Richard Lampe, Berlin-Neukölln – „Das Blaue Jahrbuch“ 1963

Meines Wissens wurde dieses uns Züchtern so naheliegende Thema in der Fachpresse noch nie behandelt. Ich möchte nun zu Nutz und Frommen unserer Leser einige Anhaltspunkte zur Gewinnung und Verwertung von nützlichen Heilkräutern und Pflanzen, Früchten, Blüten und Knollen veröffentlichen. Bevor ich jedoch auf Einzelheiten eingehe, möchte ich dringend bitten, gelegentlich der Sammeltätigkeit nicht irgendwelche Verwüstungen anzurichten. Kein Pflanzenbestand darf im Interesse des Naturschutzes und der einheimischen Flora bis auf den letzten Rest gesammelt werden. Ferner muss das Einernten sachgemäß vorgenommen werden. Eine gewisse Kenntnis in der Botanik kann sich auch der Laie durch farbige Pflanzentafeln aneignen. Die Kenntnisse lassen sich unschwer vertiefen, wenn man zur Beratung Fachmänner heranzieht, namentlich auch soweit Ernte, Behandlung und Verwertung in Frage kommen. Am besten wird man vom ortsansässigen Apotheker in dieser Hinsicht beraten. Es ist nämlich jammerschade und unverantwortlich, die eingeernteten Pflanzen, Früchte, Blüten, Wurzeln und Knollen unsachgemäß zu behandeln, so dass sie unbrauchbar oder minderwertig werden.

Schon im frisch gesammelten Zustande sind die Pflanzen usw. schichtweise und luftdurchlässig auszubreiten, damit sie durch Gärung, vorzeitige Schrumpfung und Braunfärbung nicht verdorben werden. Das Trocknen geschieht nach kurzer Ausbreitung in frischer Luft (aber im Schatten), am zweckmäßigsten auf geeigneten luftigen Trockenböden. Auf Herden und Öfen soll man das eingebrachte Gut im Allgemeinen nicht trocknen, da die Hitze zu grell wirkt und ein Zerbröseln der Pflanzen nach sich ziehen kann. Wurzeln, Knollen, saftige Pflanzen und Kräuter schneide man auseinander und hänge sie an Fäden auf. Schimmelbildung muss unter allen Umständen hintangehalten werden, denn damit wird das eingebrachte Gut wertlos. Wo man mit Lufttrocknung nicht zurechtkommt, lege man es auf Horden und trockne es auf der Decke von Backöfen unter öfteren Wenden, nachdem es an der Luft vorgetrocknet ist. Eine fleißige Nachschau ist schon deshalb nötig, weil sich auch Ungeziefer (Milben) über das Trockengut ausbreiten kann. Überhaupt muss der Trockenraum und die Trockengelegenheit sauber sein. Muffige, dumpfe Luft verdirbt das Sammelgut, das man auf reinen Tüchern oder reinem Papier ausbreiten soll, um es dann häufig umzuwenden.

Besondere Sorgfalt erfordert geernteter Samen aller Art. Wenn er beim Sammeln noch nicht vollreif ist, muss er in möglichst dünner Schicht auf einer mit Papier belegten Horde oder auf saubergefegtem Trockenboden, wo die Sonne keinen Zutritt hat, wo es aber doch genügend warm ist, zur Vollreife gebracht werden.

Im Allgemeinen wird der Züchter seinen Kräuterbedarf nur für seine eigenen Zwecke einheimsen, was gelegentlich seiner Spaziergänge und Wanderungen leicht bewerkstelligt werden kann. Für den, der es wünscht und gebraucht, kann jedoch das Kräutersammeln sich zu einer hübschen Nebeneinnahme gestalten, wenn die Absatzquellen gesichert sind und das Sammelgut ausreichend zur Verfügung steht. Es bleibt bei jeder Sammeltätigkeit auf den Feldern jedoch zu berücksichtigen, dass man beim Abernten größerer Mengen die Erlaubnis der Grundbesitzer einzuholen hat. Also die Sache hat auch eine rechtliche Seite. In den meisten Fällen werden die Kräuter zur Teebereitung im eigenen Haushalt in gesunden und kranken Tagen benutzt. So gibt bekanntlich eine Mischung von Erdbeer-, Brombeer- und Himbeerblättern, wenn diese getrocknet sind, einen wohlschmeckenden und gut bekömmlichen deutschen Tee. Auch Lindenblüten, Heidekrautblüten, Preiselbeer- und Brombeerblätter, mit etwas Waldmeister und Pfefferminze oder Krauseminze gemischt, können für einen aromatischen Tee verwendet werden. Bekannt ist die Anwendung und Bereitung von Kamillen- und Pfefferminztee zu Heilzwecken. Auch Schlehdorn- und Schlüsselblumenblüten, mit Weidenröschen und Thymian gemischt, werden von Kennern und Liebhabern zur Teebereitung benutzt.

