Von Jochen Weishaar, Baunatal, für „Das Blaue Jahrbuch“ 1992
Mit diesem Beitrag soll der Versuch unternommen werden, den Pressewarten einige Tipps und Anregungen zu vermitteln. Nun ist mir natürlich klar, dass es noch längst nicht überall in unserer Organisation Pressewarte gibt. In kleineren Vereinen ist dies wahrscheinlich auch nicht unbedingt erforderlich. Besonders dann nicht, wenn ein geeigneter Schriftführer die Arbeit zu übernehmen bereit ist. Unverständlich aber ist es in der heutigen Zeit, wenn KV und LV glauben, diese Funktion sei unnötig und überflüssig. Denken wir doch nur einmal an die Verbandsschauen und die dortigen Preiserringer. Es sind aber nicht nur die Schauberichte, sondern noch viele andere Dinge, die der Pressewart erledigen könnte und sollte.
Wer oder was ist ein Pressewart?
Eine Frage, deren Antwort wohl kaum in einem Lexikon zu finden ist. Ein Grund liegt in der Tatsache, dass es den Begriff des Pressewartes noch gar nicht so lange gibt. In unserer Organisation wird diese Funktion erst seit einigen Jahren besetzt. In früheren Jahren wurde diese Arbeit, wenn überhaupt, vom Schriftführer oder vom Vorsitzenden erledigt. In der Zwischenzeit aber sind viele Organisationen, Verbände und Parteien dazu übergegangen, verantwortungsbewusste Personen zu suchen, die diese Arbeit übernehmen können. Ein Pressewart sollte auf jeden Fall einigermaßen druckreif schreiben können. Er ist zuständig für die Veröffentlichung der Dinge, die von allgemeinem Interesse sind. Damit betreibt er gleichzeitig Öffentlichkeitsarbeit. Der Schriftführer hat dagegen die Aufgabe, die Versammlungsprotokolle abzufassen. Das Protokoll ist eine chronologische Wiedergabe der Versammlung mit allen wichtigen Beschlüssen und Fakten. Der Schriftführer sollte sich einer eigenen Meinungsäußerung im Protokoll enthalten, soweit er sich nicht in der Versammlung zu bestimmten Dingen geäußert hat. Der Pressewart dagegen kann, wenn es der besseren Darstellung in der Öffentlichkeit dient, auch die Meinung von Minderheiten in seinen Bericht einbringen. Ja, er kann sie u. U. sogar zum Aufhänger für seinen Bericht machen. Mit seiner eigenen Meinung sollte er allerdings Zurückhaltung üben oder sie deutlich als seine persönliche Meinung kenntlich machen.
Gute Manuskripte sind gefragt
Unsere Fachzeitschriften machen bei jeder Gelegenheit darauf aufmerksam, dass sie Manuskripte benötigen. Die Pressewarte sind ebenso wie erfahrene Züchter ganz besonders gefordert, dann neben den Fachbeiträgen muss natürlich auch der Organisationsteil sinnvoll genutzt werden. Dafür sind gute und brauchbare Manuskripte erforderlich. Nur diese garantieren eine schnelle und vollständige Veröffentlichung. Ganz besonders Berichte für den Organisationsteil bedürfen einiger Voraussetzungen, wenn sie schnell und vollständig erscheinen sollen.
Neben den Fachzeitschriften sollen aber auch die Tageszeitungen und Gemeindeblätter für unsere Anliegen genutzt werden. Die meisten Tageszeitungen sind in der Zwischenzeit mit einem Reporter vor Ort vertreten, wenn sie etwas bringen wollen. Die Reporter sind, schon weil ihnen die Materie in der Regel nahezu völlig fremd ist, dankbar für entsprechende Aufklärung. Besser aber ist es, wenn der Pressewart neben einigen anderen Unterlagen zur Sache, ein fertiges Manuskript mit den wichtigsten Fakten überreichen kann.
