Heidrun Eknigk, Finsterwalde „Das Blaue Jahrbuch“ 2000

„Mensch, Tier und Natur stehen in einem untrennbaren Lebenszusammenhang miteinander. Tiere sind keine „Ware“ oder „Sache“, sondern leidensfähige Lebewesen. Diese Erkenntnis erfordert radikal neue Wege im Tierschutz, die auch psychische Leiden mit ein schließen." 1

Das Thema „Tierschutz“ ist ein streitbares, weil nun einmal Menschen sehr sensibel und dabei unterschiedlich reagieren. Bereits der einleitende Satz wirft zumindest bei einem Züchter Widerspruch auf, denn im Grund sind Tiere auch Haus- und Nutztiere, die der Mensch einmal im Sinne der Wirtschaftlichkeit domestizierte, die also (auch nach dem Gesetz) als „Ware“ und „Sache" benannt werden könnten. Und bei aller Tierliebe sollte man den Begriff Tierschutz auch nicht drastisch überbewerten. Der Mensch ist ein fleischfressendes Individuum. Er braucht sowohl pflanzliche als auch tierische Proteine.² Hier sträuben sich dem ambitionierten, um nicht zu sagen dem fanatischen Tierschützer die Haare. Viele Menschen ernähren sich aufgrund ihrer absoluten Tierliebe von Gemüse und decken den Bedarf an tierischen Proteinen, tierischem Eiweiß nur durch den Genuss von Eiern, Milch und Milchprodukten. Das muss ebenso respektiert werden, wie andererseits die Schlachtung unter Bedingungen nach ordentlichen, bitte auch nach rechtlichen Gesichtspunkten. Streng nach dem Grundsatz: Das Tier darf nicht unnötig leiden.

Jeder Tierzüchter und jene, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Tier in ihre Obhut zu nehmen, sollten von Haus aus gleichzeitig Hüter des Lebewesens sein. Jede Tierart ist an eine bestimmte Lebensform gebunden. Tiere aller Arten unterliegen im Sinne ihrer Gesundheit und ihres Wohlergehens eigenen Lebensbedürfnissen und ganz konkreten Lebensbedingungen. Grundsätzlich sollte es für jeden, der sich (aus welchen Gründen auch immer) Tiere hält, eine moralische Pflicht sein, einem doch immerhin eingesperrten Tier optimale Lebensbedingungen einzuräumen. Der beste Weg zur erfolgreichen und freudebringenden Tierhaltung und -zucht ist, sich vor der Anschaffung über hauptsächliche Fragen zu dem auserwählten Tier zu informieren.

Viele Züchter werden sich jetzt fragen: „Was soll das? Ich habe geräumige Ställe, füttere naturnah, und die Einstreu ist sauber. Wo liegt da ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz begründet?" Nein, entsprechen die Haltung und der fachgerechte Umgang mit dem Tier der jeweiligen Art oder Rasse den Anforderungen, die übrigens dem organisierten Züchter auch im Verein gelehrt werden, dann dürfte dem Tierschutz bis hierhin Genüge getan sein. Einem Züchter gereicht es allemal zur Ehre, wenn er seinen Tieren die artgerechte Haltung ermöglicht, die mit Sauberkeit, regelmäßigen Futter- und Wasserreichungen sowie mit dem Verständnis für das Individuum und einer gewissen Portion Fachwissen kombiniert ist. Organisierte Züchter dürften sich ihrer Verantwortung weitestgehend bewusst sein, denn in den gut funktionierenden Vereinen werden regelmäßige Schulungen durchgeführt, die neben den Rassebeschreibungen auch Haltungs- sowie Fütterungstips und -hinweise zum Inhalt haben. Nicht zuletzt wird vor allem neuen Zuchtfreunden der Umgang mit dem Kaninchen gelehrt. Hierzu gehört selbstverständlich auch das richtige Hantieren mit den Tieren. Leider ist es eine weitverbreitete Unsitte, Kaninchen an den Ohren anzuheben oder gar zu tragen. Das ist Tierquälerei; ebenso das freischwebende Tragen von Kaninchen im Rücken- oder Nackengriff, ohne dabei das Eigengewicht des Tieres abzufangen.