Viel getrunken wird wegen seiner harntreibenden Wirkung ein Tee aus Hagebuttenkernen, der zudem noch sehr wohlschmeckend ist. Der aus Birken- oder Bärentraubenblättern hergestellte Tee gilt ebenfalls als harntreibend und wird infolgedessen bei Wassersucht genommen.

Die getrockneten Holunderblätter, mit Lindenblüten vermischt, werden für einen Tee verwendet, der stark schweißtreibend wirkt. Ein Tee von Taubnesseln wird bei Husten, Heiserkeit, Verschleimung und Bronchitis getrunken. Auch bei der Ruhr soll er helfen. Stiefmütterchen wirkt abführend. Von guter Wirkung bei Herzleiden, nervösen Beschwerden, Schwindelanfällen, Kopfschmerzen, Magenverstimmungen usw. ist der aus der Baldrianwurzel gewonnene Tee. Der Tee aus den Blättern von Bitterklee fördert Verdauung und Hunger. Tee aus Malvenblättern gilt als Heilmittel bei Husten und Heiserkeit. Auch wird er gleich dem Salbeiabsud als Gurgelwasser bei Rachenkatarrh gerühmt. Blüte und Kraut der Schafgarbe stärken als Tee die Magentätigkeit und werden bei Leberleiden und Blutstockungen warm empfohlen. Gegen Verstopfungen und sonstige Darm- und Magenübel, gegen Blähungen, Aufstoßen, Sodbrennen, Appetitlosigkeit und Kopfweh, das vom Magen kommt, hilft ein Tee aus den Blättern und Blüten des Tausendgüldenkrautes, das als Gurgelwasser bei Mund- und Halskrankheiten sehr beliebt ist, wenn der gute warme Absud als solches Verwendung findet. Blätter und Schösslinge des Salbei gelten als Blutreinigungsmittel in Teeform mit Honigzusatz. Auch als vorzügliches Mittel gegen Ausschläge wird Salbei gerühmt, der als bestes Zahn- und Mundwasser gilt. Selbst zum Zahnreinigen kann man die frischen Blätter benutzen, die auch in zerquetschter Form als Auflage Migräne vertreiben helfen.

Der Saft von Wegerich ist gut bei Krankheiten der Atmungsorgane und des Darmes. Ferner gilt der Tee von getrockneten Wegerichblättern als vorzügliches Blutreinigungsmittel und gegen Blasenleiden.

Getrocknete Heidelbeeren wirken bei starker Cholerine. Der aus der Attichwurzel (auch bekannt als Zwergholunder ) bereitete Tee gilt als ganz vorzügliches, oft direkt verblüffend wirkendes Mittel bei Wassersucht.

Für das Einernten von Heilpflanzen, Kräutern, Knollen, Wurzeln, Blüten, Früchten und Samen kommen hinsichtlich der einzelnen Gattungen, der Sammelzeit und der Verwendungsart der Bestandteile folgende Anhaltspunkte in Betracht:

Aloe Sammelzeit Sommer und Herbst, Verwendung der Blätter;

Angelika: Sammelzeit Spätherbst, Winter und Vorfrühling, Verwendung der Blätter;

Anis: Sammelzeit September bis Oktober (meist in Gärten), Verwendung des Samens; Anissamen wird bekanntlich auch sehr gern als Kirrung auf die Taubensulzen gestreut.

Anserine: Gänsefingerkraut (Potentilla anserina L, Sammelzeit Sommer und Frühherbst, Verwendung der Blätter;

Arnika: Sammelzeit der Blüten Juni bis August, der Wurzeln im Frühjahr. Der mit Weingeist hergestellte Blütenextrakt dient, mit Wasser verdünnt, zu Umschlägen bei Beulen, Kontusionen und Quetschungen mit innerlichen Blutungen. Auf offenen Wunden dagegen soll man Arnika nicht bringen. Absud aus Arnikawurzeln wird äußerlich (durch warme Umschläge) bei Kolik angewendet und gelobt.