Bei den meisten Gemeindeblättern ist es Sache des Pressewartes, entsprechende Manuskripte zu liefern. Misserfolge sollten nicht dazu führen, die Arbeit einzustellen. Zuerst muss einmal ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen dem Pressewart und dem verantwortlichen Redakteur aufgebaut werden. Bei den Gemeindeblättern, Tageszeitungen und dem Organisationsteil der Fachzeitschriften, liegt die Aufgabe des Pressewartes darin, mit wenigen Worten möglichst viel zu sagen. Ein Sprichwort sagt: „In der Kürze liegt die Würze!“ Dieses Sprichwort gilt ganz besonders für einen Pressewart.
Wie soll ein gutes Manuskript aussehen?
Ein Manuskript wird nicht nur durch seinen Inhalt ein gutes Manuskript. Mindestens ebenso, wenn nicht noch viel wichtiger, ist die Form des Manuskriptes. Gerade in Bezug auf die Form eines Manuskriptes, werden die meisten Fehler gemacht. Der Einsender des Manuskriptes wundert sich, dass „sein“ Beitrag nicht gedruckt wird. Er ist sauer und schimpft auf die Redaktion. Er macht sich aber keine Gedanken, wie groß der Aufwand für den jeweiligen Redakteur ist, ein Manuskript der weniger guten Art druckreif zu machen. Bei den Fachzeitschriften sind die Redakteure meistens mit der Materie vertraut. Bei den Tageszeitungen und anderen Druckerzeugnissen kann dies aber kaum erwartet werden. Ein formlich gutes Manuskript muss einige Grundvoraussetzungen erfüllen:
1. Grundsätzlich sollte ein weißer DIN-A4-Bogen verwendet werden. Dabei ist es unerheblich, wie kurz oder lang der Bericht ist.
2. Links und rechts bleibt ein breiter, unbeschriebener Rand. Der linke Rand sollte etwa 3 cm und der rechte Rand etwa 4 cm breit sein
3. Die erste Zeile der ersten Seite wird mit dem Namen und der Anschrift des Verfassers versehen.
4. Die erste halbe Seite bleibt frei für Vermerke des Redakteurs.
5. Beschrieben werden die Blätter grundsätzlich nur einseitig und mit 1 1/2-zeiligem oder noch besser 2-zeiligem Zeilenabstand.
Für Berichte für den Organisationsteil des DKZ und anderer Fachzeitschriften sind unbedingt die vorgedruckten Formulare der jeweiligen Redaktion zu verwenden. Sie werden jedem Pressewart und jedem Züchter auf Wunsch zugeschickt.
Noch etwas ist unbedingt zu beachten. Fotos sollten stets mit dem gewünschten Text beschriftet sein. Allerdings darf niemals das Foto direkt beschrieben werden. Ideal ist ein Aufkleber, der mit dem Text auf die Rückseite geklebt wird. In den vorherigen Ausführungen habe ich schon einmal das Sprichwort „In der Kürze liegt die Würze“ verwendet. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist dies bei Berichten von Tagungen und Versammlungen für den Organisationsteil des DKZ. An einigen schlechten und einigen guten Beispielen möchte ich dies deutlich machen:
Weniger gut ist: „Am 15.5.1990, vormittags 9.00 Uhr, trafen sich zur KV-Versammlung des KV Hasenhausen die Delegierten 172 der Vereine des KV im Vereinslokal des Vereins „Einheit" zur turnusmäßigen KV-Versammlung."
Besser ist: „Die KV-Versammlung fand am 15.5.1990 beim Verein „Einheit statt." Um welchen KV es sich handelt, geht aus der Überschrift hervor. Alle anderen Dinge sind mehr oder weniger selbstverständlich und gelten für jede KV-Versammlung.
Weniger gut ist: „Der Vorsitzende Hans Müller, hatte die hohe Ehre, insbesondere den Landrat Dr. Hase, der es sich nicht hatte nehmen lassen, persönlich zu erscheinen, namens aller anwesenden Vereine ebenso herzlich wie die Delegierten der Vereine zu begrüßen.
Besser ist: „Vors. Hans Müller begrüßte besonders den Landrat Dr. Hase.“ Die Begrüßung der Delegierten ist eine Selbstverständlichkeit und der Landrat muss persönlich erschienen sein, wenn er besonders begrüßt wird.