Tierschützer und Freunde des Tier- und Naturschutzes sind unerbittliche Kämpfer, deshalb ist es schon richtig und wichtig, wenn im vergangenen Jahr endlich nach immerhin fünfjähriger Beratung ein Gesetz die Entscheidungshürden genommen hatte, welches dem Tier allgemein mehr Rechte auf angemessene Behandlung und entsprechende Achtung einräumen soll. Die Betonung liegt auf „einräumen soll“. Wer hält sich an das Tierschutzgesetz? Eigentlich doch Menschen, denen Tiere Entspannung und Freude bereiten, oder Zuchtfreunde, die in und mit ihrer Arbeit auch die Geschichte um die Rassekaninchenzucht als kulturelles Erbe wertschätzen.

Tierzucht wie Tierhaltung in der Professionalität des Geldverdienens hingegen lassen immer wieder Mängel im würdigen Umgang mit Tieren und somit das Umgehen der Tierrechte erkennen. Hier erwähnt seien die Fragen der unsinnigen, jedoch staatlich subventionierten Schlacht-Tiertransporte, Hühner in qualvollen Batteriehaltungen, Kaninchenmast auf engstem Raum und auf Drahtböden (wie die Monitorredaktion mit einer notwendigen, deutlichen Offenheit belegte). Und die vielen Tierversuche mit dem Touch, sie dienten dem menschlichen Wohl.³ „Ärzte gegen Tierversuche" im Bundesverband der Tierversuchsgegner – Menschen für Tierrechte – haben im Internet eine Datenbank angelegt, die abrufbar ist. In einer Experimentbeschreibung im Rahmen der „Strahlungstherapie“ an 120 Kaninchen heißt es: „Die Kaninchen wurden im Alter von zehn Wochen ein- bis zehnmal über eine bis 26 Wochen mit einer Dosis von 2,5 bis 25 Gy bestrahlt (Durchführung der Experimente 1987-1989). Später (1990-1995) wurden die gleichen Experimente mit Ratten durchgeführt. Die Ratten müssten aber im Gegensatz zu den Kaninchen während der Bestrahlung betäubt werden, da sie nicht längere Zeit in der gleichen Position verharren (Kaninchen bleiben aufgrund eines Reflexes starr in der Rückenlage). Während der Bestrahlung der Kniegelenke mit einem 9- MV-(Megavolt, [H. E.]) Photonenstrahl werden die Tiere in einer speziellen Spannvorrichtung fixiert. Die Tiere werden mehrere Wochen (Kaninchen 24, Ratten 14 Wochen) lang beobachtet und das Längenwachstum der Knochen des bestrahlten Kniegelenks, mit dem nicht bestrahlten Knochen verglichen. 18 % der Kaninchen und 5,4 % der Ratten sterben vor Versuchsende durch Infektionen und Knochenbrüche bzw. durch Narkosezwischenfälle. Weiteres Schicksal der Tiere nicht beschrieben, ein großer Teil der Ratten wird für Gewebeuntersuchungen getötet.“ Zitatende.

Dieser Beitrag ist noch einem empfindsamen Leser zuzumuten, hingegen andere Beispiele aus den Bereichen Tierzucht und Vererbungsforschung, Herz-Kreislauf-Forschung und Physiologie, Immunologie, Virologie oder aus der Tumorforschung gehen beim Lesen schon an die eigene Substanz. Frage: Wem nutzen diese Versuche? Dr. med. Werner Hartinger, einer der engagierten Ärzte, die gegen Tierversuche publizieren: „Tierversuche sind wissenschaftlich nicht vertretbar… vor allem deshalb, weil sie (die Ärzte gegen Tierversuche, H. E.) Erkenntnisse aus Tierversuchen für unwissenschaftlich und vor allem für nicht übertragbar auf den Menschen halten."

Noch viele Beispiele ließen sich anfügen, welche die Themen Tierschutzgesetz und Tierversuch in einen krassen Widerspruch stellen. Welcher Regierung aber wird es gelingen, ein Gesetz festzuschreiben, das grundlegend den Pharmabetrieben die Hände bindet, sinnlose, quälende Forschungen an Tieren zu betreiben? Selbst das Damoklesschwert, nämlich die schon gängige Drohung „Verlust von Arbeitsplätzen", darf kein Argument sein, sich politisch gegen die Würde der Tiere zu stellen.

Natürlich leben schwerkranke Menschen in der Hoffnung, die Versuche an Maus, Affe, Katze, Kaninchen bringen eine Lösung, eine Besserung oder gar eine Heilung. Dieses Wunschdenken Schwerkranker ist verständlich. Bei genaueren Recherchen zum Thema muss man erkennen, dass die meisten der Versuche irrsinnig, ja sogar für die Übertragung auf den Menschen und zur Anwendung gegen menschliche Leiden gar nicht geeignet sind.

