterfreunden und Vereinen weiten den Blick für Neues und Bewährtes in anderen Züchterregionen.

Hinzu kommt, dass Kaninchen verstärkt als Heimtiere gehalten werden. Heimtierhalter zeigen ebenfalls Interesse an zeitgemäßen Ställen. Aus Kreisen dieser Kaninchenfreunde können wir gerade durch direkte fachliche Unterstützung neue, aktive Verbundsmitglieder gewinnen.

Nachfolgend möchte ich versuchen, aus dieser gegenwärtigen Situation heraus ein paar Hinweise und Erläuterungen zu zeitgemäßen Kaninchenställen für Rassezüchter, Kaninchenhalter und Heimtierfreunde zu geben.

Der Tierschutz und die Kaninchenhaltung

Wir kommen nicht umhin, den Tierschutzgedanken in der Kaninchenhaltung zu respektieren und zu fördern. Seit dem Sommer 2002 ist der Tierschutz im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert.

Ohne den Ansichten einiger Extrem-Tierschützer mit ihren überzogenen Forderungen nachzukommen, gilt es, in vernünftigem Rahmen auch in der extensiven Hobby-Kaninchenhaltung Tierschutz verstärkt zu praktizieren.

Nicht ohne Grund unterstützt auch unser Verband ZDRK z. B. die Einhaltung von Mindestmaßen bei Stallgrößen, bezogen auf die Körpergröße und das Lebendgewicht erwachsener Kaninchen.

Von unseren Nachbarländern dürfte die Schweiz nun schon seit 1990 beim gesetzlichen Tierschutz für die Tierhaltung allgemein und auch für die Hauskaninchen eine Vorreiterrolle in Europa ein- nehmen.

Der dortige Rassekaninchenzucht-Verband SRKV fördert diese Entwicklung durch beispielgebende Maßnahmen. So gibt es bei den Eidgenossen die Möglichkeit, als Rassezüchter ein persönliches Zertifikat für vorbildliche Stallanlagen und Zuchtdurchführung zu erhalten. Zum 75-jährigen Bestehen des schweizerischen Verbandes im Jahr 2008 wurde ein Stallbau-Wettbewerb nach neuen Erkenntnissen und Vorgaben ausgeschrieben.

Ab dem 1. September 2008 tritt in der Schweiz die neue Tierschutzverordnung in Kraft (1). Für Hauskaninchen ist dann folgende Festlegung für Stallmaße einzuhalten: ,,… Die angegebene Stallhöhe muss auf mindestens 35% der Gesamtfläche vorhanden sein. Die erhöhte Ebene (Balkon) muss mindestens 20 cm über dem Boden oder höher angebracht sein. Sie soll so bemessen sein, dass die Tiere darauf ausgestreckt liegen können. In mindestens einem Teil des Geheges müssen die Tiere aufrecht sitzen können“.

Der Redakteur und Preisrichter Dirk Wortmann von der „Kaninchenzeitung“ schrieb aus diesen und weiteren Gründen mit Recht hinsichtlich der Schweiz,,,… dass sich ein Blick zum Nachbarn lohnt…“

Aber auch andere Landesverbände der Rassekaninchenzüchter in Europa und darüber hinaus bemühen sich verstärkt um einen vertretbaren Tierschutz.

Die Hobby-Kaninchenhaltung und ihre Trends bei Ställen

Wir kennen in der herkömmlichen Kaninchenhaltung nach ihrer Bauform und dem Standort Innenställe, Außenställe und verschiedene Gehege auf dem Boden oder als Hochgehege auf Ecksäulen mit durchlässigem Gehegeboden.

An Haltung in diesen von Stallbuchten geprägten Ställen gab es in den letzten Jahren schon einige auffallende Entwicklungen und neue Details. Während früher besonders in ländlichen Gegenden häufig Außenställe zur Nutzkaninchenhaltung oder Rassezucht vor- herrschten, geht heute der Trend zum Innenstall oder zum Außenstall mit weit vorgebautem Schutzdach und breitem Futtergang. Innenställe werden dort bevorzugt, wo inmitten schön gestalteter Wohn- und Siedlungsgebiete, meist auf Wunsch der Nachbarn, die Ansicht auf einen mit etwas Geruch verbundenen Kaninchenstall vermieden wird.