Diese Beispiele ließen sich endlos fortsetzen. Sie sind keineswegs aus der Luft geholt, sondern durchaus realistisch.
Den Abschluss soll ein gar nicht so seltenes Beispiel machen. „Gegen 12.00 Uhr schloss der 1. Vorsitzende Hans Müller die gut besuchte und harmonisch verlaufene Versammlung mit dem Gruß ,Gut Zucht' und wünschte allen Anwesenden einen guten Heimweg." Ein Satz, der flüssiger ist als Wasser. Er ist einfach überflüssig. Der Name des Vorsitzenden ist eingangs bereits erwähnt „Gut Zucht“ und die guten Wünsche für den Heimweg sind eigentlich Selbstverständlichkeiten. Es interessiert sicherlich in Hamburg niemanden, wann in München einer Versammlung zu Ende war.
Das Problem der Kürzungen
Aus den verschiedensten Gründen können Kürzungen in den Manuskripten erforderlich sein. Auf keinen Fall will der Redakteur den Schreiber damit ärgern. Im Allgemeinen sind die Redakteure bemüht, Entstellungen dabei zu vermeiden. Dies setzt voraus, dass der Redakteur mit der Materie vertraut ist. Andererseits hat es der jeweilige Schreiber durchaus in der Hand, sinnentstellende Kürzungen erst gar nicht möglich werden zu lassen. Dazu gehören entsprechend zu Papier gebrachte Ausführungen.
An einem Beispiel will ich versuchen, dies deutlich zu machen. „Der Vorstand verlas den Antrag des Vorstandes zur Erweiterung des Zuchtgeländes. Die Genehmigung der Gemeinde liegt vor. Eine umfangreiche Diskussion führte zur Ablehnung des Antrages wegen der unangemessenen Erhöhung des Pachtzinses durch die Gemeinde.“
Der Redakteur kürzt diesen Text u. U. zu einem Satz zusammen und schreibt: „Der Antrag auf die Erweiterung des Zuchtgeländes wurde abgelehnt.“ Richtig ist, der Antrag wurde abgelehnt. Die Gründe aber, die für den Verein ausschlaggebend waren und für die Öffentlichkeit wichtig sein könnten, gingen in der Kürzung unter. Hätte der Pressewart geschrieben: „Der Antrag auf die Erweiterung des Zuchtgeländes wurde wegen der unangemessenen Pachtzinsforderungen der Gemeinde abgelehnt." Bei dieser Formulierung hätte kaum ein Redakteur die Möglichkeit zur Kürzung gehabt. Trotzdem wurde der gesamte Sachverhalt deutlich zum Ausdruck gebracht.
Es wurde ganz bewusst ein recht harmloses Beispiel ausgewählt. Mir sind Entstellungen bekannt, die die Dinge ins Gegenteil verkehrt haben. Die Schuld dafür muss der Schreiber aber letztlich bei sich selbst suchen. Er hat mit seiner umständlichen Ausdrucksweise die Kürzung geradezu provoziert. An diesen Beispielen wird eine der wichtigsten Regeln für einen Pressewart deutlich. Was er mit 10 Zeilen nicht sagen kann, das kann er auch mit 100 Zeilen nicht zum Ausdruck bringen.
In den meisten KV und Vereinen wird immer noch nach dem Motto gehandelt: „Was sollen wir mit einem Pressewart?“ Diese Einstellung ist nicht nur falsch, sondern gefährlich. Gerade diese Funktion ist in der Zwischenzeit eine der wichtigsten innerhalb des Vorstandes. Der Pressewart hat dort, wo er seine Arbeit wirklich ernst nimmt, längst den Zuchtwerbewart (die Betonung liegt dabei auf „ . . . werbe…") abgelöst. Folgerichtig wird heute in der Regel auch vom Zuchtwart gesprochen. Seine Aufgabe liegt in der Zucht bzw. Zuchtberatung und nicht in der Werbung. Der Pressewart dagegen soll mit seiner Arbeit u. a. auch werben.