Beispiel: In einer Zeitung, die „ein Herz für Tiere" hat, wurde einmal dokumentiert, wie eine wehrlose Katze gezwungen wurde, beim lebensnotwendigen Atmen den Rauch mehrerer in einem Gestell fixierter Zigaretten gleichzeitig zu inhalieren. Wozu die Qual des Tieres, wenn doch schon Hänschen weiß, dass Rauchen der Gesundheit schadet? Und wer raucht schon sechs, sieben Zigaretten gleichzeitig? Auch dieses Beispiel ließe sich durch viele andere Beispiele, in denen Kaninchen eine wesentliche Rolle spielen, ergänzen. Kaninchen sind eine sehr beliebte Versuchstierart neben anderen Nagern und Katzen. Oder möge man bitte einmal an den Schmuggel wildlebender Exoten denken. Nicht zu vergessen sind die vielen ausgesetzten, misshandelten Tiere, die „das Niedliche“ verloren haben und nun dem ach so großen Tierfreund auf die Nerven gehen, den Teppich beschmutzen, zu viel Geld und Mühen kosten. Beispiele gibt es unzählige, die das Erfordernis, Tiere und Natur unter den gesetzlichen Schutz zu stellen, begründen.

Wer mit Vehemenz gegen den Missbrauch der Kreatur antritt, hat Achtung und Respekt verdient. Den Betreibern und Helfern in den Tierheimen, die sich ausgesetzten, leidenden und misshandelten Tieren widmen, sei Anerkennung ausgesprochen. Auch das ist Tierschutz. Tierschutz ist auch, sich dem Tier, für dessen Anschaffung man sich einmal entschieden hat, die entsprechende Fürsorge zu bieten. Kann man dies aus den unterschiedlichsten Gründen nicht, hat man seine Fähigkeiten – mit einem Tier zu leben überschätzt, so sollten fairere Konsequenzen gezogen werden als das Aussetzen oder dem Tier mit Barbarei (Rohheit, Grausamkeit; Unzivilisiertheit) zu begegnen.

Ist das Tierschutz? Da wurde ein Hund in einer Baugrube gefunden. Wie auch immer er dort hinein geriet, blieb unklar. Hinterhand gelähmt „wartete“ das Tier in einem Tierheim. Was sollte mit ihm geschehen? Die Frage löste Diskussionen aus, worin einige Tierschützer meinten, solange das Tier noch frisst, habe es seine Daseinsberechtigung. Andere, auch Tierschützer, waren der Meinung, diesem Tier wäre das sanfte Einschläfern eine Erlösung. Wer hatte recht?

In einem Tierheim (Fernsehsendung, in der Tiere ein Zuhause suchen) befanden sich etwa zwölf Hähne, alle würden nur zusammen abgegeben, hieß es. Hähne sind Nutztiere! Gleiche Stelle, gleiche Welle, da wurden und werden Kaninchen aus irgendwelchen Gründen in einem Tierheim aufgenommen. Nun suchte man für diese Tiere ein Zuhause. Dabei war zu beachten, sie sollten nicht getrennt werden. Kaninchen sind letztendlich Nutztiere! Erwartet diese Tiere ein wirklich „fröhliches Dasein“, wenn sie in mitleidige Hände geraten, die aber nie ein Kaninchen pflegten? Ist das noch Tierschutz, wenn ich einen Hahn benötige, aber zwölf kaufen muss, damit ich dann in den „Genuss“ von Hahnenkämpfen komme?

Natürlich zählt sich die Verfasserin dieser Zeilen zu den Tierfreunden, doch Tierliebe muss Grenzen haben. Wenn zwölf Hähne fachgerecht geschlachtet und der tierheimischen Futtergrundlage zugeführt werden, ist das kein Vergehen.

Oder ist dies ein Vergehen? Ein liebgewordener Hund, der tagaus, tagein ein treuer Begleiter und Freund war, kann eines Tages selbst das weichste Gnadenbrot nicht mehr fressen. Der Weg neben Herrchen/Frauchen macht längst keinen Spaß mehr, aber der Hund geht ihn schleppend – gehorsam. Ist hier nicht die Zeit gekommen, dem Tier die weiteren Mühen zu ersparen?