Stallbuchten mit glattem Drahtrost und Kotschublade, dazu Einstreu, sind zeitgemäße Unterkünfte für Kaninchen. Foto: L. Thormann

Es gab und gibt noch Garten- und Kleintiervereine, die vorschreiben, wie Innen- und Außenställe gemeinsam mit ansehnlich gestalteten Gehegen und Volieren zu gestalten sind. Diese Anlagen können von öffentlichen Wegen und Straßen aus eingesehen werden und verschönern so die jeweiligen Wohngebiete. Außerdem sind sie eine Werbung für Freizeitgärten mit interessanter Hobby- Tierhaltung.

Leider finden sich in unserer modernen Zeit immer weniger Tierfreunde, die sich in einer solchen Gemeinschaft aktiv mit Kleintieren beschäftigen.

Das Heimtier Kaninchen und seine Stallwelt

Etwas anders zeigen sich Ställe und Auslaufgehege für Kaninchen, die als Heimtiere in zunehmendem Maße von Tierfreunden gehalten werden (2).

Vom Einzelstall mit ein, zwei Buchten und angeschlossenem Kleingehege bis hin zu umfangreichen, in Wohnungen oder Innen- räumen vielfältig errichteten Tierunterkünften gibt es mittlerweile zahlreiche Stallformen.

Das handelsübliche Stall- und Käfigangebot für Heimkaninchen erweitert diese bunte „Stallwelt“ immer mehr. Es erscheint angebracht, in einigen Fällen mit beengten oder auch überbesetzten Stallabteilen unsere Heimtierfreunde zumindest auf bewährte und zu empfehlende Stallmaße hinzuweisen. Der Blick in sowie die Berücksichtigung von offiziellen Stallbau- Maßtabellen wäre auch einigen gewerblichen Herstellern von Heimtier-Kaninchenunterkünften zu wünschen.

Neue Ställe mit gestanzten Blech-Bodenrosten unter der Einstreu, dazu Kotschubladen, sind tierfreundlich und schnell zu reinigen. Foto: L. Thormann

Andererseits möchte ich diejenigen Kaninchenfreunde erwähnen, die ihr liebstes Kaninchen frei in der Wohnung laufen lassen und bei größter Sauberkeit und Hygiene mittels frei aufgestellter Kotschalen den Tieren eine geradezu paradiesische Tierunterkunft bieten. Diese Haltungsart hat aber mit einem Kaninchenstall nichts zu tun und soll nur der Vollständigkeit halber an dieser Stelle erwähnt sein.

Übrigens sollten wir als organisierte Züchterfreunde die Heimtierhaltung so sehen, wie es unser Verband empfiehlt. Mit der Möglichkeit, Heim- und Hobbykaninchen durch zugelassene Preisrichter mit einem Wertungsbericht auf Ausstellungen zu beurteilen, ergeben sich viele Berührungspunkte. Die Heimtierfreunde stellten mir bei einer solchen Bewertung viele Fragen, auch zur Haltung und Unterbringung ihrer „Wohnungshasen“.

Zeitgemäße Kaninchenställe und die Umwelt

Zu beachten ist in unserer Zeit, dass vor dem Bau neuer und auch bei Weiternutzung bestehender Anlagen die unterschiedlichen Bau- und Umweltgesetze der einzelnen Bundesländer ständig hinterfragt und eingehalten werden. Das betrifft auch das sehr variable Nachbarrecht.

Offene Dunghaufen oder sichtbare Außenstall-Rückwände mit abtropfender Stalljauche sind selbst in abgelegenen Dörfern weder erwünscht noch erlaubt. Größere Stallanlagen mit ihrer erforderlichen Entlüftung und Belüftung verlangen ebenfalls entsprechende Umweltmaßnahmen.

Eine rechtzeitige Klärung bei Behörden oder Nachbarn vermeidet unnötigen Ärger und letztlich auch zusätzliche Kosten bei einer Schadensbehebung.

Die Mindestgrößen für Kaninchenställe in Deutschland

Seinen Kaninchenstall baut oder kauft man in der Regel nur ein- mal. In solider Bauweise und bei fachgerechter Pflege und Erhaltung besitzen diese Ställe eine Nutzungsdauer von gut 30 bis 40 Jahren.

Man sollte deshalb genau überlegen, welche Bodenfläche und lichte Höhe ein Stallabteil bzw. eine Stallbucht in Bezug auf die gewünschte Rasse mit ihrem Lebendgewicht pro Tier haben sollte. Zu groß sind Stallbuchten niemals, wenn man einmal die Baukosten und die später erforderliche Einstreu außer Betracht lässt. Kleine und zu kleine und auch in ihrer Anzahl zu wenige Stallabteile im Zeitabschnitt der Jungtieraufzucht trifft man leider noch viel zu häufig an. Noch kritischer kann es werden, wenn statt einer Kleinrasse größere Kaninchen die Stallbuchten besetzen sollen.

In seinen Maßen und seiner Ausstattung ein vorbildlicher traditioneller Innenstall des Herdbuchzüchters Volkmar Schellhardt aus Bischofswerda/Sachsen. Foto: L. Thormann

Deshalb beachten wir folgende Hinweise zur Stallgröße als gemeinsame Empfehlung der TVT (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V.) und des Zentralverbandes Deutscher Rassekaninchenzüchter ZDRK:

Im Merkblatt Nr. 78 der TVT gibt es dazu weitere konkrete Fachhinweise. Die innere Buchtenhöhe muss mindestens bei 70 % der Stallbodenfläche eingehalten werden. Es heißt dort weiter (Zwischenüberschriften und Hervorhebungen durch den Autor):

Stallflächen für Häsinnen mit Wurf

Der Mindestflächenbedarf für Häsinnen mit Wurf liegt in Abhängigkeit von der Säugezeit um 30% (28 Tage) bzw. 50% (42-56 Tage) höher.

Für abgesetzte Jungtiere ist für das 1. Tier die Fläche entsprechend dem Gewicht (siehe Tab. 2), je weiteres Tier 30% dieser Fläche erforderlich.

Zusätzlich zu der geforderten Bodenfläche sollte in bestehenden Anlagen eine erhöhte Fläche an der Rückwand geschaffen werden, auf der die Tiere in entspannter Ruhelage liegen können und deren Höhe die Nutzung der darunter liegenden Fläche erlaubt. Bei Neubauten muss eine 2. Ebene vorhanden sein. Das Auf- und Abspringen wirkt sich positiv auf die Entwicklung von Skelett und Muskulatur aus. Bei säugenden Häsinnen bietet die 2. Ebene die Möglichkeit zum Rückzug von den Jungtieren.

Dadurch werden die Nestbesuche verringert, was eine Beunruhigung der Jungtiere in der Zwischensäugezeit verhindert.

Zu beachten ist, dass die 2. Ebene stabil an Rückwand oder Stallseiten, z. B. mittels Stahlwinkel, befestigt wird. Das Material der Liegefläche sollte griffig sein, etwa aus Massivholz oder nicht zu glatter Spanplatte. Die Flächenkanten vorn und seitlich sollen abgestumpft sein, damit die Kaninchen keinen Schaden nehmen.

Die angegebene Tiefe der Buchten muss eingehalten werden, um den Tieren eine Rückzugsmöglichkeit zu gewähren. Wildkaninchen ruhen bevorzugt an Begrenzungen (Büsche, Steine, Wände), Hauskaninchen an der Hinterwand der Buchten. Durch den engen Kontakt mit dem Menschen und die Konditionierung auf Futter haben sie ihre Schreckhaftigkeit verloren. Im Gegenteil nähern sie sich bei Annäherung des Betreuers der Vorderfront der Bucht. Deshalb sind höhlenartige Rückzugsmöglichkeiten nicht erforderlich.

Die zweite Bodenebene, in der Schweiz „Balkon“ genannt, dient als zusätzlicher Ruheplatz und vergrößert so die gesamte Bodenfläche der Stallbucht. Die Buchtentiefe Foto: Ruedi Dietiker

Die Stallbodenfläche mit der Einstreu

Die Gestaltung der Bodenfläche ist entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Sie muss trocken sein und arttypische Bewegungen ermöglichen. Derzeit wird fast ausschließlich die Haltung auf Einstreu praktiziert. Die Einstreu muss verformbar, trocken und frei von gesundheitsschädigenden Substanzen sein. Bei Stroheinstreu ist eine Unterschicht aus Sägemehl, Torfmull oder einem für Heimtiere geeigneten Substrat zu empfehlen, um den anfallenden Harn zu binden, wenn er nicht ablaufen kann.

Durch Nachstreuen und regelmäßigen Wechsel der Einstreu sind eine allzeit trockene Streu zu gewährleisten sowie eine Anreicherung der Luft mit Schadgasen zu verhindern. Gleichzeitig wird den Tieren die Möglichkeit gegeben, sich zu beschäftigen und Stroh zu fressen. Wird eine der handelsüblichen Streumaterialien eingesetzt, muss Heu oder Stroh über Raufen zugefüttert werden.

Vorderfront, Standort und Wetterschutz des Stalles

Die Vorderfront der Bucht muss zur Sicherung eines ausreichenden Luftwechsels und Lichteinfalls mit Drahtgitter versehen sein, dessen Fläche mindestens 30 % der Bodenfläche beträgt.

Durch die Wahl des Standorts können ungünstige Witterungseinflüsse verhindert werden. Auf keinen Fall sollte die Front nach Süden liegen, da dies im Sommer zu einer starken Aufheizung führen kann. Günstig ist, wenn sie in östlicher Richtung steht, da Nord- und Westseite stärker von Regen und Wind betroffen sind. Durch überstehende Dächer, Windbrechnetze, Schutzwände, Bäume und Büsche kann zusätzlicher Schutz erreicht werden. Im Winter sind die Tiere in extremen Situationen mit Wind und Schneetreiben durch Vorhänge zu schützen, ohne dass die Belüftung behindert wird.

Auslaufgehege für Kaninchen

Zeitweiser Aufenthalt von Muttertieren mit Jungen oder von Gruppen abgesetzter Jungtiere in versetzbaren Ausläufen führt zu beträchtlicher Aktivitätssteigerung. Dabei sollte jedoch durch einen Boden aus grobmaschigem Drahtgeflecht ein Entweichen verhindert werden, denn es muss damit gerechnet werden, dass die Tiere bei geeignetem Untergrund schon nach kurzer Zeit Löcher scharren. Außerdem ist für Sonnenschutz zu sorgen, da es bei Kaninchen schnell zu einer Überhitzung kommen kann.

In derartigen Ausläufen wird die Umgebung erkundet, es kommt zu lebhaften Bewegungen, wie man sie im Stall selten sieht. Die Fläche der Ausläufe muss mindestens doppelt so groß wie die der Bucht sein…"

Soweit einige wichtige Auszüge aus dem TVT-Merkblatt zum zeitgemäßen Stallbau hinsichtlich Buchtengrößen und Einbau einer 2. Ebene, die übrigens im Züchtergebrauch auch „Balkon“ genannt wird.

Interessant ist es, die deutschen Empfehlungen mit der Verordnung in der Schweiz zu vergleichen.

Es zeigt sich, dass bis auf die Bodenfläche für Kaninchen über 5,5 kg Gewicht sämtliche Maßvorgaben der deutschen TVT-Tabelle höher liegen und damit in der Bundesrepublik ein sehr anspruchsvoller und für den Tierschutz positiver Trend hinsichtlich der Stallmaße von kompetenten Fachleuten aus der Tierärzteschaft und aus dem Verband ZDRK beschlossen wurde.

Nun gilt es, durch Kaninchenhalter, Rassezüchter und auch Heimtierfreunde diese wohldurchdachten Empfehlungen im Stallbau anzuwenden und zu verwirklichen.

Das Fazit

Es gäbe noch eine Reihe weiterer Hinweise für den Bau und die Pflege bzw. den Werterhalt zeitgemäßer Kaninchenställe. In der „Kaninchenzeitung“ soll deshalb der Gedankenaustausch über zeitgemäße Kaninchenställe fortgesetzt werden. Mit dem vorliegenden Beitrag in diesem „Blauen Jahrbuch 2009“ kam es darauf an, interessierte Züchterfreunde auf aktuelle Aspekte und Entwicklungstrends bei Kaninchenställen im Freizeit- und Hobbybereich hinzuweisen. Vielleicht werden die Zuchtwarte in den Vereinen anlässlich von Stallbesuchen dieses Fachthema wieder einmal ansprechen und vor allem jungen Mitgliedern und Einsteigern in die Rassezucht Anregungen zum Stallbau vermitteln. Wenn zukünftig unsere Tiere dadurch bessere, d. h. tierschutzgerechtere Lebensbedingungen mit viel Bewegungsmöglichkeiten erhalten und die Zucht und Haltung allen Beteiligten mehr Freude bereitet, dann hat sich die Mühe des Autors gelohnt.

Quellenangaben:

(1) Ursula Glauser: „Neue Tierschutzverordnung auch für Kaninchen“, Zeitschrift „Tierwelt“ Nr. 22 vom 30. Mai 2008, Seite 42

(2) Lothar Thormann „Kaninchenställe und Auslaufgehege“, Expertenwissen Heimtiere, Oertel + Spörer Verlags-GmbH + Co. KG, 2008

(3) TVT Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V., Merkblatt Nr. 8 „Kaninchenhaltung“ 2007

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.