Wenig sinnvoll ist es, einen Journalisten oder Redakteur für diese Arbeit zu suchen, wenn er nicht auch mit Leib und Seele Züchter ist. Glücklich schätzen kann sich der Verein oder Ver- band, der gute Verbindungen zu diesen Leuten hat. Mit einem Kenner an seiner Seite kann er durchaus zum Vorteil für uns alle arbeiten. Wichtig ist Sachkenntnis. Darum kann ein Fachmann mit einer weniger großen journalistischen Erfahrung der bessere Mann für unsere Zwecke sein. Das oben Gesagte gilt natürlich sinngemäß für die Frauen in unseren Reihen.
Nicht nur auf Fachzeitungen konzentrieren
Wie bereits angesprochen, ist die Arbeit des Pressewartes auch oder sogar in erster Linie Öffentlichkeitsarbeit. Leider ist im Zusammenhang mit dem Pressewart aber meistens nur von den Fachzeitungen die Rede. Öffentlichkeitsarbeit im Sinn des Wortes wird aber nicht in den Fachzeitungen, sondern in den allgemein zugänglichen Medien und Publikationen gemacht.
In einigen LV haben es die Pressewarte auf Grund der Struktur der Tageszeitungen sicherlich nicht leicht. Etwas besser haben es häufig die KV-Pressewarte. Beide aber sollten stets versuchen, ihre Möglichkeiten zu nutzen. Fast jedes Jahr haben die Tageszeitungen ihre sogenannte „Sauregurkenzeit“. In dieser Zeit ist es leichter, ein Bein in die Tür der Presse zu bekommen. Auf diesem Standbein lässt sich dann aufbauen. Dazu sind allerdings gute und für die Allgemeinheit interessante Beiträge über die Kaninchenzucht erforderlich. So kann ein Bericht über ein öffentlich zugängliches Zuchtgelände durchaus Interessenten ansprechen. Der Aufbau, die Besetzung und die Umgebung der Anlage sollte aber auch vorzeigbar sein. Dazu gehört u.a., dass die dort anwesenden Züchter ansprechbar und auskunftsbereit sind. Wird so ein neuer Züchter gewonnen, so war die Arbeit sogar mehr als erfolgreich.
Pressewart – Pressesprecher
In der Politik und der Wirtschaft ist der Pressewart in der Regel auch Pressesprecher. Dort ist es die Person, die der Presse und den Medien gegenüber als Schreiber und als Sprecher der jeweiligen Institution auftritt. Seine Aufgabe besteht darin, die Dinge, die die Institution bewegen, der Öffentlichkeit „zu verkaufen“.
Um nun aber das Richtige richtig „verkaufen“ zu können, muss der Pressewart die Ziele, Ansichten und Meinungen des Vorstandes und ganz besonders des engeren Vorstandes möglichst genau kennen. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass der Pressewart in den engeren Vorstand gehört. Sicher muss er dort nicht unbedingt mit einer Stimme vertreten sein, aber der Sitz und damit die Anwesenheit bei den engeren Vorstandssitzungen muss gesichert sein. Nur so kann der Pressewart die Ziele des Vorstandes nach außen entsprechend vertreten.
Leider hat sich diese Erkenntnis bisher in unseren Verbänden noch nicht durchgesetzt. In den Bundesverbänden, dem ZDK und BDRG, ist diese Funktion gar nicht besetzt. In den meisten LV und teilweise auch in den KV tut sich in der letzten Zeit etwas in dieser Richtung. Hier und da wird die Arbeit den Obleuten für Öffentlichkeitsarbeit mit übertragen. Sinnvoll ist es sicherlich, wenn die beiden Funktionen in einer Hand sind. Noch wichtiger aber ist es, die Funktion oder Funktionen zu vergeben und mit Leben zu erfüllen. Dort wird die Basisarbeit gemacht.
Vielleicht konnte ich mit diesem Beitrag auf die Wichtigkeit eines Pressewartes aufmerksam machen und diesen einige Anregungen für ihre Arbeit geben. Ein guter Pressewart ist letztlich auch ein Garant, und zwar ein wichtiger, für das weitere ständige Aufwärtsstreben unseres Verbandes.