Wie alt müssen unsere Kaninchen werden, würde man im Sinne eines fanatisch ausgelegten Tierschutzes auf Selektion durch Schlachtung verzichten? Es wäre keine Rassezucht, würden Züchter ohne Auslese vermehren. Außerdem sind Kaninchen aber nicht allein Zucht-, Kuschel- und Liebhabertiere, sondern auch Nutztiere. Wie sieht es denn bei der Schlachtung aus? Wird die Tötung wirklich so fachgerecht ausgeführt, damit dem Kaninchen unnötige, schwere Leiden erspart bleiben? Das allerdings ist neben den Haltungsfragen ein weiteres Gebot des Tierschutzgesetzes, das seit einem Jahr (1. Juni 1998) in Kraft gesetzt ist.

Ein Frevel und ein Vergehen sind die Spättätowierungen. Wenn bereits die Gewebestruktur des Ohres voll entwickelt ist, die Ohrvenen markant sind, hat keine Täto-Zange mehr etwas am Kaninchenohr zu suchen. Wenn es im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 30 vom 29. Mai 1998 zur Kennzeichnung heißt: „… für die Kennzeichnung von Schweinen, Schafen, Ziegen und Kaninchen durch Ohrtätowierung, für die Kennzeichnung anderer Säugetiere innerhalb der ersten zwei Lebenswochen …", so muss dem aus Sicht des Züchters widersprochen werden. Zwei Lebenswochen sind noch kein Alter, um bei Kaninchen mit absoluter Sicherheit eine Geschlechtsbestimmung durchzuführen. Gut, dem erfahrenen Zuchtfreund fällt es nicht schwer, gleich nach der Geburt der Jungtiere eine Geschlechtsbestimmung vorzunehmen. Trotzdem ist das Gesetz in diesem Punkt haltlos, bedenkt man die Länge der „kleinen Löffel“ in diesem Alter. Tätowierungen sind Ordnungsdaten, die vor dem Absetzen in die Ohren eingebracht werden. Die Handlung obliegt allein dem Tätowiermeister eines Vereines, der ausreichend qualifiziert sein soll, die eben geltenden Richtlinien kennt und konsequent Nachtätowierungen oder Tätowierungen an älteren Kaninchen vornimmt, als die für Tätowierungen maßgeblichen Bestimmungen aussagen. Darüber hinaus muss der Täto- Meister Kennzeichnungen an Tieren ohne Abstammungsnachweis verweigern.

Eine weitere Frage des Tierschutzes im Kaninchenstall ist das Züchten selbst. Beispiel: Eine Häsin einer beliebigen Zeichnungsrasse wirft eben ihre Jungen. Der Züchter erkennt: „So ein Ärger, überwiegend Schlachter.“ Je nach Schlachttierbedarf im Verwandtenkreis werden diese Tierchen einer Amme untergeschoben oder gemerzt. Vermeintlich sinnlose Geburten zu merzen ist nicht ehrenhaft. Die Häsin lässt der Züchter erneut decken. Es liegt zwar in der Natur unserer hasenartigen Freunde, mehrere Würfe pro Jahr aufzuziehen, aber wird der Häsin im Stall auch immer die optimale Voraussetzung für eine rasche Nachzuchtproduktion geboten? Trächtigkeit und Geburt und gleich wieder eine erneute Trächtigkeit sind der Häsin abgeforderte Leistungen und müssen bei fraglicher Haltung und Betreuung für die Gesundheit des Tieres als sehr bedenkenswert eingestuft werden. Das Verantwortungsbewusstsein um die Gesunderhaltung der eingesperrten (folglich nicht mehr in der Natur lebenden) Tiere gehört in den Tierschutz einbezogen.

Erlebtes Beispiel: Bei einer Stallbegehung wurden Blaue Wiener angetroffen, die auf einer ca. 20 cm hohen Kotmatte saßen. Es befand sich nicht ein Strohhalm auf dem Boden, in der Raufe gab es kein Heu. Eine Häsin stand vor ihrem Wurftermin. Auch solche Haltungsmethoden widersprechen nicht nur dem Tierschutz, sondern passen zu keinem, der sich Züchter nennt. Und die beliebte Tombola mit „lebenden Preisen", wie darf diese eingestuft werden?

