Heinz Floer, Steinfurt (Westf.) „Das Blaue Jahrbuch“ 2006

Die Beschaffenheit des Felles hängt von einigen grundlegenden Anforderungen ab, die bei allen Rassen in gleicher Weise zu beachten sind.

Der Fellwert ergibt sich aus Haarlänge

Haardichte

Haarzustand

Eine alte Bauernweisheit lautet: „Gut geputzt ist halb gefüttert.“ Das trifft auch auf die Kaninchenzucht zu. Hier ist aber gut geputzt nicht nur halb gefüttert, sondern auch das Fell wird dadurch um einiges wertvoller.

Das richtige Futter

Im Zusammenhang mit dem Fell ist auch dem Futter große Beachtung zu schenken. Ölhaltige Kerne, Sonnenblumenkerne, Lein- samen und Maisschrot tragen dazu bei, ein gesundes, glänzendes und glattes Fell zu schaffen. Wenn Grünfutter ganz fehlt, dann sollte ein Ersatz in Form von Möhren, Kohlrabi oder Keimhafer an- geboten werden. Ein Körnerfutter (Zucht oder Zucht/Mast) sollte in der Zeit der Haarbildung unbedingt gereicht werden.

Bürsten ist sehr wichtig

Allgemein wird die Pflege am lebenden Tier noch sehr gering geachtet, was besonders für die Ausstellungen recht nachteilige Folgen hat. Durch fleißiges Bearbeiten des Haarbodens mit der Bürste wird erreicht, dass das Fell glatt und glänzend wirkt. Ab und zu ist auch der Kamm notwendig. Auf jeden Fall sollten die alten, abgestorbenen Haare nicht im Pelz hängen bleiben, bis ein dicker Filz entsteht, der das Haarkleid unansehnlich macht. Will der Züchter diesen Missstand später doch noch beseitigen, hat er umso mehr Arbeit da- mit und die einheitliche Glätte und Glanzfülle der Behaarung leidet trotzdem darunter. Gerade in den Wochen, in denen sich die Tiere stark entwickeln, muss das Fell aus den angegebenen Gründen wöchentlich mindestens zweimal gut durchgebürstet werden.

Wenn man beim täglichen Füttern ein paar Mal mit der Hand die am meisten haarenden Tiere durchstreicht, so wird schon auf diese Weise viel Ausfall herausbefördert und die Erneuerung des Haarkleides beschleunigt. Man sollte schon Monate vor der Ausstellung das Fell täglich gut durchbürsten. Dadurch werden eine sehr gute Durchblutung der Haut und das Nachwachsen junger Haare angeregt. Das Fell der Kaninchen ist ein sehr wertvolles Produkt der Rassezucht und hat durch seine hervorragenden Eigenschaften den Weltmarkt erobert. Die Tatsache, dass man z. B. englischen sowie belgischen Prinzessinnen anlässlich ihrer Hochzeit einen Mantel aus blauen Van-Beveren-Fellen überreichte, beweist u. a. zur Genüge die Vorzüge dieser Rasse.

Sauberkeit der Ställe

Die Reinlichkeit in den Ställen hat auf die Sauberkeit der Tiere großen Einfluss, besonders bei den hellen Rassen. Die unschönen Urinflecken, die sich aus dem Fell kaum wieder entfernen lassen (erst nach der nächsten Haarung), haben ihre Ursache meist in mangelnder Einstreu, in zu kleinen oder unzweckmäßigen Ställen und ungenügender Säuberung der Stallanlagen. Es ist dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn sich Ungeziefer einnistet, das das Fell noch wertloser macht. Schon aus diesem Grund ist die bereits erwähnte Haarpflege mit Kamm und Bürste sehr wichtig. Der beste Fellzustand ist immer dann vorhanden, wenn die Felle vollständig ausgehaart sind. Ein gutes Fell ist aber auch in der Haarungszeit bis zu einem gewissen Grad an der Dichte der Unterwolle, der Haarlänge und der Beschaffenheit des Deckhaares zu erkennen.

Man sieht den Tieren die sehr gute Fellpflege an: 1,0 Deutsche Riesen, hasenfarbig

0,1 Van Beveren, hellblau

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.