Attich: Sammelzeit Oktober, Verwendung der Wurzeln und Früchte;

Augentrost: Sammelzeit Juli bis Oktober, Verwendung der Blätter als kalter Tee zu Augenumschlägen und -waschungen;

Baldrian: Sammelzeit Mai, September, Oktober, Verwendung der Wurzeln;

Basilikum: Sammelzeit im ganzen Sommer, Verwendung von Kraut und Samen;

Beifuß: Sammelzeit Sommer und Herbst, Verwendung der Blätter, Blüten und Wurzeln; der getrocknete und frische Blütenstengel dient auch für Küchenzwecke, z. B. als Würze für Gänsebraten;

Bibernelle: Sammelzeit Sommer, Verwendung der Wurzeln; Blätter und der Rinde;

Bitterklee: Sammelzeit Sommer, Verwendung der Blätter;

Brennnessel: Sammelzeit Frühling und Sommer, Verwendung der Blätter. Junge Brennesseln geben frisch ein zartes Gemüse und können auch kleingehackt den jungen Gänsen gereicht werden. Gut getrocknet geben sie ein gutes Heu für unsere Rassekaninchen.

Brombeere: Sammelzeit der Blätter im Frühjahr und Vorsommer, der Früchte im Herbst;

Ehrenpreis: Sammelzeit Sommer, Verwendung der Blätter;

Eiche Sammelzeit im Herbst, Verwendung der Frucht (Eichelkaffee, Schweinemastfutter, Schüttung für Schalenwild) und der Rinde (zu Bädern wegen des reichen Tanningehaltes);

Enzian: Sammelzeit Sommer, Verwendung der Wurzeln (namentlich zu Enzianschnaps);

Erdbeere: Sammelzeit Frühjahr, Verwendung der Blüten, Blätter und Früchte.

Fenchel (Gartengewächs): Erntezeit im : Herbst, Verwendung des Samens zu Tee.

Ginster: Sammelzeit im Sommer, Verwendung der Blüte, des Krautes, des Samens und der Wurzeln;

Hauhechel: Sammelzeit Frühjahr und Herbst, Verwendung der Blätter und Wurzeln;

Heidelbeere: Sammelzeit Juli, Verwendung der Blätter, Wurzeln und Früchte;

Hirtentäschel: Sammelzeit Sommer, Verwendung der Blüten, Blätter und Schoten;

Holunder: Sammelzeit Frühsommer und Herbst, Verwendung der Blüten, Blätter und Früchte (auch der Rinde);

Huflattich: Sammelzeit Juni bis Juli für Blätter, für Blüten März und April;

Kalmus: Sammelzeit Juni bis Juli, Verwendung der Blüten;

Linde Sammelzeit Juni und Juli, Verwendung der Blüten;

Malve: Sammelzeit Juli, August, Verwendung der Blätter und Blüten;

Kamille: Sammelzeit Juni, Juli, Verwendung der Blüten;

Melisse: Sammelzeit zweimal kurz vor der Blüte im Juni und September;

Pfefferminze: Sammelzeit während der Blüte im Juli, im August für die Blätter und Ende September für die ganze Pflanze, wird im Garten gebaut, wächst aber auch wild;

Quendel: Sammelzeit während der Blüte Juli bis September, Verwendung der Blätter und Blüten zu Tee gegen Kolik und Magenbeschwerden;

Rainfarn (gelbe Schafgarbe): Sammelzeit Juli bis Herbst, Verwendung der Blütenköpfchen und des Krautes zu Absud gegen Eingeweidewürmer (aber nicht für Kinder tauglich!);

Schafgarbe: Sammelzeit Juni bis Oktober, Verwendung des ganzen blühenden Krautes;

Steinklee: Sammelzeit Juni bis September, Verwendung des ganzen blühenden Krautes, jedoch ohne die harten, meist auch sehr zähen Stängel. Auch die Wurzel wind verwendet.

Stiefmütterchen (wild): Sammelzeit Mai bis Oktober, Verwendung des blühenden Krautes;

Taubnessel: Sammelzeit April bis Oktober, Verwendung der Blüten ohne Kelch;

Tausendgüldenkraut: Sammelzeit Juli, August, Verwendung des blühenden Krautes, jedoch ohne Wurzel;

Thymian (im Garten und wild wachsend): Sammelzeit während der Blüte Mai bis Juni, Verwendung der Blätter und Blüten, dient als Gewürz und als bewährtes Mittel gegen Keuchhusten; Wacholder: Sammelzeit der reifen Früchte im Herbst.

Für Wacholderbeeren gibt es vielseitige Verwendung; sie sind harntreibend und magenstärkend, dienen als beliebtes Küchengewürz und zur Schnapsbereitung sowie als Räuchermittel, auf glühende Kohlen gelegt.

Der Tee von jungen Nadelsprossen dient zur Blutreinigung.

Waldmeister: Sammelzeit Mai, Juni, Verwendung frisch zur Bowle, getrocknet als aromatischer Teezusatz sehr beliebt. Es wird das ganze Kraut benutzt.

Wermut: Sammelzeit zu Beginn der Blüte im Juli und August, Verwendung der Blätter und blühenden Stängelspitzen. Vielseitige Verwendung als Wurmmittel, gegen Magenschmerzen und zur Herstellung eines bekannten Likörs.

Die Anführung der Giftpflanzen wurde absichtlich vermieden, weil Ernte und Behandlung nicht ohne Gefahr sind. Es kämen folgende Kräuter in Frage:

Bilsenkraut (auch Totenkraut genannt): Darf nur mit Handschuhen gesammelt werden, Verwendung nur zu Arzneizwecken, Sammelzeit Juni bis August während der Blüte.

Eisenhut: Verwendung der Blätter und Knollen zu Arzneien, Sammelzeit für die Blätter im Juni und Juli kurz vor der Blüte und für die Knollen am Ende der Blüte;

Fingerhut: Sehr giftig, Sammeln mit Handschuhen, Verwendung der Blüten, Sammelzeit Juni bis August. Der rote Fingerhut dient zur Herstellung des Herzanregungsmittels Digitalis.

Herbstzeitlose: Verwendung des reifen Samens zu Arzneizwecken (Gichtmittel), und der Knollen in gleicher Weise, Sammelzeit für den Samen im Juni, für die Knollen während der Blüte. Sehr giftig. Die Hände sind mit Handschuhen zu schützen.

Mutterkorn: Verwendung für Arzneien, Erntezeit kurz vor oder nach dem Roggenschnitt;

Tollkirsche: Verwendung für die Augenheilkunde (Belladonna), sehr giftig, Sammeln der Blätter im Juni bis Juli zur Blütezeit und der Wurzeln nach dem Abblühen. Der Sammler muss Handschuhe anziehen. Es wird immer behauptet, dass die Tiere eine gewisse Giftfestigkeit besitzen. Diese haben sie auch, insoweit freilebende Tiere (Raub- und Schwarzwild wie analoges Federwild) in Betracht kommt; dagegen ist keine Wildart gegen Gifte absolut immun oder unempfindlich. Gemeinhin versteht man unter Gift eine feste, flüssige oder gasförmige Materie, die bei ihrer Einverleibung in den Wild- und Haustierkörper, je nach Quantität diesen zu schädigen und sein Leben zu zerstören vermag. Nach ihrer Herkunft hat man mineralische, pflanzliche und tierische Gifte (anorganische und organische) zu unterscheiden oder in der freien Natur vorkommende und auf künstlichem Wege hergestellte. Außerdem spielen noch Krankheitsgifte oder Infektionsstoffe, als Erzeugnisse einer ansteckenden Krankheit, wie z. B. das Milzbrandgift, das Gift der Tollwut, des Starrkrampfes, eine Rolle. Während die eigentlichen Gifte im Tierkörper verbleiben, vermehren sich die Infektionsstoffe in ihm ins Ungeheure und liefern neue Spalt- und Umsetzungsprodukte mit den gleichen giftigen Eigenschaften. Gegen mineralische Gifte sind die freilebenden Tiere in gleicher Weise empfindlich wie die Haustiere. Rehe, die auf mit Kainit bestreuten Flächen Geäst haben, sind ebenso wie Schafe, Ziegen oder Haus- und Wildkaninchen an Vergiftung eingegangen. Bei Füchsen, Dachsen, Mardern, Iltissen usw. wirken die gleichen Dosen von Arsen, Phosphor, Bariumchlorid usw. im Verhältnis zur Körperschwere tödlich wie bei den Haustieren (Hunden, Kaninchen, Meerschweinchen). Anders verhält es sich bei den Pflanzengiften der freien Natur: Offenbare Vergiftungen infolge von Giftpflanzen sind beim Wild nicht beobachtet worden; nur bei einem eingegangenen Kaninchen fand man im Magen viele Nachtschatten und im Darm die darauf hinweisenden Erscheinungen der Vergiftung, desgleichen bei einem Rehkitz jene der Pilzvergiftung. Tatsächlich besitzt das Wild gegenüber der Äsung von Giftpflanzen und Giftpilzen ein sehr weitgehendes Unterscheidungsvermögen, wohl zu trennen von dem Naturtrieb oder Instinkt, den man auch als Ausfluss einer unbewusst zweckmäßigen Handlungsweise zu erklären versucht hat. Bei erlegten Rehen und Hirschen wurden häufig Pilze, aber fast stets essbare, höchst selten nur einige giftige angetroffen. Pflanzengifte der freien Natur scheinen tatsächlich das Wild weniger anzugreifen und in größeren Gaben von ihm ertragen zu werden als mineralische. Das gleiche trifft zu für die tierischen Gifte. Noch niemals hat man gehört, dass ein Stück Groß- oder Kleinwild an einem Schlangenbiss eingegangen wäre. Und zweifellos hat in Revieren, in denen Kreuzottern häufig vorkommen, das Wild unter diesen zu leiden. Bisse an Hals und Grind können tödlich sein; sie sind aber umso ungefährlicher, je weiter entfernt vom Gehirn stattgefunden haben. So hat man einmal einen Bussard in seinem Horst tot aufgefunden, unter ihm lag eine Kreuzotter mit abgebissenem Kopf. Jedenfalls hatte die Otter noch Zeit, den Bussard zu verletzen, ehe sie von ihm unschädlich gemacht wurde. Die angebliche Giftfestigkeit vieler Vögel sowie der Schweine gegen das Schlangengift beruht lediglich auf der Virtuosität dieser Tiere, die sie in der Tötung und Unschädlichmachung der Schlangen besitzen, ohne dabei gebissen zu werden. Fäulnisgifte, wie z. B. Aas, sind im Gegensatz zu den in Verderbnis übergegangenen, künstlich zubereiteten Fleisch- arten für das Raubwild, auch Hunde, ungefährlich. Dagegen vermögen mit Rost- und Brandpilzen besetzte Pflanzen, wie Klee, Luzerne usw. sowie muffige Körner, verschimmeltes, versauertes Futter, bei unseren Hauskaninchen eine Giftwirkung auszulösen. Dass tierische Krankheitsgifte, für die unsere Haustiere und das Wild empfänglich sind, auch durch Stechmücken, Zecken und Hautungeziefer aller Art übertragen werden können, ist ohnehin bekannt. Alle auf künstlichem Wege zubereiteten Gifte, wie Strychnin, Solanin, Atropin usw. sind trotz ihrer pflanzlichen Herkunft für die Haustiere ebenso gefährlich wie für die Tiere der Freiheit. Bei Sauen, Füchsen, Dachsen usw. kann es allerdings oft vorkommen, dass das Gift nach der Aufnahme bald wieder erbrochen wird, daher nur zum Teil zur Wirkung gelangt. Die Unterscheidungsgabe, die das Wild in Bezug auf giftige Pflanzen und Pilze in der freien Natur besitzt, ist ihm gegenüber den mineralischen und pflanzlichen, auf künstlichem Wege hergestellten Giftstoffen wie gegenüber dem ausgelegten verdorbenen oder mit Pilzen verunreinigten Futter nicht eigen. Ausnahmen, dass manche Tiere eine größere Giftfestigkeit besitzen als andere, kommen jedoch vor. So ist z. B. der Igel gegenüber Giften immun bis zu einem gewissen Grade; er verträgt größere Dosen von Strychnin, Zyankali usw., die manches Stück Großwild töten würden.

Richard Lampe *1871, Arzt

Geboren:, Wedlitz

SAN-RAT DR. RICHARD LAMPE* 1874

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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