Schönheit oder Qual? Der Wunsch nach neuen Rassen ist in der Züchterwelt aller Tierarten ausgeprägt. Mitunter ist die Unvernunft dabei so groß, dass die Schönheit den Tieren zur Qual werden kann. Nackthalsige Hühner, Hunde ohne Fell, Perser-Katzen mit einem kurzen Stopp (der standardisierten flachen Nase), so dass dem Tier vor lauter Schönheit die Augen tränen, oder nicht zuletzt der grenzenlose Schönheitssinn in der Kaninchenzucht. Solange im Rahmen der Farbkombinationen experimentiert wird, sollte dieses Schönheitsideal ohne Komplikationen, das heißt ohne Erbschädigungen, erreichbar sein. Aber bei einer Zucht sind eben auch alle vorherrschenden wie verborgenen Gene angesprochen, die negative Auswirkungen haben können und in einer unkontrollierten, wachsenden Dominanz verheerende Folgen haben können.

Beispiel: Letalfaktoren in Verbindung mit der klassischen Scheckenzucht. Die näheren Charakterisierungen der Vitalitätseinschränkungen/-minderungen, die unter dem Begriff „Erbfehler“ ihre Begründung finden, unterliegen unterschiedlichen Formen, beispielsweise semiletale und subvitale Faktoren, der sich rezessiv verhaltenden Genveränderungen. Das Vorhandensein und die Stärke ihrer Erbkraft kann in einer Zucht immer nur angenommen werden. Treten nun in den sogenannten Punktscheckenzuchten viele letale Fälle auf, sollte die Zuchtwahl so überprüft werden, dass die Geburt lebensschwacher Tiere gering gehalten wird. Das nützt dem Tier und dem Menschen namens „Züchter" gleichermaßen.

Auch die Forderung nach immer stärkeren Köpfen, kann Bedenken auslösen, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich mit dem Vorhandensein des männlichen Symbols auch die hormonelle Entwicklung der betroffenen Häsinnen verändert.6 Was bedeuten kann, durch extreme Zuchtauslese wird die „weibliche Natur“ von Häsinnen dahingehend verändert, dass geringe Wurfzahlen anfallen, Mutterinstinkt und Säugeleistungsfähigkeit verdrängt werden können.

Oder das Stichwort „Zwergkaninchen". Insbesondere das Hermelin als eine der ältesten Rassen, deren Köpfe durch jahrelange Zuchtauslese eine starke Ausprägung erlangt haben, sollten nicht in dieser Frage überfordernden Zuchtzielen, die dann die Lebensqualität der sonst possierlichen Rasse doch stark beeinträchtigen, ausgesetzt sein. Zuallererst dürfte hier das Auge betroffen sein, das immer mehr aufgrund anatomischer Veränderungen des Kopfes aus der Augenhöhle gedrängt wird. Nicht allein die Schönheit leidet, sondern die Folgen davon können Augenverletzungen und Krankheiten sein. Dem Tier ist es eigentlich egal, wie es aussieht, nur liebevoll und mit ausreichender Achtung möchte ihm begegnet werden, wenn die Schönheit der Tiere dem Menschen zur Ehre gereichen muss.

Bedenken wir alle, dass wir dem Tier verpflichtet sind, das uns als eingesperrte Kreatur, bellender Begleiter oder trillernder Stimmungsmacher Freude bereitet. Danken wir es ihm, indem wir unser Tier verstehen lernen, achten und seinen Bedürfnissen entsprechend handeln. Jeder Tierhalter/Tierzüchter ist irgendwann einmal Vorbild. Neuen Zuchtfreunden gegenüber und erst recht all jenen, die den Tierhaltungen und Zuchten skeptisch begegnen.

1 Quelle: http://www.gruene.at/topic/tier/versuche.htm

2 Vgl. LexiROM 3.0: Um die essenziellen Aminosäuren zu erhalten, müssen Mensch und Tier Proteine über die Nahrung (Pflanzen, Fleisch, Eier, Milch) aufnehmen.

3 Siehe: „Ärzte gegen Tierversuche", Internetadresse: http://tierrechte.de/datenbank/abfrage.msql

4 Gy = Gray = Einheit der Energiedosis; 1 Gy = 1 Joule/kg.

5 Ausführlich: „Wissenschaftliche und ethische Argumente gegen Tierversuche"; http://tierversuchsgegner.org/tierversuche

6 Siehe auch: H. Eknigk „Das leidige Wammenproblem", 3. Spalte, DKZ Reutlingen 8/98

Vorheriger ArtikelEin großes Ärgernis: Kaninchendiebstahl
Nächster ArtikelEinzigartige Fellfarbe erobert Züchterherzen
Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein